David Woodard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
David Woodard im Roten Salon der Volksbühne Berlin (März 2010)

David J. Woodard (* 6. April 1964 in Santa Barbara, Kalifornien) ist ein US–amerikanischer Geschäftsmann. Seine Ausfertigungen der „Dreamachine“ wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. In Deutschland wurde er vor allem durch seine Beiträge für die Zeitschrift „Der Freund“ (2004–2006) bekannt. In seinen Essays und Reiseberichten setzt er sich u. a. intensiv mit dem paraguayischen Nueva Germania und der zeitweise dort ansässigen Elisabeth Förster-Nietzsche auseinander.

Werdegang[Bearbeiten]

Woodard wechselte häufig seinen Studienort und studierte an der University of California, Santa Barbara, der New School for Social Research, der Columbia University, der San Francisco State University und der San Francisco Conservatory of Music.

Nueva Germania[Bearbeiten]

2003 wurde er zum Stadtrat des kalifornischen Juniper Hills (Los Angeles County) gewählt. In dieser Eigenschaft schlug er eine Städtepartnerschaft mit dem paraguayischen Nueva Germania vor, das im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern als "Zufluchtsort der arischen Rasse" gegründet worden war. Um diesen Plan voranzutreiben, besuchte Woodard den dortigen Gemeinderat. Nach seinem Besuch verfolgte er den Plan nicht weiter, hatte aber in der Stadt ein Studienobjekt gefunden, das er in der Folge mehrfach in Artikeln und Interviews beschrieb. Besonders interessiert ihn dabei der Aufenthalt von Nietzsches Schwester Elisabeth, die dort zwischen 1886 und 1889 lebte. Woodard organisierte in der Folge Gruppenreisen nach Nueva Germania[1], und gewann auch die Unterstützung des damaligen US-Vizepräsident Dick Cheney für die Kolonie.[2]

Im Frühlingstrimester 2006 war Woodard Dozent an der Wissenschaftsakademie Berlin, einer inzwischen geschlossenen Bildungseinrichtung mit satirischem Hintergrund. Titel der zusammen mit Christian Kracht und dem Komponisten Christian von Borries geleiteten Veranstaltung war „Nueva Germania—Gescheiterte Eugenik im Dschungel Paraguays“.[3]

„Dreamachine“[Bearbeiten]

Seit 1989 baut David Woodard Exemplare der „Dreamachine“ nach, die in den 1960er Jahren von Brion Gysin und Ian Sommerville (1940–1976) entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um einen Zylinder, der um eine Lichtquelle rotiert. In den Zylinder sind verschieden geformte Löcher gestanzt, dadurch entsteht beim schnellen Drehen der „Dreamachine“ ein stroboskopartiger Effekt. Dieser trifft auf die geschlossenen Augenlider und erzeugt intensive Farb- und Lichtvisionen, wodurch Bilder im Gehirn stimuliert werden sollen, die denen eines Drogenrausches oder eines Traumes ähneln sollen.[4]

1997 schenkte er William S. Burroughs ein ´Bohemien-Model` seiner Traummaschine zum 83. Geburtstag des Autors, welche nun eine Leihgabe des Estate William S. Burroughs an das Spencer Museum of Art ist.[5] Anlässlich einer Gedenkveranstaltung für Burroughs baute Woodard eine mit Hermelinpelz behangene „Dreamachine“, die im Jahre 2000 bei Sotheby’s zu einem hohen Preis versteigert wurde.[6]

Woodards „Dreamachine“ wurde mehrfach ausgestellt, zuerst 1996 im Los Angeles County Museum of Art als Teil der Ausstellung „Ports of Entry—William S. Burroughs and the Arts“ (Los Angeles Times: „the most interesting object in the art exhibition“),[7] später u. a. 2006 in einer von Adina Popescu kuratierten Gruppenschau bei „Program“ in der Berliner Invalidenstraße 115.[8] Ein Modell der „Dreamachine“ wurde auch in der Ausstellung „MD 72“ präsentiert, die vom 10. Januar bis 10. Februar 2008 in der Galerie Neu am Berliner Mehringdamm stattfand, kuratiert von Alexander Schröder.[9]

Im Jahr 2008 kuratierte Woodard zusammen mit Adrian Notz im Zürcher Cabaret Voltaire die Ausstellung „Dreamachine: David Woodard, Christian Kracht, Ma Anand Sheela“. Teil dieser Ausstellung waren Malereien und Zeichnungen, die von den Bewohnern zweier Wohnheime für Betagte und Behinderte, die Sheela Birnstiel in Maisprach und Lausen bei Basel betreibt, unter dem Einfluss der „Dreamachine“ angefertigt wurden.[10] In der von Jan Hoet kuratierten Schwanengesangs-Ausstellung „Loss of control“ (MARTa Herford, 1. November – 25. Januar 2009) erglänzt eine von Woodard fabrizierte Traummaschine in einem holzverkleideten Kabinett, umgeben von Arbeiten von verstörender Erotik von Antonin Artaud, Hans Bellmer, Louise Bourgeois, Jean Dubuffet, Jörg Immendorff, Henri Michaux, Yue Minjun, Francis Picabia, Félicien Rops, and Adolf Wölfli.

Über die Rezeption der „Dreamachine“ schreibt Woodard anlässlich einer Ausstellung in Freuds Traum-Museum in Sankt Petersburg:

„Wenn man mit geschlossenen Augen in die Dreamachine schaut, erzeugt sie Wachträume—es waren wohl eher die effekthascherischen Schlagzeilen, die sie hier bekannt machte. Russische Medien hatten in ihrer Vorberichterstattung zu der Ausstellung betont, dass der Rockmusiker Kurt Cobain in den Tagen und Stunden, die zu seinem frühzeitigen Ableben führten, die Dreamachine verwendet hätte. In der täglichen Schlange standen mehr Besucher, als wir erwartet hatten.“[11]

Weitere Projekte[Bearbeiten]

Im 1996 komponiert Woodard eine Messingfanfaren Einstellung von Mark Twains „The War Prayer“, die König von unerlaubten Handlungen Melvin Belli rezitiert in Old First Church, San Francisco.[12]

Seit den 1990er Jahren steht Woodard auch für die Kunstform des “Prequiem” (ein Neologismus aus Requiem und der Vorsilbe “pre”), in der er auf Eigen oder Fremdinitiative hin individualisierte Musikstücke komponiert und zur Aufführung bringt während des Ablebens einer Person. Diese an buddhistische Traditionen erinnernde Praxis bot Woodard mehreren Personen des öffentlichen wie nichtöffentlichen Lebens an [13][14][15] bzw. brachte das jeweilige Prequiem auch zur Aufführung [16][17] Woodard bezeichnet sich selbst als „an artist who is fed up with much of the pretentious nonsense that has come to define Western culture.“[18]

Für die Zeitschrift 032c interviewte Woodard 2011 den deutschen Kunsthistoriker und Verleger Hubert Burda[19].

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Henning Kober: In, um und um Germanistan herum. In: taz, 18. Mai 2006.
  2. Vgl. Michael Wiederstein: Der Rivellatrinker. In: Schweizer Monat, Oktober 2012.
  3. Vgl. Stephan Maus: Oh, wie schön ist Paraguay. In: Süddeutsche Zeitung, 21. März 2006.—Vgl. außerdem die offizielle Webseite zu Veranstaltung.
  4. Vgl. David Woodard: The Dreamachine, für PROGRAM | initiative for art + architecture collaborations, November 2006.
  5. Spencer Museum of Art: Welcome to the Spencer Collection, The University of Kansas
  6. Vgl. Mark Allen: Décor by Timothy Leary. In: New York Times, 20. Januar 2005.
  7. Vgl. Christopher Knight: The Art of Randomness. In: Los Angeles Times, 1. August 1996.
  8. Vgl. Niklas Maak: Das hysterische Flattern einer Segelyacht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2006.
  9. Vgl. Astrid Mania: Gruselige Alphawellen. In: artnet, 23. Januar 2008.
  10. Cabaret Voltaire: Dreamachine: David Woodard, Christian Kracht, Ma Anand Sheela, 02. Mai - 24. August 2008.
  11. Vgl. David Woodard: Ernst Jünger in Leningrad (PDF; 77 kB). In: Alexander Pschera (Hrsg.): Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht. Berlin: Matthes & Seitz, 2008. S. 172.
  12. David Woodard, „The War Prayer“
  13. Vgl. Susan Carpenter: In Concert at a Killer's Death. In: Los Angeles Times, 9. Mai 2001.
  14. Vgl. Composer creates fanfare. BBC, 11. Mai 2001.
  15. Vgl. Jason Leopold: Laguna Niguel. In: Los Angeles Times, 26. Januar 1999.
  16. Vgl. Kenneth Reich: Family to Sue City, Firms Over Angels Flight Death. In: Los Angeles Times, 16. März 2001.
  17. Vgl. Jim Dawson: Los Angeles's Angels Flight. Mount Pleasant: Arcadia Publishing, 2008. S. 125.
  18. Vgl. T.K. Kim: Terror Tunes. In: Intelligence Report, Southern Poverty Law Center, Sommer 2005.
  19. Vgl. David Woodard, In Media Res. In: 032c, Sommer 2011. S. 180–189.