Delaware and Hudson Railway

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Logo der D&H

Die Delaware and Hudson Railway (D&H) war eine Bahngesellschaft im Nordosten der USA und einst das älteste amerikanische Eisenbahnunternehmen mit ununterbrochenem Betrieb. Sie wurde 1823 als Delaware and Hudson Canal Company gegründet, um einen Kanal von Honesdale (Pennsylvania) nach Rondout (New York) am Hudson River zu bauen. Auf diesem wurde vor allem Anthrazit aus mehreren Minen im Nordosten Pennsylvanias nach New York transportiert.

Bahnverkehr als Schiffszubringer[Bearbeiten]

Zwischen einer Kohlengrube nahe Carbondale (Pennsylvania) und dem Kanal in Honesdale entstand ab April 1826 eine Bahnstrecke. Die Strecke bestand aus einer Reihe Schiefer Seilebenen, die mit horizontalen Strecken verbunden waren, welche von Lokomotiven befahren werden sollten. Die Gesellschaft importierte dazu 1829 vier Dampflokomotiven aus England, darunter die Stourbridge Lion. Mit dieser Lokomotive wurde erstmals Probefahrten für einen kommerziellen Dampflokbetrieb auf einer Bahnstrecke in den USA durchgeführt. Die Lokomotive war aber zu schwer für die Schienen der Bahn, die aus wenig witterungsbeständigen Balken aus Hemlocktannenholz mit aufgenagelten Metallplatten bestanden. Die Lokomotiven wurden deshalb nach den Probefahrt abgestellt und die Züge zwischen den schiefen Seilebenen mit Pferden gezogen.[1]

Ab 1843 wurde die Bahnstrecke der Delaware and Hudson Canal Company zur Anbindung weiterer Minen schrittweise Richtung Westen verlängert, wobei 1863 mit dem etwa 70 km von Honesdale entfernten Scranton der größte Ort der Region erreicht wurde. Bereits seit 1860 wurde neben dem Güterverkehr - der in Lastrichtung (zum Kanal) weiterhin großteils ohne Lokomotiven unter Ausnutzung der Schwerkraft durchgeführt wurde - auch ein bescheidener Personenverkehr auf der Bahnverbindung angeboten.

Expansion[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1860er Jahre begann die Delaware and Hudson Canal Company ihren Fokus vom Schifffahrtsbetrieb auf den Bahnverkehr zu verlagern und ihr Bahnnetz um weitere Strecken - im Gegensatz zur bestehenden, topografisch und betrieblich beschränkten Schwerkraftbahn komplett mit Lokomotiven betrieben - zu erweitern. Dies erfolgte nicht nur durch den Bau eigener Strecken, sondern insbesondere durch die Übernahme bestehender Bahngesellschaften sowie vereinzelt über den Erwerb von Trackage Rights, Nutzungsrechten für Bahnstrecken anderer Unternehmen. So entstand ein Streckennetz, das sich ausgehend vom Nordosten Pennsylvanias vor allem über den Norden des Bundesstaates New York erstreckte, aber auch Vermont und die kanadische Provinz Québec erreichte.

Der ursprüngliche Kanal wurde im November 1891 zuletzt genutzt und am 13. Juni 1899 verkauft. Im selben Jahr, am 28. April 1899, erfolgte die Umbenennung der bisherigen Delaware and Hudson Canal Company in Delaware and Hudson Company (D&H). Ebenfalls 1899 wurde die ursprüngliche Schwerkraftbahn stillgelegt, nachdem bereits seit 1870 eine weitgehend parallel verlaufende Vollbahn-Strecke bestand.

Seine größte Ausdehnung erreichte das Streckennetz der D&H ab 1915 bis in die späten 1920er Jahre mit einer Länge von rund 1.440 km, bevor einige kurze Streckenabschnitte aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und die D&H-Tochtergesellschaft Quebec, Montreal and Southern Railway 1929 an die Canadian National Railway verkauft wurden. Zum 1. April 1930 wurde die Delaware and Hudson Company in die bereits zum 1. Dezember 1928 gegründete Delaware and Hudson Railroad reorganisiert.

Weitere Entwicklung im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den 1930er Jahren begannen die Anthrazit-Transporte, die bis dato weiterhin das Rückgrat des D&H-Güterverkehrs darstellten, deutlich zurückzugehen. Als Reaktion darauf begann die D&H, sich 1938 neu als Bridge Line auszurichten und vermehrt überregionale Transporte anzuwerben, die die D&H im Transit nutzten. Diese Strategie war erfolgreich und bescherte der D&H deutliche Verkehrszuwächse.

1968 erwarb das Holdingunternehmen Dereco die D&H, die zugleich in Delaware and Hudson Railway umbenannt wurde. Die D&H war eine der wenigen Bahngesellschaften des Nordostens, die in den 1970ern nicht in Konkurs ging. Nach der Gründung der staatlichen Gesellschaft Conrail im Jahr 1976 expandierte die D&H ihr Streckennetz und erhielt Durchfahrtsrechte auf einem großen Teil des Conrail-Netzes. Die Gesellschaft wurde 1984 von Guilford Transportation für lediglich 500.000 $ übernommen, was den zwischenzeitlich erreichten Zustand von Finanzen und Infrastruktur der D&H widerspiegelte. Guilford Transportation erklärte die D&H am 20. Juni 1988 als insolvent. Während Streckenabschnitte in Pennsylvania durch das Lackawanna County erworben wurden, übernahm auf dem übrigen D&H-Netz die New York, Susquehanna and Western Railway kommissarisch den Betrieb.

1991 wurde die D&H schließlich an die Canadian Pacific Railway (CPR) verkauft, welche somit ihre Präsenz im Nordosten der USA verstärken konnte. Die CPR investierte größere Summen in die Infrastruktur der D&H-Strecken, konnte jedoch zunächst nicht die erwarteten Verkehrszuwächse verbuchen. Von 1996 bis 2000 war die ehemalige D&H in eine CPR-Tochtergesellschaft namens St. Lawrence and Hudson Railway ausgegliedert, über deren Verkauf zeitweilig nachgedacht wurde. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts spielen die D&H-Strecken als Teil des Zugangs der CPR in den Großraum New York City jedoch wieder eine größere Rolle.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Delaware and Hudson Railway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  William H. Brown: The history of the first locomotives in America. From original documents, and the testimony of living witnesses. Appleton and Company, New York 1871, XIII: First English Locomotives, S. 74-78 (Link).