Demobilisierung

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Mit Demobilisierung oder Demobilisation wird die Rücknahme einer Mobilmachung oder die Auflösung einer Streitmacht bezeichnet.

Demobilisierung als Rücknahme der Mobilmachung stehender Heere[Bearbeiten]

In Umkehrung ihrer Mobilmachung wird eine bestehende Streitmacht von den Landesgrenzen oder Fronten zurückgezogen und ihr Personalbestand, die Ausrüstung, Bewaffnung und das Transportsystem auf die Friedenssituation zurückgeführt. Wie die Mobilmachung ein eskalierendes Moment ist, kann die Demobilisierung deeskalierend wirken.

Demobilisierung als Auflösung von Streitkräften[Bearbeiten]

Auch die Entlassung von Personen aus dem Militärdienst, in großer Zahl und nach Beendigung von Kriegen, bezeichnet man als Demobilisierung. Sie umfasst einerseits die Entwaffnung, Entbindung von ihren militärischen Pflichten und Entlassung von Soldaten; andererseits gehört zur Demobilisierung auch die Reintegration der entlassenen Soldaten in die zivile Gesellschaft.

Im Frieden[Bearbeiten]

Demobilisierung kann als Folge von geopolitischen Veränderungen, etwa als Gegenstand von Friedensverträgen erfolgen. So können im Rahmen von Abrüstungsvereinbarungen Waffensysteme und die mit ihnen betrauten Truppen demobilisiert werden.

Demobilisierung in großem Maßstab fand zum Beispiel nach der Deutschen Wiedervereinigung statt: Russische Truppen auf dem Gebiet der DDR wurden ebenso demobilisiert wie große Teile der NVA.

Nach einem Krieg[Bearbeiten]

Deutsche Soldaten stehen um Entlassungspapiere an, 1918

Sowohl bedeutend wie problematisch ist die Demobilisierung von Truppen nach einem Krieg, besonders, wenn es sich um Söldner oder Eingezogene handelt, die nicht in die Organisation einer Armee, sondern in eine zivile Gesellschaft entlassen werden.

In diesem Fall kann die Demobilisierung eine Reihe von Schwierigkeiten nach sich ziehen, nicht nur auf der im Krieg unterlegenen Seite. Zentrales Problem ist das Versorgen der demobilisierten Soldaten mit einem geregelten Einkommen, zumal parallel die Wirtschaft des betreffenden Landes in der Regel von einer Kriegs- auf eine Friedensproduktion umgestellt werden muss oder durch direkte Kriegseinwirkungen beschädigt wurde. Auch eine Unterstützung durch den Staat ist je nach Intensität des vorangegangenen Krieges kaum möglich.

Aufgrund dieser wirtschaftlichen und sozialen Probleme besteht die Gefahr, dass demobilisierte Truppenteile den Krieg auf eigene Faust fortsetzen, z.B in Freikorps.

Ein besonderes Problem in neuerer Zeit ist die Demobilisierung von Kindersoldaten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam R. Seipp: The Ordeal of Peace. Demobilization and the Urban Experience in Britain and Germany, 1917–1921. Ashgate Publishing, Farnham, Surrey, England 2009, ISBN 978-0-7546-6749-0.
  • Herbert Gerwarth, John Horne (Hrsg.): Paramilitary Violence in Europe after the Great War. Oxford University Press, Oxford, England 2012, ISBN 978-0-19-968605-6.
    • Herbert Gerwarth, John Horne (Hrsg.): Krieg im Frieden. Paramilitärische Gewalt in Europa nach dem ersten Weltkrieg. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1298-2.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Demobilisierung nach dem 1. Weltkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien