Decca Audition

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Die Decca Audition (auch bekannt als Decca Sessions oder Decca Tapes) waren Probeaufnahmen der Beatles beim Label Decca Records. Die Beatles bewarben sich mit diesen Aufnahmen am Neujahrstag 1962 um einen Plattenvertrag. Decca weigerte sich jedoch, die Beatles unter Vertrag zu nehmen. Diese Ablehnung gilt als eine der größten Fehlentscheidungen der Musikgeschichte.[1]

Aufnahmen[Bearbeiten]

Die Probeaufnahmen fanden am 1. Januar 1962, vormittags ab etwa 11 Uhr, in den Decca-Studios in London statt. Organisiert hatte sie Brian Epstein, der Manager der Beatles. Die Band bestand damals aus: [2]

Geleitet wurden die Aufnahmen von Mike Smith, Assistent in der Abteilung A&R bei Decca. Es gab jeweils nur einen Take, aufgenommen in Mono. Overdubs wurden nicht produziert und ein Mixdown fand nicht statt. Die Beatles spielten also quasi live – innerhalb einer Stunde nahmen sie 15 Songs auf: [2]

  1. Like Dreamers Do (Lennon/McCartney) – Leadgesang: McCartney
  2. Money (That’s What I Want) (Gordy/Bradford) – Leadgesang: Lennon
  3. Till There Was You (Willson) – Leadgesang: McCartney
  4. The Sheik Of Araby (Smith/Wheeler/Snyder) – Leadgesang: Harrison
  5. To Know Her Is to Love Her (Spector) – Leadgesang: Lennon
  6. Take Good Care of My Baby (King/Goffin) – Leadgesang: Harrison
  7. Memphis, Tennessee (Berry) – Leadgesang: Lennon
  8. Sure to Fall (In Love with You) (Cantrell/Claunch/Perkins) – Leadgesang: McCartney
  9. Hello Little Girl (Lennon/McCartney) – Leadgesang: Lennon
  10. Three Cool Cats (Leiber/Stoller) – Leadgesang: Harrison
  11. Crying, Waiting, Hoping (Holly) – Leadgesang: Harrison
  12. Love of the Loved (Lennon/McCartney) – Leadgesang: McCartney
  13. September in the Rain (Warren/Dubin) – Leadgesang: McCartney
  14. Bésame Mucho (Velázquez) – Leadgesang: McCartney
  15. Searchin’ (Leiber/Stoller) – Leadgesang: McCartney

Nur drei der 15 Songs sind Lennon-McCartney-Kompositionen: Like Dreamers Do, Hello Little Girl und Love of the Loved. Die übrigen zwölf sind Coverversionen. Alle Lieder gehörten zum damaligen Live-Repertoire der Beatles.[3]

Ablehnung[Bearbeiten]

Dick Rowe, Leiter der Abteilung A&R bei Decca, gilt als der Mann, der den Beatles den Plattenvertrag verweigerte. Als Grund gab er später an, dass man zwischen den Beatles und Brian Poole & the Tremeloes habe wählen müssen. Letztere hatten am selben Tag ebenfalls Probeaufnahmen absolviert. Die Wahl sei auf Brian Poole & the Tremeloes gefallen, da sie im Gegensatz zu den Beatles nicht aus Liverpool, sondern aus London kamen. Bedingt durch diese geografische Nähe habe man sich eine problemlosere Zusammenarbeit erhofft. Die offizielle Begründung gegenüber dem Manager der Beatles war jedoch eine andere und ist mittlerweile legendär: „Gitarrenbands geraten aus der Mode, Mr. Epstein.“ [3]

George Martin, der die Beatles später für Parlophone und Apple produzierte, sagte über Dick Rowe im Nachhinein: „Er wurde als der Mann, der die Beatles ablehnte, bekannt, und er wird dieses Kreuz bis zu seinem Tode tragen. Aber das ist unfair, denn in Wirklichkeit hatten alle die Beatles abgelehnt.“ [4]

