Dekontamination

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Dekontamination eines CSA-Trägers (Übung)

Unter Dekontamination, in Österreich Dekontaminierung, Abkürzung: Deko, Dekon, versteht man das Entfernen von gefährlichen Verunreinigungen (Kontaminationen) von Personen, Objekten oder ungeschützten Flächen und gehört damit zum ABC-Schutz. Die Gefährdungen können dabei radioaktiver, biologischer oder chemischer Natur sein. In der Pharmazie werden Desinfektionsmaßnahmen in Reinräumen Dekontaminationen genannt.[1]

Grundlagen[Bearbeiten]

Bereits bei einem Brand werden mit den Brandgasen und der Asche viele Schadstoffe frei, die sich in der Brandschutzbekleidung festsetzen, was nach einem Atemschutzeinsatz eine Dekontamination notwendig macht. Da die Kontaminationen (Brandgase) nicht direkt oder einfach nachgewiesen werden können, muss meist unspezifisch dekontaminiert werden.

Dekontaminationen von ernsthaften chemischen, biologischen oder radioaktiven Belastungen, etwa nach Unfällen oder terroristischen bzw. militärischen Angriffen, müssen spezifisch erfolgen. Es muss also sowohl qualitativ als auch quantitativ die Belastung bekannt sein, um eine Aussage über den Grad der Dekontamination treffen zu können.

Wichtig ist bei jeder Art der Dekontamination der Selbstschutz, um eine Gefährdung der die Dekontamination durchführenden Personen sowie weitere Kontaminationen der Umwelt zu verhindern. Dies bedeutet, dass zusammen mit den Verunreinigungen die zur Dekontamination verwendeten Mittel und die persönlichen Schutzausrüstungen, wie Waschwasser, Bürsten, Filter, Handschuhe, Kleidung gesammelt und fachgerecht entsorgt werden müssen.

Kann der zu dekontaminierende Gegenstand bewegt werden, kann die Dekontamination an speziellen Dekontaminationsplätzen stattfinden. Diese können mit einfachen Mitteln provisorisch oder mit spezieller Ausrüstung professionell ausgeführt werden. Beiden gemeinsam ist aber die Organisation eines solchen Platzes, auf dem es eine verunreinigte und eine reine Zone gibt.

Grenzwerte[Bearbeiten]

Während des Dekontaminierens werden die dabei tätigen Personen belastet, beispielsweise durch radioaktive Strahlung. Daher muss jede Person im Falle radioaktiver Kontaminierung mit einem Dosimeter ausgestattet sein. Vor Überschreiten von Grenzwerten beispielsweise für die Jahresdosis muss die Besetzung gewechselt werden.

Personen werden in einem drei- oder vierstufigen Prozess dekontaminiert:

Nach der normgemäßen Ausdrucksweise spricht man im zivilen Bereich von:

  • Dekontamination: beschreibt den Vorgang.
  • dekontaminieren: beschreibt die Tätigkeit.

Im militärischen Bereich wird nur der erste Ausdruck verwendet.

Arten der Dekontamination[Bearbeiten]

Es werden grundsätzlich folgende Arten der Dekontamination unterschieden. Dementsprechend variiert auch die Vorgehensweise und Ausrüstung.

  • Dekontamination von Flächen (Dekon-Fl)
  • Dekontamination von Fahrzeugen (Dekon-F)
  • Dekontamination von Geräten (Dekon-G)
  • Dekontamination von Personen (Dekon-P)
    • Dekontamination von Verletzten (Dekon-V)
    • Massendekontamination

Stufen der Dekontamination[Bearbeiten]

Dekontamination während einer Gefahrgutunfall-Übung

Im zivilen Bereich werden diese Stufen nach dem erforderlichen personellen und logistischen Aufwand unterschieden, im militärischen Bereich nach dem zu erzielenden Ergebnis.

Militärischer Bereich[Bearbeiten]

Dekontaminationsübung der Sowjetarmee im Jahr 1987
  • Sofort-Dekontamination:

Die Dekon-Maßnahmen, die in Selbst- und Kameradenhilfe durchgeführt werden und für eine begrenzte Zeit die eingeschränkte weitere Durchführung des Auftrages ermöglichen. Eine Reduktion des persönlichen ABC-Schutzes ist nicht möglich.

