Denner (Unternehmen)

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Denner AG
thumb offizielles Denner Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1969
Sitz Zürich, Schweiz

Leitung

Mitarbeiter 3'720 (31. Dezember 2012)
Umsatz 2,844 Mrd. CHF (2012)
Branche Detailhandel
Website www.denner.ch

Denner ist – nach Migros und Coop – das drittgrösste Schweizer Unternehmen im Lebensmittel-Detailhandel. Die Denner AG befindet sich seit Anfang 2007 mehrheitlich und seit Ende 2009 vollständig im Besitz des Migros-Genossenschafts-Bunds. CEO ist Mario Irminger.

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Denner ist ein typischer Discounter mit einem Sortiment von rund 1900 Artikeln des täglichen Bedarfs. 75 Prozent davon sind Markenartikel, 25 Prozent werden unter der Eigenmarke «Denner» angeboten. Ergänzt wird das Sortiment durch zeitlich begrenzt angebotene Aktionsware.

Der führende Schweizer Discounter ist gemessen an der Anzahl Filialen (788 Ende 2012) der zweitgrösste Detailhändler der Schweiz; hinter Coop ist Denner der zweitgrösste Weinhändler der Schweiz. Seit Anfang 2006 bietet Denner auch wieder Reisen an, seit April 2008 in enger Zusammenarbeit mit Hotelplan.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Denner-Filiale in Bellach

Zur Denner AG gehörten Ende 2012 468 eigene Supermärkte in der ganzen Schweiz sowie 320 unabhängige Detaillisten, die vom Unternehmen beliefert werden und unter dem Namen «Denner-Satellit» am Markt auftreten.[1] Ende 2012 beschäftigte Denner insgesamt rund 3700 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug im Jahr 2012 2,84 Milliarden Schweizer Franken, was einer Steigerung von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. 2012 verzeichnete Denner 2,5  Prozent mehr Kaufvorgänge als im Vorjahr.[1] Zahlen zum Gewinn veröffentlicht Denner nicht.

Der Anteil von Denner am Schweizer Lebensmittelmarkt beträgt 7 Prozent (Food).

Geschichte[Bearbeiten]

Heinrich Reiff gründete 1860 in Zollikon bei Zürich die Firma «Reiff-Schwarz, Mercerie und Spezereihandel». Im Jahr 1881 wurde der Schwiegersohn Cäsar Denner (1846-1914) Teilhaber, welcher das Geschäft in «Consumgesellschaft Denner & Co.» umbenannte. Nach dem Tod von Cäsar Denner 1914 übernahm sein Sohn Hans Denner die Geschäftsleitung. 1935 wandelte Hans Denner das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Die «Import- und Grosshandels AG» (IGA), an der Karl Schweri beteiligt war, übernahm 1946 die «Consumgesellschaft Denner und Co. AG» und drei weitere Detailhandelsunternehmen. Nach einem fünfjährigen Machtkampf erlangte Karl Schweri die Aktienmehrheit an der IGA. Zeit seines Lebens kämpfte er gegen Kartelle und vorgeschriebene Endverkaufspreise von Markenartikeln, Bier, Spirituosen und Tabakwaren. Einige Rechtsstreitigkeiten, wie der Kampf gegen das Schweizer Tabakkartell, dauerten über zwei Jahrzehnte. Schweri lancierte auch mehrere Volksinitiativen. Nachdem das System der gebundenen Endverkaufspreise unter anderem auch für Lebensmittel 1967 gefallen war (die Preisbindung der «zweiten Hand» im Schweizer Detailhandel wurde aufgehoben), eröffnete die IGA in Zürich den ersten Lebensmitteldiscountladen; zusätzliche Filialen folgten. Die IGA brachte 1968 das Spirituosenkartell zu Fall. Mit einem Referendum gegen ein neues Tabaksteuergesetz begann ein jahrelanger Kampf gegen das Tabakkartell.

Die IGA wurde 1969 in Denner umbenannt. Schweri wurde Alleininhaber der Aktiengesellschaft. Acht Jahre später wurde der erste «Denner-Satellit» eröffnet. «Denner-Satelliten» sind Läden von selbständigen Detaillisten, die unter anderem das Denner-Sortiment führen. 1979 begann eine starke Expansion und der Einstieg in das Reisegeschäft mit «Pronto-Reisen», 1980 wurden Filialen und Drogerien von Merkur und 1984 die Spielwarenkette Franz Carl Weber übernommen.

Denner weigerte sich 1981, die Bierpreise zu erhöhen; es kam zu einem Prozess gegen das Bierkartell, welchen er 1993 gewann. Zwei Jahre später verlor Denner vor dem Schweizerischen Bundesgericht den Tabakprozess; Denner musste die Mindestpreise des Tabakkartells einhalten, strengte aber einen zweiten Prozess an. Im zweiten Prozess 1996 gegen das Tabakkartell vor dem Schweizerischen Bundesgericht ging Denner als Sieger hervor.

In Zürich 1988 öffnete der erste «Denner Optik-Discount», welcher 1996 wieder verkauft wurde. Das Unternehmen setzte 1993 auf eine neue Harddiscount-Strategie, es wurden fast keine Markenartikel mehr angeboten, dafür viele neue Eigenmarken, es folgte eine Straffung des Sortiments, mit Umsatzeinbussen auch in den nächsten Jahren. 1994 übernahm Denner die Einzelhandelskette Waro, welche 2002 an Coop verkauft wurde.

