Debil (Album)

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Debil
Studioalbum von Die Ärzte2012.svg
Veröffentlichung 1984
Label CBS Schallplatten GmbH
Format CD, LP, MC
Genre Punkrock
Anzahl der Titel 13
Laufzeit 37:49

Besetzung

Produktion Die Ärzte, Stan Regal, Matthias Härtl
Chronologie
Uns geht’s prima…
(1984)
Debil Im Schatten der Ärzte
(1985)
Singleauskopplungen
1984 Paul
1985 Zu spät

Debil ist das erste Studioalbum der deutschen Punkrock-Band Die Ärzte, das 1984 erschien. Am 21. Oktober 2005 wurde das Album unter dem Titel Devil wiederveröffentlicht, nachdem 2004 die Indizierung des Albums aufgehoben wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nach der noch beim Berliner Label Vielklang veröffentlichten EP Uns geht’s prima… nahm CBS Records die Berliner Punkband unter Vertrag. Das resultierende Album wurde in nur 13 Tagen eingespielt, produziert von den Ärzten und Stan Regal. „Paul“ wurde als erste Single ausgekoppelt, ohne sich in den Singlecharts zu platzieren. Das Album blieb trotz zahlreicher begleitender Berichte in der Jugendzeitschrift Bravo lediglich ein Achtungserfolg. Durch zahlreiche Live-Auftritte und Tourneen konnte sich die Band allerdings nach und nach eine Fanbasis erspielen.[1]

Indizierung[Bearbeiten]

Debil war drei Jahre im Handel, bevor es 1987 wegen der Lieder „Claudia hat ’nen Schäferhund“ und „Schlaflied“ von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS, heute: BPjM) auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften (Indizierung) gesetzt wurde. Der Indizierung war Anfang 1987 die Indizierung des späteren Albums Die Ärzte wegen des dort enthaltenen Liedes Geschwisterliebe vorausgegangen, woraufhin auch frühere Veröffentlichungen der Band auf jugendgefährdende Inhalte überprüft wurden. Als Begründung für die Indizierung von Debil wurde angegeben, dass die beiden beanstandeten Titel „sozialethisch desorientierend“ wirken würden. Die Lieder würden eine „verrohende Wirkung“ ausüben und entließen den Hörer „im Zustand angespannter, latenter Aggressivität“. „Claudia hat ’nen Schäferhund“ würde zudem auf „deviante Formen geschlechtlicher Befriedigung“ hinweisen.[2] Der Text handelt von einem Mädchen namens Claudia, die sich ihre sexuelle Befriedigung durch den Geschlechtsverkehr mit einem Schäferhund holt. Die BPjS begründet weiter: „Zwar wird in der letzten Strophe auf die Gefahr des Verharzens hingewiesen, dennoch wird der Gesamteindruck vermittelt, geschlechtliche Kontakte mit einem Schäferhund überträfen bei weitem heterosexuelle Befriedigung.“[3] Das „Schlaflied“ dagegen würde Gewalt „selbstzweckhaft darstellen“.[3] Das Album durfte daher nur noch an Erwachsene abgegeben werden und unterlag einem Werbeverbot. Die beiden beanstandeten Lieder wurden später auch auf dem Minialbum Ab 18 veröffentlicht.

Nachdem die Indizierung am 30. November 2004 aufgehoben wurde, da die BPjM den Liedern im Rückblick eine „satirische Form“[4] attestierte und das Album vor dem Hintergrund der heutigen Medienerfahrungen Jugendlicher neu bewertete, kann das Album Debil wieder uneingeschränkt käuflich erworben werden.[5]

Lieder[Bearbeiten]

Auf den LP- und MC-Veröffentlichungen des Albums sind die beide Seiten des Albums als Jungs- bzw. Mädchenseite betitelt. Noch vor dem ersten Lied ist auf beiden Seiten der Satz „Ey, du Blödmann, du hast die falsche Seite aufgelegt!“ zu hören. Auf den CD-Veröffentlichungen ist weder der Satz noch die geschlechterspezifische Zuordnung der Seiten enthalten.[6]

Der Titel „Ärzte-Theme“ wird im Film Richy Guitar mehrmals zitiert. Die Film-Version befindet sich u. a. auf der Neuveröffentlichung Devil.

