David Mamet

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David Mamet 2008

David Alan Mamet (* 30. November 1947 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Drehbuchautor, Dramatiker, Filmregisseur, Produzent, Dichter und Schriftsteller. Er gilt als überaus produktiver Autor, dessen Stil häufig mit dem von Harold Pinter verglichen wird.

Leben[Bearbeiten]

Mamet wuchs in einem jüdischen Elternhaus in einem Vorort von Chicago auf, seine Kindheit wurde aber von der Scheidung seiner Eltern überschattet: eine Erfahrung, die er später in seine Werke einfließen ließ. Nach dem Abschluss des College besuchte er eine New Yorker Schauspielschule, wo er Kontakt zu den Schauspielkollegen William H. Macy, Joe Mantegna, Lindsay Crouse, und Ricky Jay knüpft und das Schauspielerensemble St. Nicholas Company gründete. In seinen Filmen arbeitete er später oft mit diesen Schauspielern zusammen.

Anfang der 1970er Jahre versuchte er als Theaterschauspieler Fuß zu fassen, musste sich aber zunächst mit Gelegenheitsjobs abfinden, bis er anfing, Bühnenstücke zu schreiben. Sein ungewöhnlicher sprachlicher Stil, geprägt von schnellen und mit Kraftausdrücken durchsetzten Dialogen, ist bis heute als „Mametspeak“ bekannt. Seinen Ursprung hat dieses Vokabular nach seiner eigenen Aussage in der rohen Alltagssprache seiner Eltern. Inhaltlich beschäftigen sich seine Stücke mit der Verrohung und dem kulturellen Niedergang der Gesellschaft.

In New York fand er Mitte der 1970er Jahre– abseits des Broadway – eine Möglichkeit, seine Stücke aufführen zu lassen, wo sie sich verhältnismäßig schnell zu Erfolgen entwickelten und ihm verschiedene Kritikerpreise einbrachten. Durch diesen Erfolg wurde Hollywood auf ihn aufmerksam, und er erhielt erste Drehbuch-Aufträge. Sein erstes Filmdrehbuch, die Adaption von James M. Cains Roman Wenn der Postmann zweimal klingelt, wurde 1981 von Bob Rafelson mit Jack Nicholson und Jessica Lange in den Hauptrollen verfilmt. Ein Jahr später wurde sein Drehbuch zu The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit für einen Oscar nominiert.

Mamet schrieb aber auch weiterhin sehr erfolgreiche Theaterstücke. So wurde das Drama Glengarry Glen Ross 1984 mit dem Pulitzer-Preis und vier Tony Awards ausgezeichnet. Für die spätere Verfilmung mit Jack Lemmon, Al Pacino, Ed Harris Alan Arkin u. a. schrieb er auch das Drehbuch.

Sein Debüt als Filmregisseur gab er 1987 mit dem Gangster-Thriller Haus der Spiele. Die Hauptrolle der Psychologin Margaret, die langsam im Spielermilieu versinkt, übernahm seine Ex-Frau, die Schauspielerin Lindsay Crouse. Seitdem nimmt er immer wieder auf dem Regiestuhl Platz, sein Hauptaugenmerk aber richtet sich auf das Schreiben von Drehbüchern. Er wird zudem häufig als „Script-Doctor“ beschäftigt, um bestehende Drehbücher umzuschreiben oder zu verbessern (so arbeitete er u. a. an den Drehbüchern zu Jimmy Hoffa und Hannibal).

Mamet schreibt Essays, Bücher und Artikel, in denen er sich kritisch mit der Filmindustrie und dem oft ideenlosen „Produktionsprozess“ von Filmen auseinandersetzt. Seine Hauptkritik richtet sich dabei gegen Filmproduzenten und Studio-Manager, die seiner Ansicht nach die „nutzlosesten“ Berufe ausfüllen. Er ist auch ein scharfer Kritiker der Schauspieltechnik des Method Acting, die er in seinem Buch Richtig und Falsch als „Malen nach Zahlen“ bezeichnet, die Schauspielern nicht zu einer natürlichen Darstellung ihrer Figuren verhelfe.

Seine schriftstellerische Tätigkeit beschränkt er weder auf ein spezielles Genre noch auf ein besonderes Medium, da er sich nach eigenen Aussagen schnell langweilt. So hat er inzwischen ein Kinderbuch und eine Sammlung von Gedichten veröffentlicht und arbeitet mit seiner Frau, der schottischen Schauspielerin und Sängerin Rebecca Pidgeon, an Liedtexten.

Seit 2001 trainiert Mamet mit Erfolg Brazilian Jiu-Jitsu und hat sowohl seine Tochter wie auch den Rabbiner seiner jüdischen Gemeinde davon überzeugen können, diese Kampfsportart auszuüben.[1] 2008 berichtete Mamet in einem Zeitungsessay über seinen Sinneswandel von einem „hirntoten Linken“ hin zu einem Zeitgenossen mit differenzierter Weltanschauung.[2][3]

Mamet lebt mit seiner Frau und seinen Kindern zeitweise auf seiner Farm in Vermont oder in einem Haus in Cambridge, vorwiegend jedoch in Santa Monica, Kalifornien.

Werke[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Regie und Drehbuch:

Drehbuch:

Literarische Vorlage:

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • 1970 – Lakeboat
  • 1972 – The Duck Variations (Enten Variationen)
  • 1974 – Sexual Perversity in Chicago
  • 1974 – Squirrels
  • 1975 – American Buffalo
  • 1976 – Reunion
  • 1976 – The Water Engine
  • 1977 – A Life in the Theatre (Leben im Theater)
  • 1979 – The Woods
  • 1980 – Lakeboat
  • 1982 – Edmond
  • 1983 – The Frog Prince
  • 1984 – Glengarry Glen Ross (Hanglage Meerblick)
  • 1985 – The Shawl (Der Schal)
  • 1988 – Speed-the-Plow (Die Gunst der Stunde)
  • 1989 – Bobby Gould In Hell (Bobby Gould in der Hölle)
  • 1992 – Oleanna
  • 1995 – The Cryptogram (Das Kryptogramm)
  • 2001 – Boston Marriage (Die Schwestern von Boston, siehe auch Boston Marriage)
  • 2004 – Faustus (Die Tragödie des Doktor Faustus)
  • 2005 – Romance (Romanze)
  • 2008 – November
  • 2009 – Race
  • 2011 - The Anarchist (Die Anarchistin)[4]

Bücher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Pulitzer-Preis[Bearbeiten]

Oscar[Bearbeiten]

  • 1998 – Oscar-Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch für Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
  • 1988 – Oscar-Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch für The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

BAFTA[Bearbeiten]

  • 1999 – Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch für Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Cannes Film Festival[Bearbeiten]

Mostra[Bearbeiten]

  • 1987Goldene Osella (bestes Drehbuch) und Pasinetti (bester Film) für Haus der Spiele

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: David Mamet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Time Magazine, 19. Mai 2008, Joel Stein: Jujitsu with Mamet; S.56
  2. FAZ.net vom 20. April 2008 die deutsche Übersetzung
  3. Essay von Mamet, Why I am no Longer a 'Brain-dead Liberal', VILLAGE VOICE, 11. März 2008
  4. Frauen im Knast, Männer im Käfig in FAZ vom 4. Dezember 2012, Seite 31