Death-Rock

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Death-Rock
Entstehungsphase: späte 1970er Jahre
Herkunftsort: Los Angeles
Stilistische Vorläufer
Punk Rock · Psychedelic Rock · Glam Rock
Pionierbands
45 Grave · The Flesh Eaters · Kommunity FK · Misfits
Genretypische Instrumente
E-Gitarre · E-Bass · Schlagzeug
Substile
Horrorpunk · American Gothic
Vorreiter
The Cramps · The Damned

Death-Rock, auch Death-Punk genannt, bezeichnet eine in den späten 1970ern in den Vereinigten Staaten entstandene Musikbewegung welche sich dem Post-Punk unterordnet.

Einflüsse[Bearbeiten]

Death-Rock entwickelte sich im amerikanischen Post-Punk parallel zum britischen Gothic Rock. Derweil nährte sich der amerikanische Death-Rock auch aus Hard- und Shock-Rock, welcher im britischen Gothic Rock weniger in Erscheinung trat. Ein wesentlicher Vorreiter für beide Stile waren neben Iggy Pop und David Bowie derweil The Cramps und David Letts, welcher als Dave Vanian mit der britischen Punk-Band The Damned 1977 in Los Angeles auftrat und die Ästhetik der aufkeimenden Szene mit seinem Vampir-Outfit und Friedhofsästhetik beeinflusste.[1]

„The performers that I drew inspiration off of would be Alice Cooper, Ozzy, Joan Jett, the Runaways, the Ramones, and the Damned.“

„Inspiration bezog ich von Interpreten wie Alice Cooper, Ozzy, Joan Jett, The Runaways, die Ramones und The Damned.“

Dinah Cancer (45 Grave)[2]

„I thought if we were lucky, people would think we were like the Cramps or Alice Cooper.“

„Ich dachte wenn wir Glück hätten, würden die Leute denken wir wären wie the Cramps oder Alice Cooper.“

Rozz Williams (Christian Death)[3]

Entstehung[Bearbeiten]

Der stark geschminkte Jack Grisham Live mit T.S.O.L.

Death-Rock entwickelte sich in den späten 70ern, frühen 80ern im musikalischen Untergrund von Los Angeles[4] und Washington D.C.[5] im Kontext des entstehenden Hardcore Punk als Weiterentwicklung des Punk Rock. Während der Hardcore Punk jedoch „in seinen anfängen schlicht und einfach eine härter gespielte version von punk die aber noch definitiv teil der punk szene war […] nur schneller, lauter und härter“[sic!][6], spielten in den Anfängen von Death-Rock psychedelische und surreale Aspekte eine wichtige Rolle, was im starken Kontrast zum Hardcore Punk stand. Dennoch wurden die musikalischen Strömungen lange als eine gemeinsame Punk-Szene betrachtet.

„Es gab keine verschiedenen Bezeichnungen für verschiedene Looks, das ganze Spektrum an Bekleidung und Frisuren - alles wurde als Punk angesehen. Da gab es Kids mit zerrissenen Jeans und Springerstiefeln, andere kleideten sich wie Nosferatu, einige trugen S/M-Klamotten[…] andere T-Shirts mit Sicherheitsnadeln. […] Erst gegen 1984 begannen sich verschiedene Looks mit verschiedenen Bezeichnungen herauszubliden.“

Monica Richards(Madhouse/Faith and the Muse)[5]
Rozz Williams

Die enge Verbundenheit der amerikanischen Post-Punk-Szene führte auch zu gemeinsamen Veröffentlichungen wie dem Sampler Hell Comes to your House Vol.1, auf welchem neben den Death-Rock-Protagonisten Super Heroines, 45 Grave und Christian Death auch Social Distortion, Rhino 39 und The Conservatives vertreten waren.[7] Ähnlich dem britischen Gothic Rock kristallisierten sich auch aus dem amerikanischen Post-Punk einige Bands mit einer gemeinsamen psychedelisch geprägten und düsteren Attitüde heraus.[8]

„The Deathrockers were splintered off from the punk/hardcore scene that was going on at the time. We played punk rock but we loved Halloween and we looked like vampires. So the phrase, Death rock was born. We had a deeper appreciation of the darker side of slice o’ life. It was our way of giving back to something we enjoyed.“

„Die Deathrocker spalteten sich von der Punk/Hardcoreszene ab, die damals existierte. Wir spielten Punk Rock aber wir liebten Halloween und sahen wie Vampire aus. Damit war die Bezeichnung Death-Rock geboren. Wir hatten ein tieferes Verständnis für die dunkele Seite des Lebens. Es war unsere Art etwas von dem zurückzugeben was uns gefiel.“

Dinah Cancer(45 Grave)[2]

Während an der Ost-Küste in New York die frühen Misfits als Vorläufer gelten, kämpften sich im Westen Bands wie Christian Death, 45 Grave, die frühen T.S.O.L., Theatre of Ice, Kommunity FK, Super Heroines oder Voodoo Church durch die Clubs von Los Angeles, wo die lokale Presse zum ersten Mal die Bezeichnung Death-Rock als Bezeichnung für die dort in Horrorästhetik auftretenden Bands nutzte.[9]

Weiterentwicklung, Abspaltung und Niedergang[Bearbeiten]

Dinah Cancer von 45 Grave bei einem Auftritt 2007.

