Dekret 770

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Beim Dekret 770 handelt es sich um ein soziales Experiment, das 1966 vom rumänischen Diktator Nicolae Ceauşescu initiiert wurde. Ziel war es, die Zahl der rumänischen Bevölkerung zu erhöhen und eine neue Generation im Sinne des Kommunismus heranwachsen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden sämtliche Verhütungsmethoden sowie die Abtreibung verboten. Gebärfähige Frauen wurden systematisch überwacht, um potentielles Leben frühzeitig erkennen und nachweisen zu können.

Erklärtes Ziel war es, dass Frauen im Schnitt vier Kinder zur Welt bringen und die rumänische Bevölkerung binnen 24 Jahren um 10 Millionen Menschen wachsen sollte. Das Programm wurde begleitet von massiver finanzieller Förderung für Kindergärten und Schulen. Dennoch entstand bei vielen betroffenen Frauen eine Verweigerungshaltung, und es kam häufig zu illegalen Abtreibungen.

Ein illegales Netzwerk entstand. Selbst offizielle Statistiken sprechen von mehr als 11'000 Frauen, die ihr Leben durch verpfuschte, von Amateuren durchgeführte Abtreibungsversuche verloren.

Ärzte, die illegal Schwangerschaftsabbrüche vornahmen, wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Frauen, die wegen Komplikationen ins Krankenhaus kamen, wurden noch auf dem OP-Tisch brutal verhört, um die Namen der Komplizen zu erfahren. Manchmal wurde ihnen sogar ärztlicher Beistand verweigert, und sie starben qualvoll. Abtreibende Ärzte und Frauen wurden zum Teil brutalen Verhören und langen Haftstrafen unterzogen.

Tatsächlich führte das Dekret zu einem "künstlichen" Bevölkerungswachstum von zwei Millionen Menschen, die ohne diese Anordnung nicht geboren worden wären und die man in Rumänien "Decretei", Dekretkinder nennt.

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