Delay (Musik)

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Ein Delay ist eine Laufzeitverzögerung, die in der Musikproduktion bei der Laufzeitstereofonie, als Predelay beim Nachhall, als Haas-Effekt bei Beschallungsanlagen auftritt und im Sound-Design gezielt eingesetzt wird.

Verschiedene digitale Delays

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen [Bearbeiten]

Der Soundeffekt kann eine oder mehrere verzögerte Kopien des Eingangssignals ausgeben, und man erzielt so einen echoähnlichen Klang. Eine Verzögerung kann sowohl durch ein elektronisches Bauteil als auch mit Hilfe von Software erzielt werden. Ein elektronischer Delay-Effekt kann durch eine analoge Schaltung, einen digitalen Algorithmus oder mit einem Tonbandgerät erzeugt werden (siehe auch Hallgerät).

Entstehung [Bearbeiten]

Ein Delay entsteht dadurch, dass der Schall langsamer ist als das mit dem Mikrofon aufgenommene, verstärkte und über Lautsprecher wiedergegebene Audiosignal. Dieses Phänomen tritt nur in größeren Räumen mit verteilten Lautsprechern auf. Das Ergebnis ist eine gewisse Konfusion, da das menschliche Gehirn die Tonquelle dort platziert, von wo der Ton zuerst kommt (direkter Schall), siehe Präzedenzeffekt. Da das in diesem Fall der Lautsprecher und nicht der Sprecher ist, müssen entsprechende Delays (Verzögerungen) gesetzt werden. Oft sind die verschiedenen Delays auf die jeweiligen Lautsprechergruppen so abgestimmt, dass der (natürliche) Ton des Lautsprechers in Bühnennähe im hinteren Publikumsbereich möglichst 20 ms früher ankommt. Zu beachten ist dabei der notwendige Haas-Effekt mit einer Verzögerung von 20 ms ±10 ms und die Echowahrnehmungsschwelle von etwa 50 ms bei gleichem Pegel von Direktsignal und Reflexion. Bei videounterstützten Veranstaltungen, etwa mittels Großbildschirmen, wird auch das übertragene Bild mit einem entsprechenden Delay versehen.

Tape Delay [Bearbeiten]

Tape Delay ist die Nutzung der Laufzeitdifferenzen des Tonbandes zwischen Aufnahme- und Wiedergabekopf für Hall- und Echoeffekte. Das Signal vom Wiedergabekopf der Bandmaschine wird auf den Aufnahmekopf zurückgeführt, dann erfolgt eine echoähnliche Wiederholung des zuvor aufgenommen klanglichen Ereignisses mit einem Zeitversatz, der dem zurückgelegten Weg des Bandes zwischen Aufnahmekopf und dem nach ihm angeordneten Wiedergabekopf entspricht. Das Verfahren ist 1951 von Les Paul in seinem mit Mary Ford am 4. Januar 1951 zuhause aufgenommenen How High the Moon erstmals zu hören gewesen.[1] Gitarrist Les Paul war auch ein innovativer Aufnahmetechniker, der zur Entwicklung der Soundeffekte mit beigetragen hat. Das Slapback-Echo ist erstmals bei Little Walters Harmonika-Instrumentalsong Juke, aufgenommen am 12. Mai 1952 bei Universal Recording in Chicago, zu hören.[2] Ab 1954 hat es Sam Phillips dann zu einem Markenzeichen seines Plattenlabels Sun Records in Memphis gemacht, das nicht zuletzt den hier entstandenen frühen Aufnahmen von Elvis Presley ihren unnachahmlichen Charakter gegeben hat. Er besaß zwei Ampex 350 Tonbandmaschinen, deren Zusammenwirken durch geringe Zeitverzögerung bei derselben Aufnahme dieses Echo erzeugte.

Delay im Sound-Design [Bearbeiten]

Hörbeispiel: Sprachaufnahme mit verschiedenen Feedbackwerten
Hörbeispiel: Flötenaufnahme ohne und mit Delay

Ein Delay kann auch als Soundeffekt eingesetzt werden.

Einige Typen sind:

  • X-Delay
  • Stereo-Delay
  • Filter-Delay
  • Multi-Tap-Delay
  • Reverse-Delay
  • Modulations-Delay

Die wesentlichen Parameter bei allen Delays sind:

  • Delay (ms): Verzögerungszeit in Millisekunden
  • Feedback (%): Rückkopplung des Ausgangssignals auf den Eingang in Prozent
  • Mix: Verhältnis zwischen Original- und Effektsignal

Klangbeispiele [Bearbeiten]

  • Another Brick in the Wall (Part One) von Pink Floyd (1979)
  • Walking on the Moon von The Police (1979)
  • Where the Streets Have No Name von U2 (1987)

Literatur [Bearbeiten]

  •  Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage. Carstensen Verlag, München 2003, ISBN 3-910098-25-8.
  •  Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. 5. Auflage. GC Carstensen Verlag, München 2001, ISBN 3-910098-19-3.
  •  Gustav Büscher, A. Wiegemann: Kleines ABC der Elektroakustik. 6. Auflage. Franzis Verlag, München 1972, ISBN 3-7723-0296-3.

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. SoundonSound vom Januar 2007, Producer & Engineer: Les Paul
  2. Glen Jeanssonne/David Luhrssen, Elvis Presley: Reluctant Rebel, 2011, S. 69