John Lennon gab Brian Epstein die Schuld dafür, dass Decca den Beatles keinen Plattenvertrag gegeben hatte. Epstein hatte die 15 Songs mit der Intention ausgewählt, die musikalische Vielseitigkeit der Beatles herausstellen. Die Kombination so verschiedener Genres wie Pop, Rhythm & Blues und Rock ’n’ Roll erweckte aber eher den Eindruck von Beliebigkeit. Lennon empfand die Auswahl der Songs daher als unpassend und schwor daraufhin, dass die Beatles sich nie wieder vorschreiben lassen würden, was sie zu spielen hätten.[1]

Teilweise hatten die Beatles die Ablehnung wohl auch selbst zu verantworten: Sie hielten nicht immer das Tempo und trafen nicht immer den Ton; die drei Eigenkompositionen sind zudem von eher durchschnittlicher Qualität – insgesamt war bei der Decca Audition ihre später viel gerühmte Professionalität und Genialität kaum herauszuhören.[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Von den 15 Liedern der Decca Audition wurden bisher nur fünf offiziell veröffentlicht:

  • Searchin’
  • Three Cool Cats
  • The Sheik of Araby
  • Like Dreamers Do
  • Hello Little Girl

Sie sind auf der Kompilation Anthology 1 aus dem Jahr 1995 enthalten. Es sind jedoch zahlreiche Bootlegs im Umlauf, auf denen die meisten oder sogar alle Songs der Decca Audition zu hören sind.[3]

Für ihr zweites Album With the Beatles aus dem Jahr 1963 nahmen die Beatles folgende Lieder erneut auf: [6]

  • Money (That’s What I Want)
  • Till There Was You

Für verschiedene Sendungen der BBC spielten die Beatles in den Jahren 1963 und 1964 diese Lieder:

  • Sure to Fall (In Love with You)
  • Crying, Waiting, Hoping
  • To Know Her Is to Love Her
  • Memphis, Tennessee
  • Till There Was You und
  • Money (That’s What I Want)

Sie wurden in den Jahren 1994 beziehungsweise 2013 auf den Kompilationen Live at the BBC und On Air – Live at the BBC Volume 2 publiziert.[7][8]

Die drei Lennon-McCartney-Kompositionen der Decca Audition nahmen die Beatles zwar nie wieder auf, aber die Songs wurden im Jahr 1963 als Singles von anderen Musikern veröffentlicht:

Hello Little Girl und Love of the Loved wurden von George Martin für Parlophone produziert; Brian Epstein betreute sowohl The Fourmost als auch Cilla Black als Manager. Like Dreamers Do wurde von Mike Leander für Decca produziert.[5]

Sonstiges[Bearbeiten]

Brian Poole & the Tremeloes waren nie auch nur annähernd so erfolgreich wie die Beatles, aber sie bescherten Decca im Oktober 1963 mit der Coverversion von Do You Love Me, im Original von The Contours, eine Nummer 1 in den britischen Single-Charts.[9]

Dick Rowe konnte seine historische Fehlentscheidung, die Beatles abzulehnen, im Jahr 1963 teilweise kompensieren, indem er für Decca die Rolling Stones unter Vertrag nahm. Der entsprechende Tipp kam von George Harrison.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Philip Norman: John Lennon – Die Biographie. Droemer, München, 2008. S. 318 ff.
  2. a b The Beatles: Anthology 1 (Liner Notes)
  3. a b c d www.beatlesbible.com: Decca Audition (Entstehungsgeschichte)
  4. Peter Schuster: Four Ever – Die Geschichte der Beatles. Belser Verlag, Stuttgart und Zürich, 1991. S. 20
  5. a b www.richieunterberger.com: Decca Audition (Entstehungsgeschichte)
  6. The Beatles:With the Beatles (Liner Notes)
  7. The Beatles: Live at the BBC (Liner Notes)
  8. The Beatles: On Air – Live at the BBC Volume 2 (Liner Notes)
  9. www.officialcharts.com: Brian Poole & the Tremeloes (Chartplatzierungen)