Der Bockerer (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Bockerer
Produktionsland Deutschland, Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1981
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Franz Antel
Drehbuch H. C. Artmann, Kurt Nachmann
Produktion Franz Antel
Musik Gerhard Heinz
Kamera Ernst W. Kalinke
Schnitt Irene Tomschik
Besetzung

Der Bockerer ist ein österreichischer Spielfilm aus dem Jahr 1981 von Franz Antel, basierend auf dem Bühnenstück Der Bockerer von Ulrich Becher und Peter Preses.

Filmreihe[Bearbeiten]

Dem Film folgte fünfzehn Jahre später ein weiterer von insgesamt vier Teilen nach (Der Bockerer-Reihe).

Die Filmreihe besteht aus vier Teilen:

Erzählt wird mit Wiener Schmäh das Schicksal des Wiener Fleischhauers Karl Bockerer während der NS-Zeit in Österreich von 1938 bis 1945. Als prinzipiell unpolitischer Mensch steht er den Ereignissen nach dem Anschluss verständnislos gegenüber. Er weigert sich, den Führerkult mitzumachen und seine bisherigen Freunde (etwa den jüdischen Rechtsanwalt Rosenblatt oder den Sozialisten Hermann) zu verleugnen. Er muss miterleben, wie seine Frau von der Nazi-Propaganda fasziniert ist und sein Sohn Hans zum SA-Mann wird.
Der Bockerer ist kein Widerstandskämpfer, geht aber (in der Tradition der Schelmenromane) mit seiner Naivität und Menschlichkeit seinen eigenen Weg, und das Regime tut ihn als relativ harmlosen Spinner ab.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beginnt mit historischem schwarzweißem Bildmaterial vom Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, die für die erste Szene in Farbe übergehen: Ein deutscher Soldat betritt die Fleischerei Bockerer und verlangt auf berlinerisch eine Bockwurst, bekommt aber nach Kommunikationsschwierigkeiten letztendlich von Karl Bockerer eine Portion Leberkäse: „Aba net wei’ra uns befreit hot, sundern wei’ra ma sympathisch is!“

Danach will Bockerer seinen Sohn Hansi zu der Frau Hofrätin schicken, um dorthin den Leberkäs für die regelmäßigen Kartenspiele im kleinen Kreis zu liefern – mit der Tochter Elisabeth ist sein Sohn seit einiger Zeit enger bekannt. Doch dieser hat keine Zeit, denn es stellt sich heraus, dass er schon seit längerem Mitglied der SA ist und sich nun anderen Aufgaben zu widmen hat.

Trotz dieser für ihn unerfreulichen Nachricht freut sich der Bockerer auf den allwöchentlichen Tarockabend mit seiner Frau, dem Herrn Hatzinger und dem Juden Dr. Rosenblatt, der ihm eröffnet, dass er aufgrund der Nürnberger Gesetze in die USA auswandern wird.

Ein paar Tage später lässt Hansi in SA-Uniform unter Aufsicht seines Vorgesetzten Gstettner in einem Park Juden den Boden aufwischen, bis er seinen Vater auf den Platz zukommen sieht. Aus Scham befiehlt Hansi den Juden hastig, Zweierreihen zu bilden und woanders weiterzumachen. Bockerer, der die Szene knapp verpasst hat, will einem auf dem Boden liegenden zurückbleibenden Juden helfen, woraufhin ein Polizist dem verstörten Fleischhauer befiehlt, sich zu entfernen.

Eines Morgens erwacht der Bockerer und stellt fest, dass seine Frau nicht zu Hause ist. Irritiert sucht er in der ganzen Wohnung, bis er bemerkt, dass der 20. April und somit sein Geburtstag ist. Den auf dem Tisch vergessenen Blumenstrauß seiner Frau – den sie dem Gauleiter anlässlich der Feierlichkeit zu Führers Geburtstag überreichen wollte – interpretiert er fälschlicherweise als Geschenk an sich. Voller Tatendrang will er sein Geschäft öffnen. Doch wieder hindert ein Polizist ihn an seinem Vorhaben, da dieses Datum gleichzeitig auch der Geburtstag von Adolf Hitler ist und deshalb alle Geschäfte geschlossen zu bleiben haben. In diesem Moment begreift er, dass seine Familie seinen Geburtstag vergessen hat. Lediglich sein alter Freund Hatzinger hat an seinen Geburtstag gedacht.

Als der Bockerer sich auf dem Wiener Bahnhof von seinem jüdischen Freund Rosenblatt – welcher die Gelegenheit zur Ausreise nutzt – verabschiedet, trifft er seinen Freund Hermann, mit dem er sich „auf a Glaserl“ zum Heurigen verabredet.

Dort kommt es zwischen dem Bockerer und Hermann, einem alten Bekannten, der sich als Kommunist bereits im Visier der Gestapo befindet, zu einer Auseinandersetzung mit einigen deutschen Gästen. Zufällig ist die Abteilung von Gstettner ebenfalls anwesend und Hansi bekommt den Auftrag, Hermann und den Bockerer festzuhalten. Hansi erkennt seinen Vater, der entsetzt ist, dass ihm sein eigener Sohn mit der Waffe gegenübersteht. Dieser soll die beiden bewachen, nach einem inneren Kampf mit seinem Pflichtgefühl lässt er seinen Vater mit seinem Freund Hermann laufen. Gstettner glaubt nicht, dass die beiden einfach so entkommen sind, deckt Hansi aber aufgrund einer über den Dienst hinausgehenden Zuneigung.

Bockerer muss schließlich zum Verhör bei der Gestapo erscheinen, wo er lautstark an der Rechtmäßigkeit seiner Behandlung zweifelt. Kurz bevor er abgeführt werden soll, ruft Gstettner (zeitlich unabhängig, aber auf Wunsch von Hansi), an und schlägt vor, die Tatsachen ein wenig zu verdrehen, damit der Bockerer gehen kann.

Unterdessen wird der Herrmann gefangengenommen und ins KZ Dachau eingeliefert, wo er durch einen „Arbeitsunfall“ stirbt. Als Bockerer später bei dessen Witwe sich nach Hermann erkundigt, klärt diese ihn auf und übergibt ihm ein Schreiben, unter anderem mit dem Wortlaut, dass Hermann „dank Aussage Bockerer“ gefasst werden konnte. Bockerer ist außer sich und gibt der Witwe Geld für die Anforderung der Urne mit der Asche ihres Mannes. Danach geht er ins Café „Tosca“ und sucht dort nach Hansi, der zuvor die Avancen seines Vorgesetzten Gstettner abgewehrt hat. Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen Vater und Sohn, während dem der Bockerer seinen Sohn aus seinem Haus wirft.

Hansi verlässt in weiterer Folge die SA und kehrt zu seiner Freundin Elisabeth zurück, mit der er daraufhin zusammenzieht. Doch aufgrund der Intrigen Gstettners, der sich undankbar behandelt fühlt, muss Hansi kurz darauf an die russische Front – nach Stalingrad. Jedoch kommt es auf Grund der Vermittlung durch Elisabeth zur Versöhnung mit seinem Vater. Während dieser Aussprache eröffnet er seinem Vater, dass er auf seinem ersten Heimaturlaub seine Elisabeth heiraten will. Bald kommt jedoch die Benachrichtigung, dass er gefallen ist.

Der Übergang vom Nazi-Regime zur Besetzung Österreichs durch die Alliierten wird wieder mit kommentierten Original-Aufnahmen dargestellt.

Ein Mann von der Familien-Zusammenführungs-Behörde bringt den kleinen Karl in die Fleischhauerei Bockerer. Es stellt sich heraus, dass es sich um den Sohn von Hansi und der bei einem Bombenangriff ums Leben gekommenen Elisabeth handelt. Das Kind wird von den Bockerers aufgenommen.

Auch Herr Rosenblatt kehrt als Angehöriger des alliierten Heeres nach Wien zurück und somit kann Bockerer eine Tarockpartie endlich wieder mit dem Satz „Ihr Blatt, Herr Rosenblatt!“ eröffnen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1981 wurde Karl Merkatz beim Internationalen Filmfestival Moskau als Bester Schauspieler ausgezeichnet, eine Goldener Preis-Nominierung gab es für Franz Antel.

1982 bekam Karl Merkatz eine Deutscher Filmpreis-Auszeichnung als Bester Darsteller.

Weblinks[Bearbeiten]