Dentist

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Dentist ([dɛnˈtist], von lat. dens „Zahn“) war eine in Deutschland bis 1952 neben den Zahnärzten existierende Berufsbezeichnung für Zahnheilkundige ohne akademische Ausbildung. Es handelte sich um Zahntechniker, welche nach erfolgreichem Besuch einer Dentistenschule Patienten behandeln durften. In vielen anderen Ländern/Sprachen ist es die Bezeichnung für einen Zahnarzt mit akademischer Ausbildung (dentist). In Deutschland wird die Bezeichnung als abfällige Titulierung gebraucht. [1] [2]

Geschichte der Dentisten in Deutschland[Bearbeiten]

1910 umfasste die Ausbildung zum Dentisten in Deutschland mindestens sechs Jahre. Davon waren drei Jahre bei einem Dentisten zu absolvieren, ein Jahr Ausbildung in Prothetik, vorwiegend bei einem Zahnarzt. Anschließend erfolgte eine viersemestrige Ausbildung an einem Lehrinstitut für Dentisten mit abschließender Prüfung. Ausbildungsbefugt an den Lehrinstituten für Dentisten waren approbierte Medizinalpersonen.

1920 wurde die dentistische Ausbildung staatlich anerkannt. Nach Abschluss der dentistischen Staatsprüfung waren die Absolventen „Staatlich geprüfte Dentisten“. Sie erhielten keine Approbation.

1949 fand in der sowjetischen Besatzungszone der Dualismus zwischen Dentisten und Zahnärzten ein Ende (Leipziger Abkommen). Rechtsgrundlage war die „Anordnung über die Approbation der Zahnärzte vom 2. März 1949“, welche von der Hauptverwaltung Gesundheitswesen der deutschen Wirtschaftskommission erlassen wurde. Die Anordnung sah vor, dass Dentisten nach einer entsprechenden Ausbildungszeit, die sich nach der Dauer ihrer Praxistätigkeit richtete, in die Zahnärzteschaft übernommen bzw. auf ein verkürztes Universitätsstudium vorbereitet werden.

1952 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Dentistenausbildung beendet und Elemente der dentistischen Ausbildung in die universitäre zahnmedizinische Ausbildung einbezogen. Entscheidend war daran Erich Müller beteiligt. Mit dem Zahnheilkundegesetz (ZHG) [3] vom 31. März 1952 wurde die Kurierfreiheit endgültig abgeschafft und auch der Dualismus mit dem Dentistenstand durch das „Bonner Abkommen“ (auch als „Allensbacher Abkommen“ bezeichnet) beendet. Bis Ende 1953 erbrachten die 15.000 damals tätigen deutschen Dentisten durch einen 60-stündigen Fortbildungskurs den entsprechenden Qualifikationsnachweis und erhielten daraufhin die Bestallung als Zahnarzt. Über Jahrzehnte bemühten sich die akademisch ausgebildeten approbierten Zahnärzte von den Dentisten durch den Erwerb eines Doktortitels (Dr. med. dent.) zu unterscheiden. In der Ära der durch die Kurzausbildung zu Zahnärzten mutierten Dentisten erschufen die Ärzte die Bezeichnung „Schmalspurmediziner“ für diese Berufsgruppe. Ihnen war die Promotion mangels akademischen Studiums verwehrt.

Das ZHG regelte in § 8 die Approbation als Zahnarzt für Dentisten und in § 9 und § 10 für Dentistenassistenten und Anwärter. Der Crashkurs fand in den Fächern Mund- und Kieferkrankheiten einschließlich der zahnärztliche Chirurgie in 40 Stunden und in Arzneimittellehre einschließlich Arzneiverordnungslehre in 20 Stunden an einem Lehrinstitut für Dentisten statt. Dentistenassistenten konnten die Approbation erhalten, wenn sie bis zum 1. April 1954 die Dentistenprüfung ablegten und die obigen Kurse besuchten. Anwärter mussten zusätzlich eine Prüfung ablegen. Die Approbation wurde erst nach Vollendung des 25. Lebensjahres erteilt und Approbationsanträge von den oben genannten konnten nur bis zum 27. Januar 1980 gestellt werden. [4]

