Delicious

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Neues Logo seit August 2008
Ehemaliges Logo bis Juli 2008

Delicious (ehemals „del.icio.us“) ist eine Webanwendung für Social Bookmarking.

Der Dienst ermöglicht es Benutzern, persönliche Lesezeichen anzulegen und mit Schlagwörtern oder Tags zu versehen. Die persönliche Sammlung ist im Allgemeinen öffentlich sichtbar. Jedoch kann man einzelne Lesezeichen auch als privat kennzeichnen und so von der Veröffentlichung ausschließen. Der öffentliche Charakter des Dienstes Delicious lässt sich beispielsweise für ein Linkblog nutzen: Der Einzelne sieht, welche anderen Nutzer seine Lesezeichen in ihre Sammlung aufgenommen und mit welchen Tags gekennzeichnet haben; siehe auch Folksonomy. Zudem können Nutzer Links zu einem bestimmten Thema in einer Liste kuratieren.

Name[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Dienstname del.icio.us beinhaltet das englische Adjektiv „delicious“, das mit „köstlich“ übersetzt werden kann. In einem Interview erklärte der Entwickler Joshua Schachter: „Es gibt keine tiefere Bedeutung des Namens.“[1] Der Name sei das Ergebnis einer Überlegung, wonach sich mit diesem Sechs-Zeichen-Suffix die meisten Wörter generieren ließen und der Aussage eines Freundes, der behauptete, gute Links zu finden sei wie Kirschen zu pflücken. Am 31. Juli 2008 ist der Dienst offiziell in Delicious umbenannt worden, dabei erhielt auch die Website eine neue offizielle Internetadresse delicious.com.[2] Unter der alten Adresse del.icio.us ist der Dienst aber auch erreichbar und die Benutzer werden an die neue Adresse weitergeleitet.

Technik[Bearbeiten]

Delicious hat eine einfache HTML-Oberfläche und ein auf REST basierendes API. Seine Inhalte können auch als RSS-Feeds ausgegeben werden.

Der Quelltext des derzeit kostenlosen Dienstes ist nicht frei verfügbar, allerdings existieren Nachbauten (Klone) wie de.lirio.us (wird nicht mehr weiter entwickelt) und Scuttle.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Entwickler Joshua Schachter startete den Dienst unter dem Namen del.icio.us Ende 2003. Der Dienst gilt als Pionier der Social-Bookmarking-Anwendungen und ist bis heute einer der meistgenutzten in diesem Bereich. Nach eigenen Angaben bezifferte das Unternehmen die Anzahl der Nutzer am 25. September 2006 mit einer Million.[3] Zum Unternehmen wurde del.icio.us erst 2005.

Am 9. Dezember 2005 erwarb Yahoo del.icio.us. Da Yahoo im März desselben Jahres bereits den Foto-Dienst Flickr übernommen hatte (ebenfalls ein Pionier der Verschlagwortung von Webinhalten), wurde das besonders beachtet.

Am 17. Dezember 2010 gab Yahoo bekannt, man wolle den Dienst demnächst veräußern, da er nicht in das unternehmerische Portfolio passe. Der Dienst werde aber weiter betrieben.[4] Die YouTube-Gründer, Chad Hurley und Steve Chen, haben den Dienst zur Jahresmitte 2011 übernommen.[5]

Im September 2011 führte das Unternehmen eine Funktion zum Kuratieren von Web-Inhalten ein. Nutzer können thematische Linklisten veröffentlichen, sogenannte Stacks.[6]

Browser-Integration[Bearbeiten]

Bei einigen Webbrowsern kann man auf die lokale Lesezeichenverwaltung zugunsten eines Social-Bookmarking-Dienstes verzichten oder zumindest die beiden Systeme kombinieren. Dazu ist beispielsweise beim Webbrowser Flock eine Möglichkeit vorgesehen, einen Teil der Lesezeichen (oder aber auch alle Lesezeichen), auf Delicious abzulegen und auch mit Hilfe des Browsers die Einträge zu verwalten.

Für Mozilla Firefox gab es zunächst eine Erweiterung,[7] die aber nur die Übertragung der Firefox-Lesezeichen an Delicious erleichtert. Die bei Delicious verwalteten Lesezeichen wurden nicht in Firefox selbst integriert. Firefox verwendet nach der Installation auch weiterhin das eigene System, bestehend aus einer speziell formatierten HTML-Datei. So musste der Benutzer nach wie vor die Delicious-Website besuchen, um auf die dort abgelegten Lesezeichen zugreifen zu können.

Am 7. November 2006 veröffentlichte Yahoo eine neue Erweiterung Delicious Bookmarks for Firefox.[8] Nach der Installation kann dabei ein neues serverbasiertes System die Lesezeichen-Funktionalität von Firefox vollständig ersetzen. Alle Lesezeichen können jetzt auf dem Server abgelegt werden, lokal ist nur ein Cache vorhanden. Die Firefox-eigene Lesezeichen-Komponente wird dabei parallel angeboten und man kann die Lesezeichen von dort in das neue System übertragen. Falls der Dienst zeitweise nicht erreichbar sein sollte, operiert der Benutzer auf dem Cache. Die Änderungen werden bei der nächsten erfolgreichen Verbindung mit dem Server abgeglichen.

Die Erweiterung unterliegt einer proprietären Lizenz und ist nicht als Quellcode verfügbar.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. A Del.icio.us Interview bei Rands in Repose, 3. Dezember 2004, englisch
  2. The Delicious Team: Oh happy day — the new Delicious is here, Blogbeitrag zur Umbenennung und zum neuen Design der Website, 31. Juli 2008, englisch
  3. Delicious Team: Now Serving: 1,000,000, 25. September 2006, englisch
  4. What’s Next for Delicious?, in: Delicious Blog, 17. Dezember 2010, abgerufen am 18. Dezember 2010. „No, we are not shutting down Delicious … We’re actively thinking about the future of Delicious and we believe there is a home outside the company that would make more sense for the service and our users.“
  5. Jürgen Kuri: Bookmark-Service Delicious geht an Youtube-Gründer. In: Heise Newsticker. 28. April 2011. Abgerufen am 28. April 2011.
  6. A New Flavor... Still Delicious. In: Delicious-Blog. Abgerufen 29. September 2011.
  7. Golem: del.icio.us-Erweiterung ersetzt Firefox-Bookmarks, 9. November 2006
  8. Yahoo! Inc.: Delicious Bookmarks 2.0.72, Addon für Mozilla Firefox, 7. November 2006, englisch
  9. Delicious, Yahoo!: Delicious Bookmarks 2.0.72 – Software License, englisch, bei addons.mozilla.org, abgerufen am 4. August 2008