„Claudia hat ’nen Schäferhund“ wurde mit den Liedern „Claudia II“ (hier wird der sexuelle Verkehr mit Pferden thematisiert) vom Minialbum Ab 18 und „Claudia III“ (diesmal ist der Sexualpartner ein Mann) vom Live-Album Nach uns die Sintflut fortgesetzt. Mit „Claudia (Teil 95)“ aus ihrem Comeback-Album Die Bestie in Menschengestalt, dessen einzige Textzeile „Claudia … ist tot“ und das SampleJa, er starb“ ist, wurde das Thema beendet.

Singles[Bearbeiten]

  • „Paul“ mit der B-Seite „Erna P.“. Die Single kam nie in die Charts.
  • „Zu spät“ in einer Single- und einer Maxi-Version sowie den B-Seiten „Ärzte-Theme“ und „Mädchen“.

Titelliste[Bearbeiten]

  • Jungsseite
  1. Ärzte-Theme (instrumental) (Felsenheimer, Runge, Urlaub)
  2. Scheißtyp (Felsenheimer/Felsenheimer)
  3. Paul (Urlaub/Urlaub)
  4. Kamelralley (Runge/Felsenheimer, Runge, Urlaub)
  5. Frank’n’stein (Felsenheimer/Felsenheimer)
  6. El Cattivo (Urlaub/Urlaub)
  7. Claudia hat ’nen Schäferhund (Urlaub/Urlaub)
  • Mädchenseite
  1. Mädchen (Urlaub/Urlaub)
  2. Mr. Sexpistols (Felsenheimer/Felsenheimer)
  3. Micha (Urlaub/Urlaub)
  4. Zu spät (Urlaub/Urlaub)
  5. Roter Minirock (Urlaub, Runge/Urlaub, Runge)
  6. Schlaflied (Urlaub/Urlaub)

Devil[Bearbeiten]

Devil
Studioalbum von Die Ärzte2012.svg
Veröffentlichung 21. Oktober 2005
Label Columbia Records, Sony BMG
Format CD, LP
Genre Punkrock
Anzahl der Titel 18 + 2 Videos
Laufzeit 54:25

Besetzung

Produktion

  • Die Ärzte, Stan Regal, Matthias Härtl(Titel 1–13)
  • Die Ärzte (14-17)
  • Die Ärzte, Jörg Fukking (Titel 18)
  • Die Ärzte (Musik) und Manfred Jelinksi (Regie) (Titel 19)
  • Uwe Hoffmann, Die Ärzte (Musik) und Norbert Heitker (Titel 20)
Chronologie
Geräusch
(2004)
Devil Bäst of
(2006)
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Devil
  DE 5 04.11.2005 (11 Wo.) [7]
  AT 22 06.11.2005 (6 Wo.) [8]
  CH 77 06.11.2005 (1 Wo.) [9]
[7]

[9]

[8]

Die Neuveröffentlichung unter dem Namen Devil wurde am 21. Oktober 2005 von Sony Music Entertainment veröffentlicht. Sie enthält ein 24-seitiges Booklet sowie bis dahin unveröffentlichte Bonustracks und einen CD-ROM-Part mit zwei Videoclips. Die ausführlichen Linernotes stammen vom Journalist Ingo Neumayer, der auch den Pressetext verfasst hatte.[10]

Bonustracks[Bearbeiten]

