Demokratur
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Demokratur ist ein Schlagwort des politischen Diskurses, als neologistisches Kofferwort zusammengesetzt aus Demokratie und Diktatur. Es unterstellt und bezeichnet die geringen Möglichkeiten der Einflussnahme auf politische Entscheidungen der demokratisch gewählten Volksvertreter.
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[Bearbeiten] Verwendung
Verwendet wurde der Begriff unter anderem von Rudolf Augstein, der ihn 1993 in einem Interview mit der Zeitschrift Stern gebrauchte: „... Ich habe doch wesentlich mitgewirkt, der Demokratur der beiden Herren Adenauer und Strauß ein Ende zu machen ...“
Er taucht aber auch schon in den 60er Jahren während der Adenauer-Regierung in der BRD auf. Kabarettisten, u. a. Dieter Hildebrandt, gebrauchten den Begriff, um die in ihren Augen manchmal nicht ganz demokratischen politischen Entscheidungsfindungsprozesse zu charakterisieren.
Das Schlagwort wurde von Linksextremen und Rechtsextremen aufgenommen: „Wünschenswert ist für RechtsextremistInnen ein starker, autoritärer Staat [...] [z]udem wird die Demokratie nicht nur kritisiert, sondern auch durch spöttische Bezeichnungen wie ‚Ersatzdemokratie‘, ‚Demokratur‘ oder ‚Demokrötie‘ verunglimpft (vgl. Schwagerl, 1993, S. 24)“ (Marion Stangl).
Der deutsche Sozialwissenschaftler Ralf Dahrendorf benutzt diese Wortschöpfung auch um die demokratischen Verhältnisse in den USA zu beschreiben. Er meint damit, dass der US-Präsident zwar demokratisch gewählt wird, aber in den vier Jahren seiner Amtszeit wie ein Monarch regiert[1].
[Bearbeiten] Etymologie
Eine Wortbildung wie Demokratur wird in der Linguistik auch Amalgamierung oder Blending genannt. Dies bezeichnet neue Wörter aus Teilen anderer Wörter, wobei diese Teile keine Morpheme sein müssen.
„Die Amalgamierung, die Verschmelzung von Wörtern z.T. aufgrund partieller Homonymie und auch unter Ausnützung der Silben- bzw. Morphemgrenzen, wird [...] häufig auch im alltäglichen Sprachgebrauch spielerisch verwendet. [...] zitierte Beispiel [...] aus dieser Kategorie ist „Demokratur“ und aus dem Solo „Demokratie und Diktatur“ von Karl Farkas.“ (Dieter W. Halwachs)
[Bearbeiten] Siehe auch
Scheindemokratie, Demokratiedefizit, Polemik, Rhetorik
[Bearbeiten] Literatur
- Schwagerl, H. Joachim (1993): Rechtsextremes Denken. Merkmale und Methoden, Frankfurt a. M
- ↑ Dahrendorf, Ralf; Die Krisen der Demokratie; C. H. Beck-Verlag; München, 2001; ISBN 3406487505
[Bearbeiten] Weblinks
- Politischer Extremismus als Problem demokratischer Systeme: Rechtsextremismus in Österreich, Marion Stangl, 2004/05, Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik

