Deim Zubeir

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7.714166666666726.194444444444Koordinaten: 7° 43′ N, 26° 12′ O

Karte: Südsudan
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Deim Zubeir
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Südsudan

Deim Zubeir (arabisch ‏‎ Daim al-Zubair[1]) ist eine Ortschaft im Bundesstaat Western Bahr el Ghazal im Südsudan.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort entstand als daim, d.h. als Siedlung rund um ein bewachtes Sklavenlager (zariba), das der Elfenbein- und Sklavenhändler al-Zubayr Rahma Anfang der 1860er Jahre gründete. al-Zubayr ließ sich hier am Khor Uyjuku (auch Uyujuku[2] oder Uyuku[3]) im Gebiet der Kreish Ndogo nieder, nachdem er bei den Golo auf Widerstand gestoßen war. Strategisch günstig an den Handelsrouten in den Nordsudan gelegen, wurde Deim Zubeir zu Zubayrs Hauptquartier, von dem umfangreiche Sklavenjagden und Handelstätigkeiten bis nach Darfur und in das Kongobecken ausgingen.[4]

Während des Mahdi-Aufstandes kam es zu einem Niedergang des Ortes.[5]

Im Juni 1889 drangen Franzosen von Ubangi-Schari aus nach Deim Zubeir vor, um das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Versuch, den Südsudan zum französischen Kolonialgebiet zu machen, scheiterte aber in der Faschoda-Krise. 1890 nahm der Azande-Herrscher Zemo Deim Zubeir ein.[6]

Die britische Kolonialmacht, die sich letztlich durchsetzte, stützte sich in der Region auf lokale Machthaber, wobei Volksgruppen ohne Zentralgewalt jeweils dem nächstgelegenen Herrscher unterstellt wurden. In Deim Zubeir wurden alle Bewohner entweder dem Herrscher der Kreish Ndogo, dem Sultan der Banda oder einem Azande-Sultan unterstellt. 1903–1906 war Deim Zubeir Hauptort des Western District von Bahr al-Ghazal, danach übernahm Raja diese Funktion. In den 1920er Jahren eröffneten die katholischen Verona-Patres eine Schule. Diese wurde in den 1940er Jahren mit der Schule in Raja – der einzigen weiteren Schule im Western District – vereinigt.[7]

Im zweiten Sezessionskrieg im Südsudan 1983–2005 war Deim Zubeir für die meiste Zeit unter Kontrolle der sudanesischen Regierung. Von Juni bis Oktober 2001 konnten die SPLA-Rebellen den Ort unter ihre Kontrolle bringen.[8]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Ahmad Alawad Sikainga: The western Bahr al-Ghazal under British rule, 1898–1956, Ohio University Center for International Studies, 1991, ISBN 0896801616, S. ix
  2. Edward Thomas: The Kafia Kingi Enclave. People, politics and history in the north-south boundary zone of western Sudan, 2010 (PDF; 2,5 MB), S. 163
  3. Mareike Schomerus, Tim Allen et al.: Southern Sudan at odds with itself. Dynamics of conflict and predicaments of peace, S. 110
  4. Sikainga 1991, S. 5–10
  5. Stefano Santandrea: A tribal history of the western Bahr El Ghazal (Collana di Studi Africani 17), 1964, S. 286
  6. Sikainga 1991, S. 17, 20f.
  7. Sikainga 1991, S. 26f., 48, 110, 116
  8. Douglas H. Johnson: The Root Causes of Sudan’s Civil Wars, James Currey Publishers, 2003 (African Issues), ISBN 9780852553923, 217f.