  1. Teenager Liebe (Richy-Guitar-Version featuring Axel Knabben) (Urlaub/Urlaub)
  2. Grace Kelly (Richy-Guitar-Version) (Urlaub/Urlaub)
  3. Ärzte-Theme (Richy-Guitar-Version featuring Axel Knabben) (Felsenheimer, Runge, Urlaub)
  4. Claudia hat ’nen Schäferhund (Version vom Unikum-Tapesampler) (Urlaub/Urlaub)
  5. Füße vom Tisch (bisher unveröffentlicht) (Felsenheimer, Urlaub/Felsenheimer, Urlaub) / Sahnie’s Collective Wisdom (Hidden Track) (Runge)

CD-ROM-Part auf „Devil“

  1. Teddybär – Video (größtenteils live 1983) (Felsenheimer/Felsenheimer)
  2. Schlaflied – Video (unplugged 2002) (Urlaub/Urlaub; bearbeitet von Rod)

Drei der Bonustracks entstammen dem Soundtrack zum Film Richy Guitar. „Claudia hat ’nen Schäferhund“ ist hier in seiner Ur-Version vertreten, welche 1983 auf dem Tapesampler Unikum Nr. 2 erstmals veröffentlicht wurde. Das Lied „Füße vom Tisch“ wurde 1983 von Farin und Bela unter dem Pseudonym „Die Ulkigen Pulkigen“ im Rahmen der Aufnahmen für den Sampler Pesthauch des Dschungels aufgenommen worden, war bisher aber offiziell unveröffentlicht. Allerdings erschien es bereits vorher auf einem Bootleg der Doktorspiele-Reihe. Es kam in Umlauf, weil Farin Urlaub einige Tapes für enge Freunde kopiert hatte. Als CD-ROM-Part wurde ein Live-Video des Liedes „Teddybär“ vom 17. Juli 1983 aus der Hasenheide, Berlin aufbereitet und ein Video von „Schlaflied“ in einer Unplugged-Version von 2002 auf der CD veröffentlicht. Letzteres entstammt der Session zu Rock ’n’ Roll Realschule, konnte aber auf Grund der damals noch bestehenden Indizierung nicht auf der CD- beziehungsweise DVD-Version des Albums erscheinen.

Erfolg[Bearbeiten]

Die Neuveröffentlichung konnte sich im Gegensatz zur Erstveröffentlichung in den deutschen Charts auf Platz 5 platzieren. In Österreich und der Schweiz erreichte das Album die Top 100.[7][9][8] Anlässlich dieser Wiederveröffentlichung lobte Marcus Schleutermann im Rock Hard Titel wie „Paul“ und „Zu spät“ als „Klassiker, die noch heute zu jedem Konzert gehören“. Weiterhin fasste er das Album als „charmant dilettantische Mischung aus Punk, Wave und Neuer Deutscher Welle“ zusammen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLaut.de-Biografie von Die Ärzte. Laut.de, abgerufen am 27. Juni 2010.
  2. Indizierungsentscheidung zitiert nach Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIngo Neumayer: DEVIL "DEBIL" Re-Release. Sony Music Entertainment, abgerufen am 27. Juni 2010.
  3. a b Indizierungsbescheid zitiert nach Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBiographie/die Ärzte – Wie alles begann. dieaerzte.at, abgerufen am 27. Juni 2010.
  4. Zitiert nach: Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIngo Neumayer: DEVIL "DEBIL" Re-Release. Sony Music Entertainment, abgerufen am 27. Juni 2010.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Schuh: Review von Devil. Laut.de, abgerufen am 27. Juni 2010.
  6. Debil. Ärztepedia: et al.. Archiviert vom Original am 4. April 2010. Abgerufen am 19. April 2011: „Auf den LP- und MC-Versionen wird man am Anfang jeder Seite mit „Ey, du Blödmann, du hast die falsche Seite aufgelegt!“ begrüßt.“
  7. a b c Chartverfolgung auf Musicline.de
  8. a b c Devil auf Austriancharts.at
  9. a b c Devil auf Swisscharts.com
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIngo Neumayer: DEVIL "DEBIL" Re-Release. Sony Music Entertainment, abgerufen am 27. Juni 2010.