Dene-Kaukasisch

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Dene-Kaukasisch bezeichnet eine hypothetische Makrofamilie von Sprachen Eurasiens und Nordamerikas. Wesentliche Mitglieder sind das Sinotibetische, die nordkaukasischen Sprachen und das Baskische. Später wurden auch die nordamerikanischen Na-Dene-Sprachen mit einbezogen.

  • Die dene-kaukasische Makrofamilie ist rotbraun eingezeichnet

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Zusammensetzung des Dene-Kaukasischen unterliegt je nach Autor einigen Schwankungen. Die folgende Aufstellung gibt die heutige Mehrheitsmeinung der "Dene-Kaukasisten" wieder. Die Komponenten werden von West nach Ost angeordnet.

Von einigen Vertretern dieser Strukturierung werden auch die ausgestorbenen Sprachen Hattisch und Sumerisch, sowie das in Zentralindien von etwa 5.000 Menschen gesprochene Nahali hinzugerechnet. Nordkaukasisch stellt für die meisten Dene-Kaukasisten eine genetische Einheit dar (vgl. dagegen die Mehrheitsmeinung im Artikel Kaukasische Sprachen).

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die dene-kaukasische Makrofamilie basiert auf der sino-kaukasischen Makrofamilie, die Sergej Starostin 1984 begründete. Dabei ging er von einer genetischen Beziehung des – als Einheit aufgefassten – Nordkaukasischen mit dem sibirischen Jenisseischen und dem Sinotibetischen aus, die auf seinen Rekonstruktionen der jeweiligen Protosprachen beruht. Später wurde diese Makrofamilie um einige altorientalische Komponenten (Hurritisch-Urartäisch, Hattisch, Sumerisch u.a.), das Baskische (1985) und schließlich durch Sergei L. Nikolayev 1988 um die nordamerikanischen Na-Dené-Sprachen zur dene-kaukasischen Makrofamilie erweitert. In den 1920er Jahren hatte bereits der Amerikanist Edward Sapir die Verwandtschaft des Na-Dené mit dem Sinotibetischen beschrieben, aber nicht veröffentlicht.

Verbreitung der Na-Dené-Sprachen

Akzeptanz[Bearbeiten]

Da bereits die sinotibetische Protosprache wahrscheinlich ein Alter von 10.000 Jahren aufweist, müsste eine dene-kaukasische Protosprache mindestens 20.000 Jahre alt sein, bei ihrer extrem weiten geographischen Verbreitung wahrscheinlich noch älter. Von der Mehrheit der Linguisten wird bezweifelt, dass sich nach so langer Zeit noch substantielle Gemeinsamkeiten der Phonetik, Grammatik und des Wortschatzes nachweisen lassen. Die Ergebnisse der Dene-Kaukasisten werden deswegen von der Mehrheit der historischen Sprachwissenschaft nicht akzeptiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Fachzeitschrift Mother Tongue behandelt regelmäßig dene-kaukasische Themen. Besonders wichtig sind die Beiträge in den Ausgaben I - V (1995-1999).
  • S. A. Starostin: Gipoteza o genetičeskij svjazjax sinotibetskix jazykov s enisejskimi i severnokavkazskimi jazykami. Moskau 1984.
  • Vitaly Shevoroshkin (Hrsg.): Dene-Sino-Caucasian Languages. Brockmeyer, Bochum 1991.
    (Enthält die englische Übersetzung von Starostins russischem Originalartikel über das Sino-Kaukasische von 1984 und den Artikel Sino-Caucasian Languages in America von Sergej Nikolajev, in dem die Na-Dené-Sprachen dem Sino-Kaukasischen hinzugefügt werden.)
  • Vitaly Shevoroshkin and Alexis Manaster Ramer: Some Recent Work in the Remote Relations of Languages. In: Sydney M. Lamb and E. Douglas Mitchell (Hrsg.): Sprung from Some Common Source. Investigations into the Prehistory of Languages. Stanford University Press, Stanford (Calif.) 1991.