Anfang der 1980er Jahre entwickelten zwei wesentliche Strömungen im Death-Rock. Während der Horrorpunk der frühen Vertreter 45 Grave und the Misfits als eine selbstironisch inszenierte Punk-Variante mit Elementen aus Surf-Rock und Rockabilly begann,[10][11] spielten Bands wie Christian Death und Kommunity FK eine dem britischen Gothic Punk ähnliche Mixtur aus tiefem schwerem Bass, tribalartigem Schlagzeug sowie kratzend- und quietschend-polternder Gitarre, mit Einflüssen aus Hard Rock und Schock-Rock.[8][12] Insbesondere die ersten Veröffentlichungen von Christian Death veränderten den im Punk verankerten Klang des Death-Rock nachhaltig und prägten somit ein Gegenstück zum britischen Gothic Rock.[13]

„The sound of Christian Death was about to change and become more affected and various remaining in the death rock, which is in fact the American gothic rock, quite different from the UK gothic scene of the 80s, fields that Rozz Williams with Christian Death formed with "Deathwish" (1981) and "Only Theatre Of Pain" (1982).“

„Der Klang von Christian Death beeinflusste und veränderte nachhaltig den Death Rock, welcher faktisch der sich von der britischen Gothic Rock Szene der 80er unterscheidende amerikanische Gothic Rock ist, ein Stil den Rozz Williams mit Christian Death mit ‚Deathwish‘ (1981) und ‚Only Theatre Of Pain‘ (1982) begründet hatte.“

Der Rozzengarten[14]

Only Theatre of Pain wurde für den Death Rock ein maßgebende Werk, dass in seiner Wirkung auf den Death-Rock mit dem Debütalbum der Ramones für den Punk verglichen wurde.[15] Während sich ein Teil der (später auch als „American Gothic“ bezeichneten) Bands frühestens fortan als Äquivalent zum britischen Gothic Punk und zum Teil des Gothic Rock erwies, legten andere Gruppen weiterhin im Punk verankert den Grundstein für das, was unter der Titulierung Horrorpunk geläufig wurde. Insbesondere Interpreten wie 45 Grave und the Misfits blieben im Punk verhaftet und inszenierten sich in zum Teil comic-artiger Halloween- und Schwarz-weiß-Horrorfilmästhetik.[16]

Mit der steigenden Popularität und der Trennung der Begrifflichkeiten, änderte sich die Wahrnehmung hinsichtlich des Begriffes Death-Rock, wodurch zunehmend nur solche Bands als Death-Rock wahrgenommen wurden, welche dem britischen Gothic Rock und der dazugehörigen Szene artverwandt auftraten und spielten. Derweil empfanden die Protagonisten des Death-Rock die Zuordnung zum Gothic Rock als einengend und unbefriedigend.

„So death rock as we saw it, was taking the visual and lyrical aspect of the Cramps, and attaching it to rock'n'roll. Only People started calling it gothic rock instead, and it ended up going to a very different place we had intended.“

„Also Death-Rock, wie wir ihn verstanden nahm die visuellen und lyrischen Aspekte von The Cramps und hefteten sie an Rock ’n’ Roll. Nur das Leute anfingen es Gothic Rock zu nennen, und es endete damit, dass es in eine völlig andere Richtung lief, als wir eigentlich beabsichtigt hatten.“

Rozz Williams[9]

Bis zur Mitte der 1980er Jahre hatte sich die Death-Rock-Szene von Los Angeles zerschlagen. 1983 löste Chris Desjardins The Flesh Eaters auf. 45 Grave lösten sich 1984 nach der Scheidung von Sängerin Dinah Cancer und Gitarrist Paul Cuttler vorerst auf.[17] Rozz Williams löste Christian Death 1982 auf und reformierte die Band 1983 in veränderter Besetzung, verließ aber kurz darauf Los Angeles und orientierte sich mit Christian Death stärker in Richtung Gothic Rock.[18] T.S.O.L. orientierten sich mit Revenge 1986 mehr am Hard Rock.[19] Patrick Mata von Kommunity FK pendelte derweil die zweite Hälfte der 1980er Jahre zwischen der britischen und amerikanischen Szene, gestaltete verschiedene Projekte, von denen lediglich Stavio Luvbox zwei Alben fern vom Deathrock veröffentlichte, und trat jenseits einiger Auftritte über Jahre nicht mit Kommunity FK in Erscheinung.[20] Auch weitere Interpreten des Death-Rock orientierten sich um oder verschwanden von der Bildfläche, so dass um 1984 die erste Hochphase des Stils zum erliegen kam.[21]

Folgen[Bearbeiten]

In der Mitte der 1980er Jahre verlor der Begriff Death-Rock an Einfluss und wurde zunehmend mit dem Terminus Gothic Rock gleichgesetzt. Insbesondere die Popularität einzelner Vertreter des Gothic Rock wurden als Ursprung dieses Wandels ausgemacht.

