Decameron (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Decameron
Originaltitel Il Decameron
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 112 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Pier Paolo Pasolini
Drehbuch Pier Paolo Pasolini
Produktion Alberto Grimaldi
Musik Ennio Morricone
Pier Paolo Pasolini
Kamera Tonino Delli Colli
Schnitt Nino Baragli
Tatiana Casini Morigi
Besetzung

Decameron ist ein Film des Italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1970. Der Film ist eine Adaption von neun Geschichten aus der Novellensammlung Decamerone von Giovanni Boccaccio.

Handlung[Bearbeiten]

Pasolini hat das Werk Boccaccios auseinandergenommen und präsentiert es in zwei Episodenblöcken, abwechselnd tragisch oder grotesk. Zusammengehalten werden die Episoden von zwei zueinander komplementären Handlungssträngen: Der erste handelt von Ser Ciappelletto (Franco Citti), einem gefühllosen und todkranken Sünder, der seinem Beichtvater eine letzte Posse vorspielt, indem er sich als Heiliger ausgibt. Der zweite Handlungsstrang zeigt einen norditalienischen Künstler und Giotto-Schüler (von Pasolini dargestellt), der nach Neapel gekommen ist, um die Wände der Kirche der Heiligen Chiara mit Fresken zu bemalen.

Um diese beiden Figuren herum - die eine leidenschaftlich den Dingen des Lebens verhaftet, die andere den Ansprüchen der Kunst geweiht - werden die anderen sieben Geschichten erzählt: Der schlaue Masetto, der sich für taubstumm ausgibt und so als Gärtner in ein Nonnenkloster aufgenommen wird, um sich mit jeder der Nonnen an einem verborgenen Ort zu vereinigen; der naive Andreuccio, der nach Neapel gekommen ist, um Pferde zu kaufen, und der von einem Betrug zum anderen übergeht, indem er sich zuerst ausrauben lässt und dann seinerseits zwei frevelhafte Diebe ausraubt; die jungen Caterina und Riccardo, welchen es den Verwandten zum Trotz gelingt, eine Liebesnacht auf der Terrasse zu verbringen oder Petronella, die den Ehemann in einen großen Tonkrug lockt, um sich dem Liebhaber hingeben zu können.

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Film wird viel über das Leben und den Sex gelacht. Beim Lachen passiert es manchmal, dass man dem Tod begegnet. Alle Figuren sind von dem Verlangen getrieben, ihre Lebensumstände zu verbessern und ihre Wünsche zu erfüllen. Dabei kommen sowohl schlaue und naive Gestalten als auch Heilige und Sünder vor.

Pasolini und seinem Film wurde oft Pornografie vorgeworfen. Der Regisseur hingegen wollte in diesem und den beiden folgenden Filmen seiner Trilogie des Lebens Sexualität nicht nur andeutungsweise zeigen, sondern zum zentralen dramaturgischen Moment der Inszenierung werden lassen.

Der Film wurde im September und Oktober 1970 fast vollständig in Italien gedreht, in Neapel und der Campagna, in Rom und Umland, sowie im Norden in Trient und Bozen. Nur für die Episode Alibek wird Einsiedlerin, die in der ägyptischen Wüste spielt, ging Pasolini nach Sana’a im Jemen, diese Sequenz wurde jedoch später im Film nicht verwendet. Dort im Jemen drehte Pasolini auf übrig gebliebenem Filmmaterial auch den kurzen Dokumentarfilm Die Mauern von Sana’a, in dem er sich leidenschaftlich für die Erhaltung der Altstadt von Sana’a einsetzte.

Kritiken[Bearbeiten]

„Nach der stilisierten, mythisch-allegorischen Medea wendet sich Pasolini der volksnahen Verklärung menschlicher Geschlechtlichkeit und Sinnenfreude zu, die Macht der einfachen Leute und der »archaischen, düsteren, vitalen Gewalt ihrer sexuellen Organe« beschwörend. Ein in seinem oft naiv wirkenden Lebensoptimismus nicht sonderlich überzeugender Konsumfilm des italienischen Regisseurs.“

Lexikon des internationalen Films[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film war 1971 bei den Internationalen Filmfestspielen 1971 in Berlin im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Für seine Regieleistung wurde Pasolini mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet und erhielt einen Silbernen Bären.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Decameron (Film) im Lexikon des Internationalen Films