DeinBus.de

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
DeinBus.de
Logo von DeinBus.de
Basisinformationen
Unternehmenssitz Friedrichshafen
Webpräsenz DeinBus.de
Bezugsjahr 2013
Rechtsform GmbH
Geschäftsführung

Alexander Kuhr

Mitarbeiter etwa 30[1]
Linien
Bus etwa 20 nationale und grenzübergreifende Fernbuslinien[2]
Statistik
Haltestellen über 40

DeinBus.de ist ein deutsches Fernbusunternehmen mit Sitz in Friedrichshafen und Offenbach am Main. Neben der sogenannten Bus-Mitfahrzentrale bietet DeinBus.de seit November 2011 Fernbuslinien in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Tschechien an. Wenige Monate nach Inbetriebnahme der Bus-Mitfahrzentrale verklagte die Deutsche Bahn DeinBus.de auf Unterlassung. Die Klage wurde im April 2011 abgewiesen.

Gründung und Gerichtsverfahren[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im März 2009 durch die drei Studenten Alexander Kuhr, Christian Janisch und Ingo Mayr-Knoch der Zeppelin Universität Friedrichshafen als Yourbus GmbH gegründet. Ende 2009 fuhr der erste Bus, der durch die Mitfahrzentrale gebildet wurde. Kurz darauf mahnte die Deutsche Bahn das Unternehmen ab und klagte nach einiger Zeit auf Unterlassung.[3] Die Bahn bemängelte, dass DeinBus.de unerlaubt genehmigungspflichtigen Linienverkehr anbiete. Das Konzept der Bus-Mitfahrzentrale sieht es jedoch vor, eine Gruppe zu finden, die zum gleichen Zeitpunkt die gleiche Strecke mit einem Bus zurücklegen möchte. Ein Mitfahrer meldet die Strecke auf der Website des Unternehmens an und wenn sich bis eine Woche vor der Fahrt mindestens 30 Mitfahrer finden, mietet das Unternehmen einen Bus an und die Fahrt findet statt.[4] Das Unternehmen beruft sich darauf, dass dies Gelegenheitsverkehr sei, der keiner besonderen Genehmigungspflicht unterliege.[5] Für das Geschäftsmodell der Bus-Mitfahrzentrale prämierte das Nachrichten-Portal Deutsche Startups DeinBus.de 2010 als drittbestes deutsches Start-Up-Unternehmen.[6]

Unter anderem durch die Berichterstattung im Spiegel, dessen Artikel über das Unternehmen am Veröffentlichungstag der am meisten gelesene und geteilte war, brachte dem Unternehmen große Aufmerksamkeit und Unterstützung.[7] Zur Finanzierung des Gerichtsprozesses initiierte das Unternehmen eine Spendenkampagne und formulierte eine Petition gegen das Fernlinienverkehrsmonopol der Deutschen Bahn.[8] Die Petition wurde bis zur Urteilsverkündung über 7.500 Mal unterzeichnet.[9] Weitere Unterstützung bekam das Unternehmen vom hessischen Staatssekretär Steffen Saebisch und anderen Politikern.[10]

Das Landgericht Frankfurt vertagte die Entscheidung nach der ersten Verhandlung im November 2010 auf den Januar und später den April 2011. Bis dahin durfte DeinBus.de die Mitfahrzentrale weiterbetreiben.[11] Am 20. April 2011 entschied das Landgericht Frankfurt, dass DeinBus.de sich nicht wettbewerbswidrig verhalten habe, sondern einen durch das Landratsamt Friedrichshafen genehmigten Gelegenheitsverkehr ausführe.[12] Das Landgericht sah sich nicht dafür zuständig, die Rechtmäßigkeit der Entscheidung des Landratsamtes zu überprüfen, und wies dementsprechend die Klage der Deutschen Bahn ab.[13] Die Bahn entschied sich nach der Urteilsverkündung, nicht in Berufung zu gehen, womit das Urteil im Mai 2011 rechtskräftig wurde.[14]

Streckenentwicklung[Bearbeiten]