1998 übernahm Denner von der Coop-Gruppe 49 von 60 «Billi»-Discountläden. Philippe Gaydoul, Schweris 26-jähriger Enkel, wurde Geschäftsleiter der Denner AG. Zwei Jahre später änderte Denner die Strategie und verkaufte wieder vermehrt Markenartikel. Der Konzern wurde neu organisiert: die strategische Leitung von Denner, Waro und Franz Carl Weber lag ab diesem Zeitpunkt bei der Rast Holding. Philippe Gaydoul übernahm Ende 2000 auch das Amt des Holding-Präsidenten von seinem Grossvater Karl Schweri nach dessen Tod. Jedoch löste Mario Bonorand 2002 Philippe Gaydoul als Präsident der Rast Holding ab, Gaydoul blieb aber Geschäftsleiter der Denner AG.

Das Erscheinungsbild der mehr als 300 Denner-Filialen wurde 2003 unter dem Motto «New Denner» erneuert. Das Sortiment wurde mit einem Angebot an Frischfleisch erweitert. 2005 wurden Obst und Gemüse in das Sortiment aufgenommen, und 2008 wurde das Sortiment mit Nahrungsmittelprodukten für gesundheitsbewusste Konsumenten («MaVita») ergänzt. Zudem übernahm Denner im Jahr 2005 für 56 Millionen Franken den ehemaligen Konkurrenten Pick Pay von Rewe Schweiz. Die Marke «Pick Pay» wurde aufgegeben und die Standorte der übernommenen 146 Filialen sukzessive bereinigt. Die verbliebenen Filialen wurden unter dem Namen «Denner» weitergeführt. Aus «Pick Pay Reisen» wurde per Anfang 2006 «Denner-Reisen». Die neun im Jahr 2006 verbliebenen Filialen von Franz Carl Weber wurden an die französische Ludendo verkauft. Mit der Eröffnung der ersten «D-Vino»-Weinbar stieg Denner, welche 2009 diese an die D-Vino Weinbars AG verkaufte, in Zürich (Ende November) in die Gastronomie ein.

Am 12. Januar 2007 gab der Migros-Genossenschafts-Bund die 70-Prozent-Übernahme des Denner-Aktienkapitals bekannt. Die Denner AG blieb eine autonom geführte Geschäftseinheit und wurde vom bisherigen CEO Philippe Gaydoul weitergeführt. Die Wettbewerbskommission genehmigte die Übernahme am 3. September mit Auflagen für sieben Jahre.[2][3] Ende 2007 lancierte Denner «Primess», ein Angebot an Eigenmarken im Premium-Segment. 2008 wurde eine Partnerschaft zwischen «Denner-Reisen» und Hotelplan gestartet. Die Wettbewerbskommission hiess 2009 eine Klage von Denner aus dem Jahr 2005 gut: Um Preisabsprachen zu umgehen, darf Denner die Produkte der GABA-Gruppe (Elmex u.a.) dort beschaffen, wo sie am günstigsten sind.[4] Per Ende 2009 ging der Besitzanteil der Gaydoul Holding (30 Prozent) an die Migros über, sie ist nun zu 100 Prozent Eigentümerin von Denner. Ebenfalls per Ende Jahr übergab Philippe Gaydoul die operative Führung der Denner AG an Peter Bamert. Bamert war zuvor während elf Jahren Unternehmensleiter von Ex Libris. Denner ist der zweitgrösste Weinhändler in der Schweiz. Um sich in diesem Segment noch stärker zu positionieren, lancierte Denner im Mai 2010 den Denner Wineshop, einen Online-Vertriebskanal für alle Weine aus dem Denner-Sortiment.

Im Dezember 2010 nahm Denner Kaffeekapseln ins Sortiment auf, die zu den marktführenden Nespresso-Maschinen kompatibel sind. Seither wurde vor Gericht gestritten: Nespresso erwirkte im Januar 2011 ein Verkaufsverbot, das im März 2011 aufgehoben wurde, im Juni 2011 erneut in Kraft trat und Ende August 2011 wiederum – «vorübergehend» – aufgehoben wurde.[5] Der Rechtsstreit ist noch nicht entschieden. Ende Januar 2011, nach einem Jahr an der Spitze von Denner, musste Gaydoul-Nachfolger Bamert abtreten.[6] Finanzchef Mario Irminger wurde neuer CEO. Um sich gegenüber der direkten Konkurrenz klarer zu positionieren, will Denner die Eigenmarken überarbeiten und das Weingeschäft ausbauen.[7]

Im März 2012 trat Philippe Gaydoul als Verwaltungsratspräsident zurück. Als Nachfolger wurde Oswald Kessler bestimmt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Denner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Medienmitteilung vom 15. Januar 2013
  2. Weko macht Auflagen zum Zusammenschluss Migros/Denner, admin.ch, 4. September 2007
  3. Denner definitiv unter Migros’ Fittichen und Die Auflagen zur Dennerübernahme im Detail, NZZ Online, 4. September 2007
  4. Medienmitteilung vom 8. Dezember 2009
  5. Denner erringt Etappensieg im Kapselstreit, NZZ Online, 29. August 2011
  6. Denner-Chef Bamert geht nach nur einem Jahr in: Tages-Anzeiger vom 27. Januar 2011
  7. Denner plant zahlreiche neue Filialen, tagesschau.sf.tv, 9. Oktober 2011