Deçan

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Deçan/Deçani1
Wappen fehlt
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Deçan (Kosovo)
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Basisdaten
Staat: Kosovo
Gemeinde: Deçan (Dečani)
Koordinaten: 42° 32′ N, 20° 17′ O42.53777777777820.291111111111550Koordinaten: 42° 32′ 16″ N, 20° 17′ 28″ O
Höhe: 550 m ü. A.
Fläche: 180 km²
Einwohner: 38.984 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 390
Postleitzahl: 51000
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Gemeindeart: Großgemeinde
Gliederung: 37 Ortschaften
Bürgermeister: Rasim Selmanaj (AAK)
Postanschrift: Sheshi Mentor Tolaj
51000 Deçan
Webpräsenz:
1 albanisch (unbestimmte / bestimmte Form),
2 serbisch (lateinische / kyrillische Schreibweise)


Deçan [dɛʧan] (albanisch auch Deçani [dɛʧaˑni]; ist eine Stadt im Westen des Kosovo und Amtssitz der gleichnamigen Großgemeinde, die 38.984 Einwohner zählt (Stand: 2011).

Geographie[Bearbeiten]

Berglandschaft des Prokletije nordwestlich von Deçan mit der Veternik-Spitze (alb. Çvërla) auf 2461 Metern Höhe über Meer

Deçan liegt im Westen des Kosovo auf etwa 550 Meter über Meer nahe den Grenzen zu Montenegro und Albanien. Westlich der Stadt liegt das Prokletije beziehungsweise die Albanischen Alpen. Etwa zehn Kilometer im Südosten befindet sich der Radonjić-Stausee, welcher der zweitgrößte See im Land ist. Deçan befindet sich zirka auf halbem Weg zwischen Gjakova und Peć. Die Hauptstadt Priština liegt rund 70 Kilometer im Osten.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Laut der letzten Volkszählung von 2011 leben in der Großgemeinde Deçan 38.984 Einwohner. Die Großgemeinde umfasst neben der eigentlichen Stadt noch 36 weitere Ortschaften, die sich über einer Fläche von 180 Quadratkilometern ausbreiten. Demnach betrug im Jahr 2011 die Bevölkerungsdichte rund 217 Einwohner pro Quadratkilometer.[1]

Das ethnische Gefüge der Gemeinde setzt sich aus Kosovo-Albanern, Serben, Roma und Türken zusammen. Dementsprechend sind die Religionen mit den meisten Anhängern der Islam sunnitischer Richtung und das serbisch-orthodoxe Christentum. Eine kleine Minderheit bilden außerdem einige katholische Albaner, die sich in der Apostolischen Administratur Prizren organisieren.

Amtssprache ist das Albanische, welche auch mehrheitlich von der Bevölkerung gesprochen wird. Zudem ist das Serbische zweite Amtssprache, die hingegen von einer Minderheit gesprochen wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Region um Deçan gehörte bereits im 12. Jahrhundert zum serbischen Herrschaftsgebiet und war unter anderem unter dem serbischen Namen Dečani beziehungsweise Dečane bekannt. Im 14. Jahrhundert regierte der serbische König Uroš III. Dečanski in der Region, der aus der Dynastie der Nemanjiden stammte und unter dessen Führung das Serbische Reich der endgültige Aufstieg zur regionalen Großmacht gelungen war. Nachfolger wurde sein Sohn Uroš IV. Dušan, der von 1331 bis 1355 in der Region regierte. Serbiens Vormachtstellung wurde unter seiner Führung um ein Vielfaches erweitert, während Dušan zum mächtigsten König in Südosteuropa aufstieg. Seinen Höhepunkt erreichte er 1345, als er zum „Zar der Serben und Rhomäer“ in Skopje erhoben wurde. Sein voller Herrschaftstitel war: Durch die Gnade Gottes, Stefan, der rechtgläubige und christusliebende Kaiser der Serben und Griechen (wörtlich Römer), der Albaner (wörtlich Arvaniten), Bulgaren und Rumänen (wörtlich Bessaraber), der Küstenländer und des gesamten Westens.

Die Epoche unter Zar Dušan gilt heute als das goldene Zeitalter Serbiens. Auch Dečani erlebte unter seiner Herrschaft seine Blütezeit, ebenso wie viele andere Städte im Kosovo und in seinem Reich. Er förderte erfolgreich Acker- und Bergbau, sowie Gewerbe und Handel. Während seiner Herrschaft entstanden weite Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, von der Donauregion über den Adriaraum bis hin nach Venedig. Die Wirtschaft förderte er, indem er ausländische Experten ins Reich holte – sächsische Bergarbeiter etwa für Berg- und Festungsbau, Dubrovniker (damals Ragusaner) für den Handel, außerdem Venezianer und Griechen. Unter der Herrschaft Dušans wurde unter anderem der Bau des Klosters Visoki Dečani beendet, welches zuvor sein Vater König Uroš III. Dečanski im Auftrag gegeben hatte, daher auch dessen Namenszusatz „Dečanski“ (dt. „von Dečani“). Heute ist das Kloster mit dem Grab Dečanskis das Zentrum des Kultes um den serbischen König.

