Demos

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Demos (Begriffsklärung) aufgeführt.

Demos (griechisch δῆμος dēmosStaatsvolk“, im Gegensatz zu ἔθνος éthnos „Volk“, „Volkszugehörige“) ist ursprünglich als Dorfgemeinde die kleinste Verwaltungseinheit innerhalb einer antiken griechischen Polis, insbesondere des ionisch-attischen Siedlungsgebiets, aber auch in einigen dorischen Poleis. Der Begriff geht auf das Zusammensiedeln einzelner Sippen zurück, bezeichnet eine Gemeinde, gemeinhin auch das Volk. In der Regel wurde damit auch die Gesamtzahl der Vollbürger einer Polis (also die Bürger im Besitz der vollen Bürgerrechte) bezeichnet, die – beispielsweise in der attischen Demokratie – an der entsprechenden Volksversammlung teilnehmen konnten.

In der Neuzeit wird auch die Bezeichnung einer Gemeinde des heutigen Griechenland hiervon abgeleitet.

In der Soziologie wurde Demos als politisch-rechtlicher Begriff aufgegriffen.

Demos in der Antike[Bearbeiten]

In Athen gab es Demen bereits in vorkleisthenischer Zeit, doch wurden sie im Rahmen der Kleisthenischen Reformen im Jahr 508/507 v. Chr. die Grundeinheiten der neuen politischen Ordnung. Jeder Demos wurde einer der dreißig neu geschaffenen Trittyen zugeordnet und war über diese Mitglied einer der zehn attischen Phylen. Benannt wurden die Demen nach ihrem Hauptort - etwa Eleusis, das sowohl Ort und Demos als auch namensgebend für eine Trittys war -, nach Adelsfamilien, Landschaftsmerkmalen, Besonderheiten der Flora, nach angesiedeltem Handwerk oder nach Heroen.

Kleisthenes schrieb jeden freien Bewohner Athens und Attikas einem der ursprünglich 100 eingerichteten Demen zu, dessen Demot er damit wurde. Im Lauf der Zeit erhöhte sich durch Teilungen die Anzahl der Demen und umfasste zur Zeit Strabons 174 Einheiten. Die Einschreibung zu einem Demos blieb dauerhaft, wurde vererbt und konnte auch durch Umzug in einen anderen Demos nicht geändert werden. Lediglich die Adoption führte zu einem Wechsel der Demoszugehörigkeit, was durch die Vererbbarkeit der Zuweisung bedingt war. Der Name des Demos wurde offizieller Bestandteil des Namens eines Bewohners, ausgedrückt durch das Demotikon, etwa Panaitios aus dem Demos Hamaxanteia.

Wurde Fremden das athenische Bürgerrecht verliehen, hatten sie sich in einem Demos ihrer Wahl einzuschreiben. Über ihre Aufnahme in diesem Demos wurde dann durch Abstimmung der Demoten entschieden. Eine Ablehnung konnte vor der allgemeinen Volksversammlung angefochten und neu entschieden werden. Gleiches galt für die Aufnahme volljähriger Söhne der Demoten. Wenn sie aufgenommen wurden, trug man sie in die entsprechende Bürgerliste des Demos ein. Einwohner fremder Demen wurden in gesonderten Listen geführt. Gleiches galt für Metoiken, bürgerrechtslose Fremde, die in Athen lebten. Wichtig waren diese Bürgerlisten der Demen für die Verteilung des Steueraufkommens, für die Aushebung der Demoten im Kriegsfall sowie die Beteiligung und Festlegung von Beiträgen zu Staatsfesten.

Für den Rat der Fünfhundert in Athen, die Bule, entsandte jeder Demos eine festgelegte und von seiner Größe abhängige Anzahl von Vertretern, die durch Los aus den Mitgliedern eines Demos bestimmt wurde. Je nach Größe konnte dies nur ein Vertreter sein, bei großen Demen aber auch bis zu 22 betragen, etwa in Acharnes, dem größten attischen Demos. Eine Vorstellung von der Proportionalität mag der Demos Halimus geben, der bei etwa 73 bis 90 Demoten drei Vertreter in die Bule entsandte. Die Mitglieder eines Demos versammelten sich regelmäßig oder außerordentlich. Jeder Demos hatte einen Demarchos als Vorsteher, daneben aber auch Verwalter, Rechenschaftsbeamte, Schreiber, Herolde sowie Priester und Priesterinnen für die lokalen demotischen Kulte und Heiligtümer.

Von zahlreichen anderen Orten sind die Namen von Demen überliefert, zumeist ist ihre Einbindung in das politische Gefüge der jeweiligen Polis jedoch unklar. Beispiele finden sich für Milet, für Naxos, für Lindos und andere Orte auf Rhodos, aber auch für Orte des griechischen Festlandes wie Mantineia, Tegea, Patrai und andere.

Heutiges Griechenland[Bearbeiten]

Das neugriechische Wort dimos (δήμος, Mehrzahl dimi δήμοι) hat in der neugriechischen Sprache seine Bedeutung als „Gemeinde“ bewahrt, in der Politischen Gliederung Griechenlands ist der Dimos die kommunale Verwaltungseinheit. Die Größe eines modernen Dimos schwankt zwischen mehreren Hunderttausend Einwohnern bei Gemeinden im Großraum Athen und wenigen Hundert in ländlichen Gegenden und auf Inseln.

Der Demos-Begriff in der Soziologie[Bearbeiten]

In Abgrenzung zum ethnischen Volksbegriff Ethnos beschreibt Demos einen politischen und rechtlichen Begriff von Volk. Volk wird hier verstanden als ein soziales und politisches Gebilde, das Legitimation für das soziale Handeln allein aus den Willensbekundungen der Gemeinschaft bezieht. Der Begriff geht hier vor allem auf die „soziologischen Beiträge zur Volkstheorie“ des Soziologen Emerich K. Francis (1906–1994) zurück und wird vor allem zur Definition neuer Konzepte von Ethnizität u. a. von Friedrich Heckmann[1] aufgegriffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. auch Friedrich Heckmann: Nationalstaat, multikulturelle Gesellschaft und ethnische Minderheitenpolitik. In: Multikulturelle Gesellschaft. Der Weg zwischen Ausgrenzung und Vereinnahmung? Eine Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 9. und 10. Dezember 1991 in Bonn. Hrsg. vom Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Arbeits- und Sozialforschung. Bonn 1992, ISBN 3-86077-048-9 (Electronic edition: FES Library, Bonn 2001), S. 41–51.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Athenische Demen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Antike

Soziologie

  • Emerich K. Francis: Ethnos und Demos. Berlin 1965.
  • Friedrich Heckmann: Ethnos, Demos und Nation, oder: Woher stammt die Intoleranz des Nationalstaats gegenüber ethnischen Minderheiten? In: Uli Bielefeld (Hrsg.): Das Eigene und das Fremde. Neuer Rassismus in der alten Welt? Hamburg 1991.
  • M. Rainer Lepsius: „Ethnos“ und „Demos“. Zur Anwendung zweier Kategorien von Emerich Francis auf das nationale Selbstverständnis der Bundesrepublik und auf die Europäische Einigung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1986.