Debütantin

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Als Debütantin bezeichnet man eine junge Frau, die „in die Gesellschaft eingeführt wird“, abgeleitet von Debüt (= erstes öffentliches Auftreten von französisch début für Anfang, erster Versuch). Dies geschah meist im Alter von 18 Jahren auf einem festlichen Ball, einer Veranstaltungen der oberen Gesellschaftsschichten. Danach konnte man offiziell um die junge Frau werben. Derartige Bälle gibt es heute noch in zahlreichen Großstädten. Der berühmteste, der Wiener Opernball, findet in der Wiener Staatsoper statt. Traditionell werden in Europa bei diesen Veranstaltungen von den Damen weiße Kleider getragen. Begleitet werden sie von eigens dafür engagierten, also platonischen Partnern. So werden in Budapest zum Beispiel die Debütantinnen von Kadetten der Budapester Offiziersschule auf das Parkett geführt.

Eröffnet wird ein solcher Ball traditionell von einer Polonaise der Debütantinnen, an die sich ein Wiener Walzer anschließt. Der eigentliche Tanz der Debütantinnen ist der Cotillon, bei dem ihnen ursprünglich von ihren jeweiligen Tanzpartnern ein spezielles Blumenbouquet überreicht wurde. In den USA nennt man daher einen Debütantinnenball auch Cotillon.

Der Brauch stammt ursprünglich aus England, wo die Töchter der Aristokratie im Alter von 18 Jahren bei Hofe dem König bzw. der Königin offiziell vorgestellt wurden. Dieser Tag war gleichzeitig die Eröffnung der alljährlichen Ballsaison. Die jungen Damen galten von diesem Moment an gesellschaftlich als heiratsfähig. Diese Tradition der Präsentation bei Hofe endete in London erst 1958. Damals ließ Königin Elisabeth II. den Debütantinnenball als nicht mehr zeitgemäß erklären. Die Tradition der Bälle hat sich allerdings erhalten und inzwischen vor allem in den USA ausgebreitet. Dort findet inzwischen in jeder größeren Stadt ein alljährlicher Debütantinnenball statt. Einer der prachtvollsten Debütantinnenbälle findet alljährlich in der texanisch-mexikanischen Grenzstadt Laredo statt. Dieser „Kolonialball“ folgt noch ganz den strengen, alten Regeln und wird in historischen Kostümen getanzt. Dieses historische Spektakel wird seit 1898 am Geburtstag von George Washington gefeiert und seit 1939 von der „Martha-Washington-Gesellschaft“ organisiert.

Vor allem in den USA machten immer wieder Debütantinnen als „glamour girls“ ihrer Generation Karriere wie z. B. Barbara Hutton (1931), Brenda Frazier (1938), Jacqueline Bouvier – die spätere Jackie Kennedy Onassis (1947) – und Charlotte Ford (1959).

Berühmte Debütantinnenbälle[Bearbeiten]

Debütanten[Bearbeiten]

Da man nur bei Hofe (vgl. England „Debut at the Court of St. James“) wirklich debütieren kann, gibt es in Wien keine Debütanten, sondern das Jungdamen- und Jungherrenkomitee.[1] So sind beide Geschlechter in Wien, was das „Debüt“ anbelangt, vollkommen gleichberechtigt und die Frage, ob es männliche Debütanten gibt, hat sich am Wiener Opernball erledigt.

Auch in München sind die Fronten nicht verhärtet. Auf dem Gala-Ball der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla gibt es sowohl weibliche als auch männliche Debütanten. Manchmal sind die Debütanten berühmter als deren Debütantinnen z. B. Dominic Stoiber (München) – Sohn von Edmund Stoiber, Leander Giacomuzzi-Hirsch (Wien), Georg Gürtler (Wien) – Sohn der ehemaligen Opernballorganisatorin Elisabeth Gürtler-Mauthner.

Auch beim Kaiserball in Zürich gibt es heute ganz offiziell männliche Debütanten.

In der Kunst[Bearbeiten]

Auf Theater- oder Konzertbühnen ist ein Debütant bzw. eine Debütantin, eine Person, die eine Antrittsrolle oder -konzert gibt. Damit kann sowohl das definitiv erste öffentliche Auftreten gemeint sein, als auch später der jeweils erste Auftritt in einer Rolle oder an einem bestimmten Theater. Auch Belletristik-Autoren, die ihr erstes Buch vorlegen, bezeichnet man als Debütanten und das Werk z. B. als Debütroman und den Vorgang als Romandebüt.

Umgangssprachlich[Bearbeiten]

Im umgangssprachlichen Gebrauch wird eine Frau, die etwas zum ersten Mal macht oder wird, als Debütantin bezeichnet, vor allem in künstlerischen Berufen (Tanz, Schauspiel, Musik). Aber auch Angela Merkel wurde in den Medien des Öfteren als eine Debütantin bezeichnet, da sie die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist. In jüngerer Zeit taucht das Wort auch häufiger im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Debütantinnenball, Roman von John Oliver Killens, 1976.
  • Die Debütantin, Kriminalroman von Sabina Naber, 2005.
  •  Mimi Swartz: Once Upon a Time in Laredo. In: National Geographic. November 2006 (Online, abgerufen am 15. Oktober 2012).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Staatsoper: Das Jungdamen- und Jungherrenkomitee

Weblinks[Bearbeiten]