De Profundis (Wilde)

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Oscar Wilde 1889, Aufnahme von W. & D. Downey.
Alfred Douglas 1903, Aufnahme von George Charles Beresford.
Der Prozess gegen Wilde in The Illustrated Police News vom 4. Mai 1895.

De Profundis ist ein offener Brief, den der irische Schriftsteller Oscar Wilde zwischen 1895 und 1897, während seiner Inhaftierung in verschiedenen englischen Zuchthäusern an seinen früheren Freund und Liebhaber Lord Alfred Bruce Douglas schrieb. Der Name der Schrift, die etwa 50.000 Wörter umfasst, ist dem Psalm 130 entnommen: „De profundis clamavi ad te Domine.“ - „Aus der Tiefe rief ich, Herr, zu Dir“.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung von De Profundis markiert den Tiefpunkt in Wildes Leben. Am 25. Mai 1895 war er wegen Unzucht - als welche damals unter Strafe stehende homosexuelle Praktiken erachtet wurden - zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Zwangsarbeit verurteilt worden. Wegen des Skandals um seine Kontakte zu männlichen Prostituierten hatte seine Frau mit den gemeinsamen Kindern das Land verlassen. Während Wildes Inhaftierung starb 1896 seine Mutter Jane Francesca Elgee. Zudem wurde er für bankrott erklärt, und die schweren Haftbedingungen schädigten seine Gesundheit so sehr, dass er sich nie mehr vollständig erholte.

Wilde war nacheinander in den Zuchthäusern von Pentonville, Wandsworth und Reading inhaftiert. Es wurde ihm nicht gestattet, den Brief aus dem Zuchthaus abzusenden, konnte ihn aber nach dem Ende seiner Strafe mitnehmen. Er gab das Werk an seinen Freund und Lektor Robert Baldwin Ross weiter mit der Bitte, Alfred Douglas eine Kopie zukommen zu lassen. Ob Ross dieser Bitte nachgekommen ist, ließ sich nie klären. Douglas bestritt, den Brief je erhalten zu haben.

Publikationsgeschichte[Bearbeiten]

1905, vier Jahre nach Wildes Tod, veröffentlichte Robert Ross eine um etwa zwei Drittel gekürzte Fassung des Briefes. In der Ausgabe von Wildes gesammelten Werken aus dem Jahr 1908, ist eine etwas längere Version enthalten. Ross überließ das Original schließlich dem British Museum unter der Bedingung, dass es nicht vor 1960 veröffentlicht werden solle. 1949 gab Wildes Sohn Vyvyan Holland eine weitere Version des Briefes heraus. Sie enthielt die zuvor unveröffentlichten Teile, beruhte jedoch auf einer zum Teil fehlerhaften Schreibmaschinenkopie, die ihm Ross Holland hinterlassen hatte. Erstmals vollständig und korrekt publiziert wurde das Manuskript 1962 in dem Band The Letters of Oscar Wilde.

Inhalt[Bearbeiten]

In De Profundis betrachtet Wilde sein bisheriges Leben kritisch und beschreibt es als oberflächlich und hedonistisch.[1] Er schildert die Haftbedingungen, zum Beispiel den Tag, an dem er in Handschellen unter den Augen einer spottenden Menge am Bahnhof Clapham Junction stehen musste, und seinen nach vielen Leiden nun demütigen emotionalen Zustand.[2] Nach einer finanziellen Bestandsaufnahme („I am completely penniless, and absolutely homeless.“) kommentiert er, dass ihm in der kommenden schweren Zeit weder Moral noch Religion oder Vernunft helfen werden.[3] Dem Adressaten Alfred Douglas macht er bittere Vorwürfe.[4] Gleichzeitig ist De Profundis eine Apologie für Wildes Leben; er führt an, mit seinem Aufstieg und Fall sei er ein Mann, der in symbolischer Beziehung zu der Kunst und Kultur seines Zeitalters stand.[5]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. „I grew careless of the lives of others. I took pleasure where it pleased me, and passed on. [...] I was no longer the captain of my soul, and did not know it. I allowed pleasure to dominate me. I ended in horrible disgrace.“
  2. „I have passed through every possible mood of suffering. [...] There is only one thing for me now, absolute humility.“
  3. „Morality [...] Religion [...] Reason does not help me.“
  4. Vgl.  Drabble, Margaret: The Oxford Companion to English Literature. Oxford University Press, Oxford 1985. S. 1067.
  5. „I was a man who stood in symbolic relations to the art and culture of my age.“

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hart-Davis, Rupert: The Letters of Oscar Wilde. London 1962.
  •  Drabble, Margaret: The Oxford Companion to English Literature. Oxford University Press, Oxford 1985.

Weblinks[Bearbeiten]