Demokratur

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Demokratur ist ein Schlagwort des politischen Diskurses, als neologistisches Kofferwort zusammengesetzt aus Demokratie und Diktatur. Das Schlagwort soll in kritischer Absicht zum Ausdruck bringen, dass eine vorgebliche Demokratie tatsächlich keine echte Demokratie ist

Verwendung[Bearbeiten]

Verwendet wurde das Schlagwort unter anderem von Rudolf Augstein, der es 1993 in einem Interview mit der Zeitschrift Stern gebrauchte: „... Ich habe doch wesentlich mitgewirkt, der Demokratur der beiden Herren Adenauer und Strauß ein Ende zu machen ...“ Er taucht aber auch schon in den 1960er Jahren während der Adenauer-Regierung in der BRD auf. Kabarettisten, u. a. Dieter Hildebrandt, gebrauchten den Begriff, um die in ihren Augen manchmal „nicht ganz“ demokratischen (fehlende Unmittelbarkeit gem. GG Artikel 28 Wahlen) politischen Entscheidungsfindungsprozesse zu charakterisieren.

Das Schlagwort wurde von Links- wie auch Rechtsextremen aufgenommen: „Wünschenswert ist für RechtsextremistInnen ein starker, autoritärer Staat [...] [z]udem wird die Demokratie nicht nur kritisiert, sondern auch durch spöttische Bezeichnungen wie ‚Ersatzdemokratie‘, ‚Demokratur‘ oder ‚Demokrötie‘ verunglimpft“ (Marion Stangl).[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Eine Wortbildung wie Demokratur wird in der Linguistik auch Amalgamierung oder Blending genannt. Dies bezeichnet neue Wörter aus Teilen anderer Wörter, wobei diese Teile keine Morpheme sein müssen.

Die Amalgamierung, die Verschmelzung von Wörtern z.T. aufgrund partieller Homonymie und auch unter Ausnützung der Silben- bzw. Morphemgrenzen, wird [...] häufig auch im alltäglichen Sprachgebrauch spielerisch verwendet. [...] zitierte Beispiel [...] aus dieser Kategorie ist „Demokratur“ und aus dem Solo „Demokratie und Diktatur“ von Karl Farkas.“ (Dieter W. Halwachs)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Demokratur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Politischer Extremismus als Problem demokratischer Systeme: Rechtsextremismus in Österreich, Marion Stangl, 2004/05, Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik

Quellen[Bearbeiten]

  1. Hans Joachim Schwagerl: Rechtsextremes Denken. Merkmale und Methoden, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, S.24

Siehe auch[Bearbeiten]