Dennis Hastert

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Dennis Hastert

John Dennis Hastert (* 2. Januar 1942 in Aurora, Illinois) ist ein US-amerikanischer Politiker. Er gehörte dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von 1987 bis 2007 als republikanischer Abgeordneter für den 14. Kongresswahlbezirk des Bundesstaates Illinois an. Von 1999 bis 2006 war er Sprecher des Repräsentantenhauses.

Biographie[Bearbeiten]

Hastert studierte Erziehungswissenschaften an der Northern Illinois University, nach dem Examen war er als Lehrer in Yorkville tätig. Als Trainer der Ringer seiner Schule führte er seine Mannschaft 1976 zur Landesmeisterschaft von Illinois. Von 1980 bis 1986 gehörte er für drei Wahlperioden dem Repräsentantenhaus von Illinois an. Er war in dieser Zeit als ranghöchster Republikaner Mitglied des Haushaltsausschusses.

Als 1986 der Sitz im 14. Kongressdistrikt von Illinois frei wurde, kandidierte Hastert. Bei dieser ersten Wahl gewann er mit 52 % der Stimmen nur knapp, obwohl dieser Wahlkreis seit 1903 eine feste Hochburg der Republikaner war. Hiernach wurde er meist mit um die 70 % der Wählerstimmen wiedergewählt.

Sein Aufstieg zum Speaker im Repräsentantenhaus kam eher unerwartet, da er, trotz seines Amtes als stellvertretender Fraktionssprecher der Republikaner, als unauffällig galt. Allerdings waren seine aussichtsreichsten Mitbewerber zu umstritten, wie Tom DeLay, oder standen wegen Eheskandalen nicht mehr zur Verfügung, wie Bob Livingston. Bei den Kongresswahlen im November 2006 kandidierte Hastert erneut für seinen Wahlbezirk und konnte sich gegen den Kandidaten der Demokraten, John Laesch, mit knapp 60 % der Wählerstimmen durchsetzen. Inwieweit sich seine angebliche Verwicklung in den Skandal um Mark Foley auf das Wahlergebnis auswirkte, ist unklar.

Die Kongresswahlen 2006 führten auch zu einer Mehrheit für die Demokraten im Repräsentantenhaus. In seiner ersten Sitzung am 4. Januar 2007 wählte das 110. Repräsentantenhaus die Demokratin Nancy Pelosi zum neuen Speaker und somit zur Nachfolgerin von Hastert in diesem Amt. Während der folgenden Sitzungsperiode legte er sein Mandat am 26. November 2007 nieder und schied somit aus dem Kongress aus. Die Nachwahl gewann der Demokrat Bill Foster gegen Jim Oberweis.

Er erhielt 2010 den japanischen Orden der Aufgehenden Sonne 1. Klasse.[1]

Politische Standpunkte und Konflikte[Bearbeiten]

Türkei[Bearbeiten]

Dennis Hastert in seiner Funktion als Speaker

Hastert gilt als Parteigänger türkischer Interessen. Umstritten ist, warum er Ende 2000 eine Abstimmung über eine Resolution zum Völkermord an den Armeniern verhinderte. Nach eigener Aussage geschah dies ausschließlich auf Bitten Präsident Bill Clintons. Allerdings verhinderte er im Jahre 2004 erneut eine Resolution zu diesem Thema.

Dazu äußerte sich auch Sibel Edmonds in einem Interview mit der Zeitschrift Vanity Fair. Sibel Edmonds war als Übersetzerin abgehörter Ferngespräche in die Türkei und den nahen Osten tätig, bis ihr wegen ihrer Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen vor dem 11. September 2001 gekündigt wurde. Sie behauptete, in Gesprächen, die ihr zur Übersetzung vorlagen, sei Hastert von Türken als bestechlich bezeichnet worden. Ein Sprecher Hasterts bezeichnete dies als Unfug.

George Soros[Bearbeiten]

Im Spätsommer 2004 gab Hastert mehrere Radiointerviews, durch die sich der Investor und Philanthrop George Soros beleidigt fühlte. Er reichte offizielle Beschwerde beim Repräsentantenhaus ein, weil Hastert ihm unterstellt habe, sein Vermögen durch Drogengeschäfte gemehrt zu haben.

Sturmschäden in New Orleans und Planierraupen[Bearbeiten]

Hastert wurde heftig kritisiert, als er am 1. September die Einschätzung, Wiederaufbauhilfe für das flutzerstörte New Orleans sei sinnlos, es sehe so aus, als müsse der größte Teile der Stadt planiert werden, verkündete. Auf seiner Website wird erläutert, es sei ihm nicht darum gegangen, die Stadt umzusiedeln oder veröden zu lassen. Vielmehr sei die Sicherheit der Bewohner wichtiger als der Wiederaufbau am alten Standort. Hastert wurde von der Fraktionschefin der Demokraten, Nancy Pelosi, kritisiert, weil er sich angeblich noch bis zum 31. August geweigert habe, Anträge auf Sondermittel für New Orleans zur Abstimmung zuzulassen.

Skandal um Mark Foley[Bearbeiten]

Im September 2006 wurde öffentlich, dass Hasterts Büro bereits seit über einem Jahr über anzügliche E-Mails informiert war, die der republikanische Abgeordnete Mark Foley an minderjährige Praktikanten des US-Kongresses verschickt hatte. Die Verantwortlichen des Praktikantenprogramms wiesen Foley an, derartiges in Zukunft zu unterlassen. Darüber hinaus wurde jedoch nichts unternommen.

Kirk Fordham, ein früherer Mitarbeiter Foleys, erklärte, er habe Hasterts Büro bereits vor drei Jahren über entsprechende Probleme informiert. Hastert selbst behauptet, erst kürzlich über die Geschehnisse informiert worden zu sein.

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gov't grants decorations to 4,083, including 62 foreigners. In: Japan Today. 29. April 2010, abgerufen am 24. November 2010 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dennis Hastert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien