Departamento Santa Cruz

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Departement Santa Cruz (rot)
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Basisdaten
Staat Bolivien
Hauptstadt Santa Cruz de la Sierra
Fläche 370.621 km²
Einwohner 2.655.084 (Volkszählung 2012)
Dichte 7 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 BO-S
Webauftritt www.santacruz.gob.bo (spanisch)
Politik
PräfektVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges Rubén Costas

-17.333333333333-61.5Koordinaten: 17° S, 62° W

Das Departamento Santa Cruz liegt im Osten Boliviens. Es hat eine Fläche von 370.621 km² und (nach der Volkszählung 2012) 2.655.084 Einwohner. Die Hauptstadt ist Santa Cruz de la Sierra.

Geographie[Bearbeiten]

Das Departamento Santa Cruz erstreckt sich von der Cordillera Oriental am Ostrand der Anden ins flache Tiefland des Amazonasbeckens und des Gran Chaco. Santa Cruz grenzt im Osten an Brasilien und im Südosten an Paraguay. Innerhalb Boliviens grenzt Santa Cruz an das Departamento Beni im Norden, das Departamento Cochabamba im Westen und das Departamento Chuquisaca im Südwesten.

Das Klima ist tropisch mit einer Regenzeit im Sommer. Durch kalte Südwinde mit polarem Ursprung (Surazos) kann es insbesondere im Winter zu kurzzeitigen Kälteeinbrüchen kommen. Die Vegetation im Flachland reicht vom Regenwald im feuchten Norden des Departamentos bis zu Savanne im trockenen Gran Chaco.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl des Departamento Santa Cruz ist in den vergangenen sechzig Jahren auf mehr als das Zehnfache angestiegen:

  • 1950: 244.658 Einwohner
  • 1976: 710.724 Einwohner
  • 1992: 1.364.389 Einwohner (Volkszählung)[1]
  • 2001: 2.029.471 Einwohner (Volkszählung)[2]
  • 2010: 2.655.084 Einwohner (Volkszählung)[3]

Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich im Departamento Santa Cruz von den über 15-jährigen 16.95 % der Bevölkerung als Quechua, weitere 20,49 % nannten eine andere indigene Ethnie (darunter Aymara, Guaraní, Chiquitano und Mojeño). 62.56 % zählten sich zu keiner indigenen Ethnie. [4]

Eine wichtige Ursache für den raschen Bevölkerungsanstieg seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ist die teilweise staatlich geförderte Umsiedlung von Menschen aus dem kargen Hochland des Altiplano im Westen des Landes in das fruchtbare Tiefland. Im Anschluss an die Agrarreform von 1953 entstanden im Departamento de Santa Cruz so genannte Agrarkolonisationsgebiete, in denen Zuwanderer in Plandörfern, bestehend aus meist 40 Familien pro Dorf, angesiedelt wurden. Die Umsiedlungsprogramme gerieten in den 1960er Jahren aufgrund der hohen Kosten, die sie verursachten, ihres begrenzten Erfolges (Projektziele: Importsubstituierung von Agrargütern im Tiefland, Stärkung der nationalen Einheit, demographische Entlastung des Hochlandes u.a.) und der umstrittenen Arbeit der Kolonisationsbehörden (INC/INRA) bei der Vergabe von Flächen und Landtiteln in die Kritik. Dagegen stehen positive Ansätze eines interkulturellen Zusammenlebens von Hoch- und Tieflandbevölkerung (Beispiel San Julián, vgl. Literaturhinweise).

Wie in den Kolonisationsgebieten (San Julián, Yapacaní u.a.) so weist auch in der Hauptstadt Santa Cruz de la Sierra die Bevölkerung aufgrund der starken Zuwanderung eine hohe ethnische Vielfalt auf. Neben Siedlungsgebieten von Tieflandbewohnern oder Zuwanderern aus dem Hochland existieren im Departamento de Santa Cruz auch Kolonien von Mennoniten, die sich hier seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt haben. Südlich der Hauptstadt liegt die auch von Untersuchungshäftlingen bewohnte Gefangenensiedlung Palmasola, in der es 2001 wegen der menschenunwürdigen Lebensbedingungen zu Unruhen kam.

