Der Atem des Himmels (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Der Atem des Himmels
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 138 Minuten
Stab
Regie Reinhold Bilgeri
Drehbuch Reinhold Bilgeri
Produktion Reinhold Bilgeri
Thomas Feldkircher (Co-Produzent)
Musik Raimund Hepp
Kamera Tomas Erhart
Schnitt Thomas Ilg
Besetzung

Der Atem des Himmels ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 2010. Es ist der erste abendfüllende Spielfilm, der vom österreichischen Musiker und Schriftsteller Reinhold Bilgeri realisiert wurde. Bilgeri ist dabei als Autor, Produzent und Regisseur nach seinem eigenen, 2005 erschienenen Roman, tätig. Seine Frau Beatrice Bilgeri übernahm die Hauptrolle. In einer Nebenrolle ist auch seine Tochter Laura zu sehen.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beginnt im Juni 1953 in Vorarlberg. Die 41-jährige, aus dem Pustertal stammende, verarmte und verwitwete Adlige Erna von Gaderthurn sucht nach dem Tod ihres Vaters ein neues Leben in den Vorarlberger Bergen. Sie zieht als Lehrerin in die kleine Berggemeinde Blons im Großen Walsertal. Dort lernt sie den Volksschullehrer Eugenio Casagrande, zugleich einer der Pioniere der Lawinenforschung in Vorarlberg und die Liebe ihres Lebens, kennen.[1] Eugenio Casagrande möchte, dass Baron von Kessel einen besseren Lawinenschutz des Dorfes Blons umsetzt. Von Kessel meint, dass die Aufforstung des Bannwaldes ausreicht. Anfang Januar wird nach ersten Schneefällen durch abgehende Lawinen das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten. Jedes Geräusch kann weitere Lawinen auslösen. Erna von Gaderthurn muss die größte Lawinenkatastrophe in der Geschichte der Alpen miterleben: Die Zerstörung von Blons am 11. Januar 1954 durch zwei Lawinenabgänge vom Falvkopf. Zwei Drittel des Dorfes werden dabei zerstört. Es gibt viele Tote, die Verletzten werden im Haus des Lehrers behelfsweise untergebracht. Eine zweiter Lawinenabgang verschüttet auch Erna und Eugenio. Erna, die ein Kind von Eugenio erwartet, kann sich unverletzt befreien, Eugenio wird unter den Trümmern seines Hauses begraben, kann erst später ausgegraben werden und stirbt schließlich an inneren Blutungen. Erna Casagrande lebt mit der verwaisten Pia und deren neugeborenen Stiefbruder Eugenio weiter in Blons.[2][3]

Hintergründe[Bearbeiten]

Der Film basiert auf dem gleichnamigen, im Piper Verlag München erschienenen Roman von Reinhold Bilgeri aus dem Jahr 2005, der auch als Hörbuch erschienen ist.[1][3][4] Darin verbindet der Autor die Lebensgeschichte seiner Mutter Ilse Bilgeri, der Urenkelin des österreichischen Politikers Friedrich Graf von Gaderthurn (1835–1921), mit der historischen Lawinentragödie von Blons 1954. Dabei wurde höchster Wert auf die detailgetreue Darstellung des Lawinenereignisses gelegt.[5][6][7]

Weltpremiere auf aufblasbarer Leinwand in Bregenz

Produktion[Bearbeiten]

Gedreht wurde an Originalschauplätzen im Großen Walsertal in Vorarlberg.[8] Dafür wurde das Dorf Blons von 1953 nachgebaut. Der Film ist im Verleih der österreichischen Constantin Film und wurde vom Filmfonds Wien unterstützt.[2] Die Produktionskosten für den Film betrugen 3,5 Millionen Euro. Für das Marketing sind 1,5 Millionen Euro vorgesehen.[9] Die Welturaufführung fand am 24. August 2010 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele vor 7.000 Besuchern statt.[10] Österreichweiter Kinostart des Films war am 3. September 2010.[11]

Die Erstausstrahlung am 6. Dezember 2012 im ORF wurde zur erfolgreichsten Spielfilmausstrahlung des Jahres (1,185 Millionen Zuseher, 37% Marktanteil).[12]

Kritiken[Bearbeiten]

