Demokratische Volkspartei Afghanistans

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Demokratische Volkspartei Afghanistans
Flag of the People's Democratic Party of Afghanistan.svg
Partei­vorsitzender Mohammed Nadschibullāh
Gründung 1. Januar 1965
Auflösung März 1992
Haupt­sitz Kabul
Aus­richtung Sozialismus, Kommunismus, Marxismus-Leninismus
Farbe(n) rot
Mitglieder­zahl 160.000 (in den späten 1980er Jahren)
DVPA-Parteiemblem

Die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA), war eine sich als nationaldemokratisch[1] bezeichnende Partei kommunistischer Prägung, die vor allem vor und während der Invasion und Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion aktiv gewesen ist. Sie war die Einheitspartei der Demokratischen Republik Afghanistan.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor der Machtübernahme[Bearbeiten]

Die Partei wurde am 1. Januar 1965 unter maßgeblicher Beteiligung von Babrak Karmal, dem späteren Staatspräsidenten, sowie von Nur Muhammad Taraki, einem populären Schriftsteller, gegründet. Der Gründungskongress fand heimlich im Hause Tarakis in Kabul statt, der von den 27 Teilnehmern zum Generalsekretär gewählt wurde. Karmal wurde sein Stellvertreter, außerdem wurde ein Politbüro mit fünf Mitgliedern gebildet. Die Partei wurde 1966 verboten und spaltete sich 1967 in zwei, sich oft feindlich gegenüberstehende Flügel, die Khalq- und die Parcham-Fraktion, die jeweils eigene Generalsekretäre und Politbüros hatten. Während die eher gemäßigt-sozialistische Parcham-Fraktion von Politikern wie Karmal und Mohammed Nadschibullah geprägt war, setzte sich zunächst die radikalere, leninistische Khalq-Fraktion unter Taraki durch. Nachdem sich beide Fraktionen, nicht zuletzt auf Drängen Moskaus, im Jahre 1977 wieder zur DVPA vereinigten und wenig später der prominente Links-Politiker Mir Akbar Khyber ermordet wurde (offenbar auf Veranlassung der Regierung), drängten die radikaleren Kräfte in der Partei auf einen Umsturz und am 28. April 1978 gelangte die DVPA tatsächlich im Land an die Macht und rief die Demokratische Volksrepublik Afghanistan aus.

DVPA-Regierung[Bearbeiten]

Die DVPA versuchte in Afghanistan umfassende Reformen durchzusetzen, etwa in Fragen der Bildungspolitik, der Frauenrechte und der Modernisierung. Dabei hatten sie auch Erfolg. Doch auch innerhalb der DVPA stieß der Kurs des nunmehrigen Ministerpräsidenten, der der Khalq-Fraktion angehörte, auf Kritik. Dieser reagierte, indem er im Juli 1978 Parcham-Politiker aus seiner Regierung ausschloss und führenden innerparteilichen Gegnern wegen Hochverrats den Prozess machte. Berüchtigt war auch die kommunistische Geheimpolizei KAM, der Folter und Misshandlung vorgeworfen wurden. Angesichts des zunehmenden Drucks, auch durch die Unterstützung der Mudschaheddin durch die USA, entschloss sich Taraki zu einem Hilferuf an die Genossen in Moskau, die dies im Jahre 1979 zum Anlass für ein militärisches Eingreifen nahmen. Diese setzten zur Stabilisierung des Landes, in dem die Mudschaheddin einen Partisanenkrieg zunächst gegen die DVPA-Regierung und später gegen die sowjetischen Invasoren führten, auf den gemäßigteren Karmal, den sie in Kabul als Präsidenten installierten; er wurde 1986 von Nadschibullah abgelöst.

Sturz[Bearbeiten]

Nach dem Abzug der Sowjets 1989 verschlechterte sich die Lage der DVPA im Land; im Juni 1990 gab sie aufgrund wachsenden Widerstands ihr Machtmonopol auf und benannte sich in „Vaterlands-Partei“ um und 1992 wurde Nadschibullah aus seinem Amt gedrängt. Seither ist die Rolle der Kommunisten in Afghanistan, die durch die Kooperation mit den Sowjets als diskreditiert galten, nur noch marginal. Sie verschwanden vollends von der politischen Bühne mit dem Einmarsch der Taliban in Kabul, die Nadschibullah 1996 öffentlich hängen ließen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anthony Arnold: Afghanistan's Two-Party Communism. Parcham and Khalq (= Hoover Press Publication. Bd. 279). Hoover Institution Press, Stanford University, Stanford CA 1983, ISBN 0-8179-7792-9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

 Commons: People's Democratic Party of Afghanistan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1.  Wir müssen die Rachsucht begraben. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1991, S. 224 (online).