Kosovokrieg[Bearbeiten]

Während des Kosovokrieges war Dečani Schauplatz der Kämpfe zwischen der albanischen paramilitärischen Organisation UÇK und den serbischen Streitkräften.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Kloster Visoki Dečani gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten aus dem Mittelalter. Seit 2004 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählt das aus dem Mittelalter stammende serbisch-orthodoxe Kloster Visoki Dečani, welches im 14. Jahrhundert erbaut wurde und etwa zwei Kilometer westlich der Stadt im Bergtal liegt. Es ist Grablage des serbischen Königs Stefan Uroš III. Dečanski und bedeutender Wallfahrtsort. Das Christus Pantokrator geweihte Kloster birgt das einzige aus dem Mittelalter vollständig erhaltene Freskenensemble der byzantinischen Kunst. Das Kloster wurde in den letzten Lebensjahren von Uroš III. Dečanski begonnen und von seinem Sohn Uroš IV. Dušan fertiggestellt. Es gehört zu den bedeutendsten Bauten der serbischen Geschichte und wurde 2004 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Das Kloster Visoki Dečani wurde in Vergangenheit von kranken Menschen unterschiedlichen Glaubens und verschiedener Ethnie auf Hoffnung einer wundertätigen Heilkraft durch die Reliquien besucht.[2] Im Laufe des Kosovokrieges 1999 bot das Kloster flüchtenden Serben, Roma, aber auch Kosovo-Albanern ein Dach über den Kopf.[3] Die Klosteranlage war vor allem 1999 viele Male das Ziel von Sabotageakten nationalistischer Albaner.

Auch nach dem Krieg, war es mehrmals Angriffen von albanischen Mörserattacken ausgesetzt.[4][5][6] Bis 2008 war es „rund ein Dutzend Mal Ziel von Übergriffen albanischer Extremisten“ gewesen.[7] Durch die intensive Bewachung italienischer KFOR-Soldaten und der großen Außenmauer,[7] ist es im Gegensatz zu vielen anderen serbisch-orthodoxen Sakralstätten im Kosovo weitgehend unversehrt geblieben.[8] Den Mönchen des Klosters ist es nicht möglich, sich frei zu bewegen, aufgrund der andauernden Bedrohung durch nationalistische Albaner. Daher besorgen sie ihre Einkäufe nicht in der Stadt, sondern fahren einmal jährlich unter KFOR-Begleitung außerhalb des Kosovos.[9][10]

Verwaltung[Bearbeiten]

Die Lage der rund 180 Quadratkilometer großen Großgemeinde Deçan innerhalb Kosovos

Legislative[Bearbeiten]

Der Gemeinderat (alb. Kuvend oder Kuvendi; serb. Skupština/Скупштина) erfüllt legislative Funktionen. Er setzt sich aus 27 Mitgliedern zusammen, wovon 16 der Allianz für die Zukunft Kosovos (AAK), fünf der Demokratischen Liga des Kosovo (LDK), zwei der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK), zwei dem Demokratischen Bündnis Dardaniens (LDD), einer der Allianz Neues Kosovo (AKR) und einer der Sozialdemokratischen Partei des Kosovo (PSD) angehören.

Exekutive[Bearbeiten]

Der Bürgermeister der Großgemeinde übernimmt zusammen mit seiner Regierung exekutive Aufgaben. Seit 2009 ist dies Rasim Selmanaj von der Allianz für die Zukunft Kosovos (AAK). Am 29. April 2001 wurde in Deçan die AAK von Ramush Haradinaj gegründet, einem früheren Ministerpräsidenten des Kosovo und ehemaligen Unterkommandanten der paramilitärischen albanischen Organisation UÇK. Seitdem ist die Stadt eine politische Hochburg dieser konservativ geprägten Partei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dečani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung Kosovo 2011. Statistisches Büro des Kosovo, 2011, abgerufen am 9. April 2012 (PDF; 95 kB, albanisch und englisch).
  2.  Matthias Rüb: Kosovo - Ursachen und Folgen eines Krieges in Europa. DTV, München 1999, ISBN 3-423-36175-1, S. 93–95.
  3. Ingrid Müller: Kampf um den Status – Die Herren des Kosovo. Der Tagesspiegel, 24. Juli 2007, abgerufen am 15. Mai 2013 (archiviert vom Original am 12. Februar 2013).
  4. Kosovo Albanians Attack Decani Monastery, De-Construct.net, 30. März 2007, archiviert vom Original am 12. Mai 2013.
  5. UNESCO world heritage site targeted by extremists again - Decani Monastery area hit by a mortar-grenade, no injuries or damage, KIM Info-service, KiM Info Newsletter, 30. März 2007, archiviert vom Original am 12. Mai 2013.
  6. Kosovo monastery Visoki Decani blocked, Tanjug, 8. Februar 2013, zuletzt abgerufen am 12. Mai 2013.
  7. a b [Kosovo: Schwerer Stand für serbische Mönche], Deutsche Welle, 23. Oktober 2008, von Filip Slavkovic, (Permalink: http://dw.de/p/FfSI), archiviert vom Original am 12. Mai 2013.
  8. La Guerra Infinita - Kosovo Nove Anni Dopo (italienisch, TV-Dokumentation). Rai Tre, von Riccardo Iacona, unter Mitarbeit von Francesca Barzini, ausgestrahlt auf Rai Tre am 19. September 2008. Auf bekannten Videoportalen verfügbar (auch mit englischen und serbischen Untertiteln, letzter Abruf am 12. Mai 2013).
  9. Kampf um den Status - Die Herren des Kosovo, Der Tagesspiegel, 24. Juli 2007, von Ingrid Müller, archiviert vom Original am 12. Februar 2013.
  10. Orthodoxe Mönche fürchten Unabhängigkeit, Die Welt, 15. August 2007, von Nina Mareen Spranz, archiviert vom Original am 12. Februar 2013.