  • Kurier: „Der Erstlingsfilm eines Kino-Neulings - und dann diese grandiose Bildgewalt, erzählerische Wucht, welche natürlich auch der Authentizität, und Wahrhaftigkeit der geschilderten Ereignisse geschuldet ist. Bei derlei Unternehmen lauert Peinlichkeit wie schleichendes Gift; Bilgeri wusste es zu vermeiden. ... Man scheut den Begriff Heimatfilm, weil mit dem Moder altmodischer Kitschigkeit kontaminiert. Hier ist er aber angebracht, sogar im besten Sinne.[13]
  • Die Presse: „Der Atem des Himmels: Die Rückkehr des Heimatfilms. Viel Landschaft, noch mehr Kitsch: Die Kinoversion des Buches von Reinhold Bilgeri ist handwerklich solide gemacht, aber keineswegs originell. Motto: Rosen-Resli pflückt Almrausch und Edelweiß. ... Der deutsche Film imitiert aus kommerziellen Gründen Hollywood – und wirkt dabei mitunter ziemlich museumsreif. 1973 erfand Bilgeri mit Michael Köhlmeier die heimliche Landeshymne von Vorarlberg, „Oho Vorarlberg“, ein Hit. Sein Film hingegen ist ein glattes Mainstream-Produkt, von Humor oder Ironie weitgehend frei.[14]
  • Österreich: „Schneedrama: Heiße Liebe und weißer Tod: ... Mal schaut der Film aus wie Postkartenkitsch der 50er-Jahre, mal wirkt er schrecklich hölzern – bis man merkt, dass diese Spielart perfekt zu den holzschnittartigen Figuren passt. Bilgeri schafft es, jenseits der gewohnten Kino-Dramaturgie einen eigenen Stil zu finden. Das Finale ist dann, wir wissen es, tragisch. Doch selbst in der Tragödie findet die Story einen Funken Hoffnung. Sehenswert.[15]
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: „ In Hochglanzbildern, untermalt von schmalziger Musik, zeigt sich „Der Atem des Himmels“ als süßliches Bergdrama und Katastrophenkitsch. … Als Romanautor, Drehbuchverfasser, Regisseur und Produzent in Personalunion hat sich Reinhold Bilgeri schlicht übernommen. … Vom Erhabenen der Bergwelt ist wenig zu sehen. Es bleibt bei Postkartenansichten. So ist der Film das Zeugnis einer großen familiären Zuneigung. Der Stoff hätte mehr hergegeben.[16]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

  • Austria Ticket 2011 für über 80.000 Zuseher.
  • Bester Ausländischer Film beim Golden Rooster and Hundred Flowers Film Festival 2011 in China [17]
  • Nominierung für die Kurier Romy 2011
    • Bester Spielfilm Kino
    • Bester Produzent Kino: Reinhold Bilgeri, Thomas Feldkircher
    • Beste Kamera Kino: Tomas Erhart “[18]
  • Nominierung für den Österreichischer Filmpreis 2011
    • Beste Filmmusik: Raimund Hepp

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Weltpremiere „Der Atem des Himmels“: Umtauschaktion für Kartenbesitzer. firmenpresse.de. 14. Mai 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  2. a b Der Atem des Himmels. filmfonds-wien.at. Archiviert vom Original am 10. November 2011. Abgerufen am 25. April 2013.
  3. a b Der Atem des Himmels - Reinhold Bilgeri (DE). In: ORF Shop. Abgerufen am 25. April 2013.
  4. Philip Scheiner: Bilgeri als Schriftsteller. orf.at. 8. September 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  5. Der Atem des Himmels weht. vol.at. 11. März 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  6. Wir suchen noch Statisten. vol.at. 20. Juli 2009. Abgerufen am 25. April 2013.
  7. Der Atem des Himmels: Reinhold Bilgeri. Rez.: I. Reichel. litges.at. Abgerufen am 25. April 2013.
  8. Dreharbeiten zu „Der Atem des Himmels“ im Großen Walsertal. In: SÜDKURIER Online. 10. März 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  9. Liebe und Wahnsinn im Lawinenhang. derstandard.at. 15. März 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  10. Ansturm auf Bilgeri-Film „Der Atem des Himmels“. In: Die Presse, 25. August 2010.
  11. Der Atem des Himmels. constantinfilm.at. Abgerufen am 25. April 2013.
  12. ORF-Fernsehen im Jahr 2012: Höchste Tagesreichweite seit 2007, 41,4 Prozent Marktanteil in der Kernzone, Anstieg bei Senderfamilie. ots.at. 3. Januar 2013. Abgerufen am 25. April 2013.
  13. Rudolf John: Bilgeris bewundernswerter Coup. kurier.at. 2. September 2010. Archiviert vom Original am 2. November 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  14. Barbara Petsch: „Der Atem des Himmels“: Die Rückkehr des Heimatfilms. DiePresse.com. 26. August 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  15. Schneedrama: Heiße Liebe und weißer Tod. oe24.at. 2. September 2010. Abgerufen am 25. April 2013.
  16. Heike Hupertz: ZDF-Melodrama Bis die Lawine rollt. In: FAZ.NET, 6. Januar 2012. Abgerufen am 25. April 2013. 
  17. Der Atem des Himmels: „Chinesischer Oscar“ für Reinhold Bilgeris Kinoproduktion mit ORF-Beteiligung. orf.at. Abgerufen am 25. April 2013.
  18. Wiener TV-Förderung mit massiver Präsenz bei ROMY 2011 (Pressemitteilung; PDF, 39 kB) filmfonds-wien.at. 6. April 2011. Abgerufen am 25. April 2013.