  • Operationelle- oder Behelfsdekontamination:

Die Dekon-Maßnahmen, welche zur uneingeschränkten weiteren Durchführung des Auftrages notwendig sind. Beispiele: Dekontamination der Versorgungsöffnungen an Kampfpanzern, von Fernsprechern usw. Eine Reduktion des persönlichen ABC-Schutzes ist nicht unbedingt möglich und muss von Fall zu Fall geprüft werden.

  • Gründliche Dekontamination:

Die Dekon-Maßnahmen, die eine uneingeschränkte Nutzung des Materials durch erwachsene Personen im normalen Umgang erlauben. Das verbleibende Restrisiko (ICt5) ist definiert und muss beachtet werden. Eine Reduktion des persönlichen ABC-Schutzes ist möglich.

  • Rückführungsdekontamination:

Die Maßnahmen, die eine uneingeschränkte Nutzung des Materials durch jede Person ermöglichen und die die weltweite Verlegbarkeit des Materials zulassen. Vom Material geht keinerlei Gefährdung mehr aus. Beispiel: Wechsel der Betriebsflüssigkeiten, der Schmierstoffe, von adsorbierenden Kunststoffteilen usw. Diese Stufe ist in der Bundeswehr nicht definiert und wird als Teil der gründlichen Dekontamination verstanden.

  • B-Dekontamination:

Unabhängig von der obigen Einteilung stellt die Dekontamination aufgrund biologischer Gefahren eine besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte dar. Wegen einer Zunahme der Gefährdung insbesondere im Kontext terroristischer Bedrohungen wurden entsprechende Pilotprojekte gestartet.[2][3]

Feuerwehr und Hilfsorganisationen[Bearbeiten]

Nach der deutschen FwDV 500, Einheiten im ABC-Einsatz, wird die Dekontamination in 3 Stufen eingeteilt. Neben diesen 3 Dekon-Stufen ist bei jedem Einsatz, auch bei Einsätzen die nicht im Zusammenhang mit Gefahrstoffen stehen, grundsätzlich die Einhaltung einer Einsatzstellenhygiene geregelt, beispielsweise muss auf Nahrungsaufnahme sowie auf den Genuss von Tabakwaren im Einsatzstellenbereich verzichtet werden.

  • Dekon-Stufe I (Not-Dekon):

Die Dekon-Stufe I kann von fast jeder Feuerwehr gestellt werden und muss von jeder Feuerwehr mit entsprechendem ABC-Einsatzpersonal durchgeführt werden können. Diese Dekonstufe muss errichtet werden, sobald ein Einsatz in Verbindung mit ABC-Gefahren durchgeführt oder absehbar wird. In der Regel reicht eine Wasserversorgung in Form einer Kübelspritze sowie ein mit Folien ausgelegter Platz aus, um diese Stufe in Betrieb zu nehmen. Wichtig ist aber auch hier, dass eine strikte Trennung von Schwarz- und Weißbereich durchgeführt wird, um eine Kontaminationsverschleppung zu verhindern. Sobald vorhanden, sollte auf eine höhere Dekonstufe zurückgegriffen werden.

  • Dekon-Stufe II (Standard-Dekon):

Diese Dekonstufe ist die Standard-Dekontamination beim Einsatz unter Sonderausrüstung (CSA, Kontaminationsschutzanzug etc.). Gestellt wird die Ausrüstung in aller Regel von speziellen Gefahrstoffzügen.

  • Dekon-Stufe III (Erweiterte Dekon):

Die höchste Dekonstufe wird eingerichtet, wenn eine größere Anzahl von Personen zu Dekontaminieren oder die Verschmutzung nicht mehr mit der Stufe II unter Kontrolle zu bekommen ist. Beispielsweise ist auf dem Fahrzeug Dekon-P ein kompletter Dekontaminationsplatz für Stufe III verlastet.

Verschiedene Länderkonzepte wie z. B. von Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen zeigen das verstärkte Augenmerk in Richtung der Dekontamination von nicht gehfähigen, liegenden oder verletzten Personen („Dekon-V“). Ein wichtiger Ansatz ist die Implementierung dieser Leistung in die medizinische Task Force des Bundes.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wanner, Wolf-Dieter: Desinfektion in pharmazeutischen Reinräumen. Pharm. Ind., Band 75, Nr. 3, 2013, S. 399–402.
  2. Pilotprojekt Analytische Taskforce Biologische Gefahren
  3. B-Dekon

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dekontamination – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien