Dawes-Kriterium

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Das Dawes-Kriterium beschreibt das durch Beugung begrenzte Auflösungsvermögen eines menschlichen Beobachters bei der Betrachtung enger Doppelsterne durch ein Teleskop. Es ist nach dem britischen Astronomen William Rutter Dawes benannt.

Er gab den von ihm empirisch gefundenen Zusammenhang zwischen dem Durchmesser der Teleskopöffnung d in Zoll und dem Winkelabstand α in Bogensekunden eines damit gerade noch zu trennenden Doppelsterns an als

\alpha = \frac{4{,}56}{d}.

Mit einem Teleskop von zwei Zoll Öffnung (5 cm) kann also ein Doppelstern mit 2,3 Bogensekunden Winkelabstand getrennt wahrgenommen werden. Für große Teleskope gilt die Formel nicht mehr, da das Seeing die Auflösung begrenzt.

Überlagerung zweier nach Dawes gerade noch auflösbarer Beugungsbilder

Die meisten Doppelsterne sind sonnenähnlich gelb. Nimmt man für die Wellenlänge 550 nm an und drückt α im Bogenmaß aus, so ist das Dawes-Kriterium

\alpha \approx \frac{\lambda}{d}.

Im Vergleich zum empirischen Dawes-Kriterium für das menschliche Sehen unterschätzt das formale Rayleigh-Kriterium das Auflösungsvermögen um den Faktor 1,22: Beim Dawes-Kriterium überlappen die beiden Beugungsscheibchen so stark, dass fast keine Einsenkung zwischen den Maxima zu erkennen ist, während beim Rayleigh-Kriterium die Einsenkung etwa 30 % beträgt. Moderne Bildverarbeitung erlaubt die Vermessung von Doppelsternen auch bei noch stärkerer Überlappung.