Denis Mukwege

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Denis Mukwege (2009)

Denis Mukwege (* 1. März 1955 in Bukavu, Sud-Kivu, Demokratische Republik Kongo) ist ein kongolesischer Gynäkologe, Gründer und leitender Chirurg des Panzi-Hospitals in Bukavu. Er erhielt den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen 2008 sowie den Right Livelihood Award 2013.

Leben[Bearbeiten]

Denis Mukwege wurde am 1. März 1955 in Bukavu als Sohn eines Pastors der schwedischen Mission der Pfingstgemeinde geboren. Erste Kontakte zu Kranken hatte er, als er seinen Vater bei dessen Besuchen begleitete.

Mukwege studierte in Burundi Medizin. Während seiner Zeit im christlichen Krankenhaus von Lemera in Südkivu erkannte er die gesundheitlichen Probleme der gebärenden Mütter im ländlichen Raum. Er beschloss, Gynäkologie und Geburtshilfe in Angers in Frankreich zu studieren. 1989 ließ er sich in Lemera nieder, um eine gynäkologische Station zu eröffnen. Die Station ist über die Landesgrenzen bekannt geworden, wurde aber während des Bürgerkriegs 1996 zerstört. Als Überlebender von Lemera zog er nach Bukavu um. Er erkannte die Not der Frauen im Süden der Stadt und gründete in Zusammenarbeit mit UNICEF eine Entbindungsstation. Schon kurz nach der Einweihung 1999 stellte Mukwege eine hohe und weiter steigende Zahl von Frauen fest, die Opfer sexueller Kriegsgewalt waren. Seit dem Genozid in Ruanda wird in der Region Verstümmelung und Vergewaltigung systematisch als Kriegswaffe eingesetzt.[1] Er richtete seine Station auf die spezielle Behandlung dieser Frauen ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Unterstützung von AIDS-kranken Frauen. Zurzeit kommen täglich ca. zehn Frauen, die im Genitalbereich durch äußere Gewalt verletzt sind, wobei 30 % größere medizinische Behandlungen brauchen. Er arbeitet mit internationalen Experten des Fistula Hospital in Addis Abeba zur Wiederherstellung des genitalen Bereichs zusammen. Auch das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) unterstützt Mukwege mit Geld und Arzneimitteln.[2]

Für seine Arbeit erhielt er 2008 den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen sowie den Olof-Palme-Preis.[3]

Trotz zahlreicher Drohungen hielt er im September 2012 eine Rede vor den Vereinten Nationen über die Verbrechen im Kongo und Ruanda, hierbei insbesondere über Massenvergewaltigungen.[4] Er berichtete über die schweren, andauernden Folgen für die Opfer und prangerte die Straflosigkeit der Täter an. Dabei kritisierte er Ruanda wegen seiner Beteiligung am Konflikt in seiner Heimat. Die Vereinten Nationen hatten Ruanda vorgeworfen, die M23-Rebellengruppe finanziell und logistisch zu unterstützen. Mukwege bekundete, dass die Regierung des Kongos sich mitverantwortlich an den Massenvergewaltigungen gemacht habe, und forderte ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft.

Am 25. Oktober 2012, gut einen Monat nach seiner Rückkehr aus New York, versuchten Unbekannte, ihn zu ermorden. Schwer bewaffnete Männer drangen in sein Haus ein. Mukwege kam nur knapp mit dem Leben davon, da einer seiner langjährigen Mitarbeiter, Joseph Bizimana, die Mörder ablenkte und dabei selbst von ihnen erschossen wurde.[5][6][7]

Am 26. Oktober 2012 missbilligte Ban Ki-moon als Generalsekretär der Vereinten Nationen den Angriff auf Mukwege aufs Schärfste.[8] Aus Sicherheitsgründen verbrachte er mit seiner Familie die folgenden Monate in Belgien. Im Januar 2013 kehrte er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Kivus zurück, um unter verschärfter Bewachung seine Arbeit im Panzi-Hospital fortzusetzen.[9]

Im September 2013 wurde Denis Mukwege für seine Verdienste um die Menschenrechte mit dem „Alternativen Nobelpreis“ 2013 (offiziell: Right Livelihood Awards) geehrt:

„… für seine langjährige Arbeit, Frauen, die sexuelle Kriegsgewalt überlebt haben, zu heilen, und für seinen Mut, die Ursachen und Verantwortlichen zu benennen.“

– Begründung der Jury[10]

Denis Mukwege ist mit Madeleine Kaboyi Mapendo verheiratet und hat fünf Kinder.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

  • Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen, 2008.
  • Olof-Palme-Preis, 2008.
  • African of the Year, Januar 2009, verliehen durch die nigerianische Zeitung Daily Trust.[11]
  • Verdienstorden der Ehrenlegion, November 2009, verliehen von der französischen Regierung in der Botschaft in Kinshasa.
  • Van Heuven Goedhart-Award, Juni 2010, von der niederländischen Stichting Vluchteling (Flüchtlings-Stiftung).[12][13]
  • Wallenberg Medaille, Oktober 2010 verliehen von der Stiftung Wallenberg Endowment der University of Michigan.[14]
  • König-Baudouin-Preis für Entwicklung in Afrika 2010-2011, Mai 2011 in Brüssel.[15]
  • Clinton Global Citizen Award für Führung in der Zivilgesellschaft, September 2011 in New York.[16][17]
  • Deutscher Medienpreis, Februar 2012 in Baden-Baden, für seine Arbeit „einem Konflikt, in dem Massenvergewaltigung zu einer zynischen Zerstörungs- und Vertreibungsstrategie geworden ist“, die Laudatio hielt der frühere Bundespräsident Roman Herzog.[18]
  • Right Livelihood Award, 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Colette Braeckman: L’Homme qui répare les femmes. Violences sexuelles au Congo. Le combat du Dr Mukwege. André Versaille éditeur, 2012. ISBN 978-2-87495-194-7
  • Birger Thureson: Die Hoffnung kehrt zurück. Der Arzt Denis Mukwege und sein Kampf gegen sexuelle Gewalt im Kongo. (Originaltitel: De glömda kvinnornas röst) Übersetzung aus dem Schwedischen von Michael Josupeit, herausgegeben vom Deutschen Institut für Ärztliche Mission e. V., Brandes & Apsel, 2013. ISBN 978-3-95558-001-8
  • Denis Mukwege, in: Internationales Biographisches Archiv 44/2013 vom 29. Oktober 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Denis Mukwege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jonathan Zilberg: Mass Rape as a Weapon of War in the Eastern DRC, in: Toyin Falola, Hetty ter Haar (Hrsg.): Narrating War and Peace in Africa (Rochester Studies in African History and the Diaspora, Book 47), University of Rochester Press 2010, ISBN 978-1-58046-330-0, S. 113 - 141
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDifäm: Projektpartner Dr. Denis Mukwege erhält den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen. Entwicklungspolitik Online, 10. Dezember 2008, abgerufen am 1. Januar 2009.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format2008 - Dr Denis Mukwege. Olof Palme Gedächtnisfond, 13. Februar 2008, abgerufen am 1. Juli 2011.
  4. Discours aux Nations Unies 25/9/2012 - Dr. Denis Mukwege (PDF; 119 kB), abgerufen am 27. September 2012 (französisch).
  5. Alternativer Nobelpreis 2013, Kongolesischer Gynäkologe ausgezeichnet, Biermann Medizin, 27. September 2013, abgerufen am 27. September 2013
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDenis Mukwege: DR Congo anti-rape doctor attacked. 26. Oktober 2012, abgerufen am 4. November 2012.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEin Arzt im Fadenkreuz: Attentat in Bukavu auf Doktor Denis Mukwege. 27. Oktober 2012, abgerufen am 4. November 2012.
  8. UN chief condemns attack on home of renowned doctor in eastern DR Congo, UN 26. Oktober 2012
  9. Doctor Returns to Congo and Is Hailed as a Hero, The New York Times, 14. Januar 2013
  10. Pressemitteilung Right-Livelihood-Stiftung, Stockholm den 26. September 2013, abgerufen am 28. September 2013 (PDF, 630 kB)
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNigeria: Daily Trust Award Winner Survives Assassination Bid. 1. November 2012, abgerufen am 4. November 2012.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStichting Vluchteling. Abgerufen am 4. November 2012.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDr Denis Mukwege winner of the van Heuven Goedhart Award. Juli 2010, abgerufen am 4. November 2012 (PDF; 621 kB).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWallenberg Medal (Englisch). Abgerufen am 4. November 2012.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKönig-Baudouin-Preis für Entwicklung in Afrika. Abgerufen am 4. November 2012.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Clinton Global Citizen Award. Abgerufen am 4. November 2012.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatClinton Global Citizen Award to Dr Denis Mukwege. 27. September 2011, abgerufen am 4. November 2012.
  18. Deutscher Medienpreis 2011, abgerufen am 26. September 2013