Provinzen[Bearbeiten]

Santa Cruz ist in 15 Provinzen unterteilt:

Größte Städte[Bearbeiten]

Die größte und wichtigste Stadt des Departamentos ist die Hauptstadt Santa Cruz de la Sierra.

Stadt Einwohner 2001
(Volkszählung)
Einwohner 2010
(Fortschreibung)
Santa Cruz de la Sierra 1.116.059 1.685.884
Montero 78.294 103.728
Camiri 26.505 33.705
San Ignacio de Velasco 19.401 28.799
Warnes 17.872 28.193
Cotoca 15.181 23.951
Yapacaní 14.589 23.749
El Torno 11.878 21.264

Als Touristenziel bekannt ist auch der Ort Samaipata.

Politik[Bearbeiten]

Autonomie-Referendum[Bearbeiten]

Siehe auch Bolivien/Innenpolitische Spannungen

Am 4. Mai 2008 fand ein Referendum über eine weitgehende Autonomie nach spanischem Vorbild [5] statt. Nach einem Urteil des Nationalen Wahlgerichtshof, welcher das Referendum wegen fehlender rechtlicher Voraussetzungen untersagte, wurde es vom Präsident Boliviens Evo Morales als verfassungswidrig bezeichnet[6]. Befürworter des Referendums bezeichneten dieses allerdings mit der zur Zeit gültigen Verfassung Boliviens in Einklang. [7] Die bolivianische Armee warnte vor einer Gefahr für die territoriale Integrität des Landes. [8] [9] Nach Angaben der Departementsregierung von Santa Cruz antworteten 350.000 Menschen „mit friedlichen Demonstrationen auf die Drohungen der [Zentral-]Regierung gegen die Demokratie.“ [10]

Hintergrund für das Referendum und die in weiteren Departements stattfindenden Referenden im Juni 2008 sind die inneren Gegensätze in Bolivien. Dabei sind die östlichen Departements im Tiefland rohstoffreicher und wohlhabender als die westlichen Departements des Hochlandes. Zusätzlich sind die konservativen politischen Kräfte für die Autonomie und die linken politischen Kräfte für den status quo. Die Autonomiebefürworter der östlichen Departements kritisieren die Regierung für den Plan, einen größeren Teil der Einnahmen aus dem Osten im ärmeren Westen auszugeben. Der sozialistische Präsident stützt seine Macht auf die indigenen Bevölkerungsteile, während die spanischstämmige Bevölkerung eher die konservativen Kräfte unterstützt. Die Autonomiebefürworter stehen für eine freie Marktwirtschaft, die sozialistischen Autonomiegegner für eine Wirtschaft mit wesentlicher Staatsbeteiligung.

Die Wahlbeteiligung betrug etwa 61 %. [11] Ersten Ergebnissen zufolge haben sich mehr als 80% der Wahlteilnehmer für die Autonomie ausgesprochen [12] Bolivianische Quellen sprechen von 84 %. 11,5 % stimmten mit "nein" und 1,3 % legten leer ein.[13]

Rubén Costas, Präfekt des Departements Santa Cruz, begrüßte das Ergebnis als Sieg. Er kündigte an „Bolivien zum dezentralisiertesten Land Lateinamerikas“ zu machen[14]. Präsident Morales hingegen bezeichnete das Referendum wegen der im Vergleich zu früheren Wahlen geringen Wahlbeteiligung als Misserfolg für die Autonomie,[6] erklärte aber er sei sich darüber bewusst, dass zumindest ein breiter Teil der Bevölkerung Autonomieforderungen stelle.[15]

Regionalwahlen 2010[Bearbeiten]

Gesamtergebnis bei den Regionalwahlen vom 4. April 2010 im Departamento Santa Cruz:[16]