„I don't know how things went from death rock to Goth, but I think the Sisters had something to do with it.“

„Ich weiß nicht wie die Sache vom Deathrock zum Goth wurde, aber ich glaube die Sisters hatten etwas damit zu tun.“

Rozz Williams[21]

Einige Jahre nach der Auflösung der Kernszene im Gothic Rock etablierte sich der Begriff Death-Rock als Stibezeichnung für einen „makaberen oder düsteren Rock ’n’ Roll mit treibenden, harten Gitarren und Haupteinflüssen des 1977er Punk Rock oder 1982 Hardcore Punk.“[22]

Im Nachgang führte auch das Aufeinandertreffen des Gothic Rock und Death-Rock zu einer Neuordnung und Vermischung beider Szenen und auch in Amerika zu einer Welle neuer Bands, welche sowohl auf den Death-Rock als auch auf den Gothic Rock als Einfluss zurückgriffen. Eine Entwicklung die mitunter als American Gothic bezeichnet wurde.[9][4]

Revival[Bearbeiten]

Im neuen Jahrtausend kam es zuerst in den USA, durch Bands wie The Deep Eynde, Cinema Strange, Subtonix oder Tragic Black, zu einem deutlich gothic-punk-orientierten Death-Rock-Revival, dessen Auswirkungen sich auch auf Europa (insbesondere Großbritannien und Deutschland) ausweiteten. Dieses Revival wird, aufgrund seiner stilistischen und optischen Anlehnung an den Stil des Batcave-Club im London der 1980er, häufig als „Batcave-Revival“ bezeichnet. In Deutschland drückten besonders Bands wie Murder at the Registry und Bloody Dead and Sexy der Wiederauferstehung der Bewegung ihren Stempel auf.

Bedeutende Vertreter (Ursprung)[Bearbeiten]

  • Pompeii 99
  • The Speed Queens
  • Super Heroines

Bedeutende Vertreter (Revival)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dave Thompson, Kirsten Borchardt: Schattenwelt – Helden und Legenden des Gothic Rock. 2004, ISBN 3-85445-236-5, S.49.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAlice Bag: Woman in LA Punk - Dinah Cancer Interview. Alice Bag, abgerufen am 23. März 2014.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOliver Sheppard: Deathrock a Brief History Part II. Souciant, abgerufen am 23. März 2014.
  4. a b Dave Thompson, Kirsten Borchardt: Schattenwelt – Helden und Legenden des Gothic Rock. 2004, ISBN 3-85445-236-5, S. 361ff.
  5. a b Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes. 2004, ISBN 3-8334-1351-4. S.53
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatHardcore History. Hardcore History, abgerufen am 23. März 2014.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJack Rabid: Hell Comes to your House Vol.1. All Music, abgerufen am 23. März 2014.
  8. a b Judith Platz: Die 'schwarze' Musik. In Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun: Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. 2004, ISBN 3-531-14353-0. S.262f
  9. a b c Dave Thompson: The Birth of Goth in Dave Thompson:Alternative Rock: Third Ear − The Essential Listening Companion, Miller Freeman Books, 2000, ISBN 978-0-87930-607-6 S. 62ff
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNed Raggett: Sleep in Safety. AllMusic, abgerufen am 23. März 2014.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNed Raggett: Walk Among us. AllMusic, abgerufen am 23. März 2014.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNed Raggett: the Vision and the Voices. AllMusic, abgerufen am 23. März 2014.
  13. Garry Sharpe-Young:A-Z of Doom, Goth & Stoner Metal. 2003 ISBN 978-1-90144-714-9 S.85.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDer Rozzengarten: Christian Death - Catastrophe Ballet review. Metal Storm, abgerufen am 21. März 2014.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOliver Sheppard: Deathrock a Brief History Part I. Souciant, abgerufen am 24. März 2014.
  16. Dave Thompson:Alternative Rock: Third Ear − The Essential Listening Companion, Miller Freeman Books, 2000, ISBN 978-0-87930-607-6 S.500f
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatReyan Ali: Death-rock Pioneers 45 Grave Rise, Fall and Rise Again. OC Weekly, abgerufen am 24. März 2014.
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Graves Family: Rozz Williams Biography. Rozznet, abgerufen am 24. März 2014.
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRobert Gabriel: Revenge. All Music, abgerufen am 24. März 2014.
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGreg Fasolino: Kommunity FK. trouserpress, abgerufen am 24. März 2014.
  21. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDave Thompson and Jo-Ann Greene: Undead. Alternative Press, abgerufen am 24. März 2014.
  22. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOliver Sheppard: New Deathrock on the Horizon a Fieldreport on New Deathrock-Bands. Cvlt Nation, abgerufen am 26. März 2014.