Dentisten in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es dreierlei Arten von Zahnärzten:

  • Fachärzte für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die nach einem vollständigen Allgemeinmedizinstudium eine entsprechende Facharztausbildung absolvieren mussten. Im Rahmen der EU-Angleichung wurde dieser Ausbildungsgang 1998 eingestellt.
  • Zahnärzte, die ab 1998 ein Zahnmedizinstudium – ähnlich wie in Deutschland aufgebaut - absolvieren mussten.
  • Dentisten, die bis 1975 nach einer absolvierten Lehre zum Zahntechniker eine zusätzliche Spezialausbildung absolviert haben, die aus praktischen und theoretischen Inhalten bestand. Die Mitglieder dieses Berufszweigs, die einen Teil der Zahnarzttätigkeit ausüben, haben eine dreijährige nicht universitäre Ausbildung zurückgelegt und können nach Aussagen der österreichischen Regierung nicht mit Ärzten gleichgesetzt werden. Die Ausübung des Berufes des Dentisten ist durch das Dentistengesetz geregelt. Nach § 6 Absatz 1 des Dentistengesetzes war der Dentist berechtigt, seinen Beruf unter der Berufsbezeichnung „Zahnarzt“ zu führen und neben dieser Berufsbezeichnung die Ausbildungsbezeichnung „Dentist“ in Klammer anzufügen.

Österreich wurde vor dem Europäischen Gerichtshofs wegen des Dentistengesetzes verklagt und unterlag mit folgendem Richterspruch:

„Die Republik Österreich hat gegen ihre Verpflichtungen aus Artikel 1 und 19b der Richtlinie 78/686/EWG des Rates vom 25. Juli 1978 für die gegenseitige Anerkennung der Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise des Zahnarztes und für Maßnahmen zur Erleichterung der tatsächlichen Ausübung des Niederlassungsrechts und des Rechts auf freien Dienstleistungsverkehr in der Fassung der Richtlinie 2001/19/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Mai 2001 und aus Artikel 1 der Richtlinie 78/687/EWG des Rates vom 25. Juli 1978 zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Tätigkeiten des Zahnarztes in der Fassung der Richtlinie 2001/19 verstoßen, indem sie den österreichischen Dentisten in den §§ 4 Absatz 3 und 6 des Dentistengesetzes die Möglichkeit eröffnet,

  • unter der Bezeichnung „Zahnarzt“ bzw. „Zahnarzt (Dentist)“ ihre Tätigkeit auszuüben sowie
  • die Ausnahmeregelung des Artikels 19b der Richtlinie 78/686 in Anspruch zu nehmen,

obwohl sie nicht die Mindestvoraussetzungen des Artikels 1 der Richtlinie 78/687 erfüllen, um unter die Regelungen dieser Richtlinien zu fallen.“[5]

Im Jahre 2011 zählte die Österreichische Zahnärztekammer (ÖZÄK) 4.722 Mitglieder, davon 3.194 Fachärzte für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, 1.480 Zahnärzte und nur noch 48 Dentisten. [6]

Dentisten in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Bei Übersetzungen aus anderen Sprachen wie dem Englischen oder dem Französischen ist eine Fehlübersetzung möglich, da das englische Wort dentist [ˈdɛntist] oder das französische Wort dentiste [dɑ̃ˈtist] Zahnarzt bedeutet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahnforum der KZV Baden-Württemberg, Zahnlexikon
  2. dentalfresh: Der Beruf des Dentisten in der Zahnheilkunde (PDF; 309 kB)
  3. Juris Zahnheilkundegesetz (PDF; 98 kB)
  4. Karl Schuchardt Biografie ab S. 132 (PDF; 2,7 MB)
  5. Rechtssache C‑437/03 Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Republik Österreich
  6. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, ÖZÄK, Mitgliederstand