Debatte

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Dieser Artikel behandelt das Streitgespräch. Zur Wiener Tageszeitung der 1860er Jahre siehe Die Debatte.
Debatte zwischen ost- und weströmischen Christen 1290

Eine Debatte (franz. débattre: (nieder-)schlagen) ist ein Streitgespräch, das im Unterschied zur Diskussion formalen Regeln folgt und in der Regel zur inhaltlichen Vorbereitung einer Abstimmung dient. Thema einer Debatte kann eine Sach- oder eine Personalfrage sein. Die Geschäftsordnung der die Debatte organisierenden Körperschaft bzw. das entsprechende Debattierformat beim wettkampfmäßigen Debattieren (Debating) regelt die Form der Debatte. In einer Debatte werden die Für- und Gegen-Argumente einer These in kurzen Reden vorgetragen. Das Ziel des Debattenredners ist es, die Zuhörer bzw. im Wettbewerb die Jury von den eigenen Argumenten zu überzeugen. Deshalb zeichnet sich ein guter Redner nicht nur durch gute Argumente, sondern auch durch überzeugende rhetorische Fähigkeiten aus. Eine Debatte kann nur in einer guten Streitkultur funktionieren.

Debatten können in der Form einer Podiumsdiskussion stattfinden. Eine langanhaltende Debatte wird auch als Kontroverse bezeichnet. Hierunter fallen zum Beispiel wissenschaftliche Kontroversen.

Politische Debatte[Bearbeiten]

Patriotische Darstellung einer Debatte im US-Senat 1850
William Gladstone während einer Debatte im House of Commons am 8. April 1886.

In politischen Debatten werden politische Themen debattiert. Meist nehmen daran Vertreter verschiedener Parteien teil. Besonders öffentlichkeitswirksam sind politische Debatten, die von Massenmedien übertragen werden, insbesondere im Fernsehen.

Parlamentsdebatte[Bearbeiten]

In Parlamentsdebatten werden Argumente zu einem politischen Thema im Parlament ausgetauscht.

In demokratischen Staaten sind Parlamentsdebatten meist öffentlich, das heißt jedermann ist der Zutritt als Zuschauer gestattet. Häufig werden die Debatten auch über das Fernsehen übertragen.

Die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages sieht die Eröffnung der Plenardebatte durch den Bundestagspräsidenten vor, der auch die Rednerliste abruft und schließt, die Reihenfolge der Redner festlegt und den ordnungsgemäßen Ablauf der Debatte überwacht. Die Verabschiedung eines Gesetzes ohne vorherige öffentliche Debatte im Deutschen Bundestag ist verfassungswidrig. Nichtöffentliche Debatten finden dagegen zum Beispiel in Ausschüssen statt. siehe auch Deutscher Bundestag#Debatten

In Großbritannien ist es üblich, dass die Führer der regierenden Partei und der Opposition in einem Streitgespräch in Parlament auftreten.

Politische Debatten in den Massenmedien[Bearbeiten]

Neben den Parlamentsdebatten finden viele politische Debatten in den Massenmedien weit voran dem Fernsehen statt. Ziel der auftretenden Politiker ist es dabei meist nicht, zu einer verbesserten Lösung zu gelangen (siehe Diskurs), sondern öffentlichkeitswirksam die eigene Position zu präsentieren. Bei weitem die größte Aufmerksamkeit haben in Deutschland die TV-Duelle der Spitzenkandidaten von CDU/CSU und SPD. Diese Fernsehduelle sind Teil des medialen Wahlkampfes.

In regelmäßigen politischen Talk-Sendungen treten häufig Politiker auf. Beispiele sind Sabine Christiansen, Anne Will, Hart aber fair und Maybrit Illner.

Debattieren als Wettbewerb[Bearbeiten]

Debating bezeichnet die Durchführung einer Debatte als sportlichen Wettbewerb von Rednern. Es orientiert sich an parlamentarischen Regeln, was auch die Namen von Debattierformaten wie etwa British Parliamentary Style prägt. Das Debating wird in Debattierclubs und auf Debattierturnieren gepflegt. Dort treten Teams bestehend aus mindestens zwei Rednern in einem sportlichen Rednerwettstreit gegeneinander an, wobei die Regeln vom jeweiligen Format abhängen. Die im deutschsprachigen Raum gebräuchlichsten Formate sind British Parliamentary Style und Offene Parlamentarische Debatte. Speziell für Schüler gibt es in Deutschland den Wettbewerb Jugend debattiert und Jugend debattiert international.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bartsch, Tim-C. / Hoppmann, Michael / Rex, Bernd F.: Was ist Debatte?, Cuvillier Verlag, Göttingen 2005
  • Bartsch, Tim-C. / Hoppmann, Michael / Rex, Bernd F.: Handbuch der Offenen Parlamentarischen Debatte. Göttingen 2006.
  • Blum, Christian: Debattieren - die Königsform der Rhetorik erlernen. München 2007.
  • Hoppmann, Michael : Debattierwettstreit. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Darmstadt: WBG 1992ff., Bd. 10 (2011), Sp. 197-204.
  • Klein, Josef : Parlamentarische Kommunikationsformen. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Darmstadt: WBG 1992ff., Bd. 10 (2011), Sp. 806-833.
  • Kramer, Olaf (Hrsg.): Rhetorik der Debatte. Tübingen 2006.
  • Meyer, Urs: Politische Rhetorik. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Darmstadt: WBG 1992ff., Bd. 10 (2011), Sp. 907-925.
  • Rauda, Christian / Kaspar, Hanna / Proner, Patrick: Pro & Contra - das Handbuch des Debattierens. Heidenau 2007.