Nach der Abweisung der Klage baute das Unternehme sein Angebot aus und konnte durch die größere Bekanntheit mehr Strecken anbieten. Die Fahrten von Düsseldorf über Köln nach Frankfurt und zurück waren die am meisten genutzten und wurden mehrmals wöchentlich bedient.[15] Im November 2011 eröffnete DeinBus.de die nach eigenen Angaben erste genehmigte Fernbuslinienverkehrsstrecke in Süddeutschland noch vor der Liberalisierung des innerdeutschen Fernbusverkehrs im Januar 2013.[16] Das Unternehmen plante, bis 2015 ein flächendeckendes Fernbusliniennetz in Deutschland anzubieten.[17] 2012 eröffnete das Unternehmen nach alter Gesetzgebung drei weitere Linien – von Stuttgart nach Freiburg, von Freiburg nach Konstanz und von Stuttgart nach Frankfurt. Seit der Liberalisierung des Marktes startete das Unternehmen weitere Strecken und bietet ein ausgebautes Netz im Süden und Westen Deutschlands an. In Tschechien werden Pilsen und Prag angefahren, mit einer Verbindung nach Maastricht sind auch die Niederlande angebunden.[2]

Insolvenz[Bearbeiten]

Im Jahr 2014 hatte das Unternehmen 25 Mitarbeiter und einen Marktanteil von 2 Prozent.[18] Am 4. November 2014 stellte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Offenbach. Der Betrieb geht zunächst weiter.[19] Am 23. Dezember 2014 gab das Unternehmen bekannt, einen Investor gefunden zu haben, dessen Engagement den Weiterbetrieb sichert. Ferner plane man, mit neuen Streckenangeboten zu expandieren, alle 25 Arbeitsplätze konnten gesichert werden. Rechtlich handelt es sich bei der Sanierung um eine Übertragung des Betriebs auf eine neue Gesellschaft. Die alte DeinBus.de GmbH wird abgewickelt, erklärte der Insolvenzverwalter. Die Start-up-Gründer und bisherigen Eigner Alexander Kuhr und Christian Janisch bleiben als Manager im Unternehmen.[20] Bei dem Investor handelt es sich um Tillman Raith, der sich mit einer niedrigen siebenstelligen Summe an der Gesellschaft beteiligt hat.[21]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fernbuspionier „DeinBus.de“ sieht weiteres Potenzial in Freiburg, Badische-Zeitung.de, aufgerufen am 12. März 2014
  2. a b Fernbus Liniennetz: Alle Verbindungen, DeinBus.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKlage: Deutsche Bahn versus „DeinBus“. In: Focus Online. 15. November 2010, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  4. Die Idee, DeinBus.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  5. Konkurrenzschutz im Fernverkehr: Ein Start-Up ärgert die Deutsche Bahn, LTO.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  6. Start-up des Jahres 2010 – Die Hitliste: DeinBus.de und MyTaxi knapp geschlagen, Deutsche-Startups.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  7. Von Sven Böll: Bus-Start-up: Wie die Bahn kreative Konkurrenz zerstört. In: Spiegel Online. 29. Oktober 2010, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  8. Tausende Euro Spenden: Bus-Start-up setzt Kampf gegen Bahn-Monopol fort. In: Spiegel Online. 5. November 2010, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  9. Petition, DeinBus.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWiebke Rannenberg: Konkurrenz für Deutsche Bahn: Staatssekretär unterstützt Deinbus.de. In: fr-online.de. 10. Februar 2011, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRegine Seipel: DeinBus.de: Aufschub für junge Bus-Unternehmer. In: fr-online.de. 11. Januar 2011, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  12. Presseinformation: Landgericht Frankfurt weist Klage der Deutschen Bahn gegen Dein Bus ab, LG-Frankfurt.Justiz.Hessen.de, PDF-Datei; 68,6 KB. Aufgerufen am 12. März 2014.
  13. FAZ.NET mit dapd: Bahn verliert gegen Studenten-Start-Up. In: FAZ.net. 20. April 2011, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDeinBus darf weitermachen. In: sueddeutsche.de. Artikel, abgerufen am 20. Dezember 2014. (kostenpflichtiger Zugriff)
  15. „David“ siegt vor Gericht: Bahn verliert gegen DeinBus.de, n-tv.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  16. Fernverkehr: Bahn kann DeinBus.de nicht ausbremsen, Stuttgarter-Zeitung.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  17. Werden Sie Partner von DeinBus.de, DeinBus.de, aufgerufen am 12. März 2014.
  18. Kleine Anbieter haben Nachsehen: Fernbusanbieter DeinBus.de meldet Insolvenz an. In: Focus Online. 8. November 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  19. DeinBus.de: Anbieter von Fernbusreisen meldet Insolvenz an. In: zeit.de. 8. November 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInvestor rettet DeinBus.de und plant Expansion. In: welt.de. 24. Dezember 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  21. DeinBus verdoppelt Ticket-Preise. Handelsblatt, 7. Februar 2015, abgerufen am 8. Februar 2015 (Agenturmeldung der Agence France-Presse).