Wahl-
berechtigte
Wahl-
beteiligung
gültige Stimmen VERDES MAS-IPSP TODOS FA MSM FCN
1.225.072   1.052.426 979.123   515.370 374.326 43.929 25.031 11.530 8.937
  85,9 % 93,0 %   52,6 % 38,2 % 4,5 % 2,6 % 1,2 % 0,9 %

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Region um die Hauptstadt Santa Cruz de la Sierra wird intensiv landwirtschaftlich genutzt, im waldreichen Norden herrscht Forstwirtschaft vor. Land- und Forstwirtschaft sowie die Verarbeitung der land- und forstwirtschaftlichen Produkte sind wirtschaftlicher Schwerpunkt des Departamento Santa Cruz.

Energie[Bearbeiten]

Die Region besitzt außerdem die zweitgrößten Erdgasvorkommen in Südamerika. In den 1990ern wurden diese privatisiert. Forderungen nach Rücknahme der Privatisierungen führten mit zum Sturz von Boliviens Präsident de Lozada. 2005 unter Präsident Mesa versuchten Oberschicht und Unternehmensverbände, diesen Bestrebungen mit einer Forderung nach Autonomie für die Region zuvorzukommen.

Tourismus[Bearbeiten]

In Santa Cruz befinden sich die als Weltkulturerbe der UNESCO geschützten Jesuitenmissionen der Chiquitos und die Festung von Samaipata sowie der als Weltnaturerbe geschützte Nationalpark Noel Kempff Mercado. Eine weitere Sehenswürdigkeiten ist der Amboró-Nationalpark. In der Ortschaft La Higuera am westlichen Rand des Departamentos wurde im Jahre 1967 Che Guevara gefangengenommen und getötet.

Literaturhinweise[Bearbeiten]

  • Johannes Winter (2006): Bolivien - Armut schweißt zusammen. Ansätze für ein interkulturelles Zusammenleben jenseits aller Fragmentierung. In: eins - Entwicklungspolitik Information Nord-Süd, H. 11-12 (Juni), S. 42-45, 2006.
  • Johannes Winter (2005): Integrationsprozesse im ländlichen Bolivien. Beispiele aus dem Departamento de Santa Cruz. In: Arbeitshefte des Lateinamerika-Zentrums. / CeLA, Nr. 91. Münster. Download: (PDF; 1,7 MB)
  • Sevilla, Rafael und Benavides, Ariel (2001): Bolivien - das verkannte Land? Horlemann, Bad Honnef.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Instituto Nacional de Estadística (INE) 1992
  2. Instituto Nacional de Estadística (INE) 2001
  3. Censo Nacional (INE) (PDF; 1,8 MB)
  4. Instituto Nacional de Estatística(INE): Censo de Población y Vivienda 2001
  5. Die Presse:Bolivien: Das Tiefland sagt leise „Adiós“ (4. Mai 2008)
  6. a b AFP: Reichste Region Boliviens stimmt in Referendum für Autonomie, 5. Mai 2008
  7. El Diario: Llegó la hora de la verdad para el referéndum por la autonomía aufgerufen am 4. Mai 2008
  8. ORF: Bolivien: Umstrittenes Referendum in Santa Cruz (4. Mai 2008)
  9. La Razón (Zeitung, La Paz): FFAA ven que el Estatuto afecta la seguridad interna aufgerufen am 4. Mai 2008
  10. Departamentsregierung Santa Cruz (spanisch)
  11. El Diario: Victoria del Sí en consulta perfila un acuerdo nacional abgerufen am 5. Mai 2008
  12. Deutsche Welle: Schlappe für Morales: Santa Cruz will mehr Autonomie (5. Mai 2008)
  13. El Diario (La Paz): El “Sí” triunfó con más del 84% de votos en consulta autonómica aufgerufen am 5. Mai 2008
  14. Rückenstärkung für Santa Cruz in Bolivien, NZZ, 6. Mai 2008
  15. Das Problem Santa Cruz, Telepolis, 5. Mai 2008
  16. Acta de Cómputo Nacional Elecciones Departamentales, Municipales y Regional 2010

Weblinks[Bearbeiten]