Der Denker

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Der Denker vor dem Musée Rodin in Paris

Die Plastik Der Denker (französisch Le Penseur) zählt zu den Hauptwerken des Bildhauers Auguste Rodin und entstand 1880 bis 1882.

Die Plastik[Bearbeiten]

Der Boxer Jean Baud

Das Original ist im Besitz des Musée Rodin in Paris, eine Kopie steht am Grab des Künstlers in Meudon. Die Plastik hat eine Höhe von 72 cm, besteht aus Bronze und wurde fein patiniert und poliert.

Das Werk wurde 1902 auf eine Höhe von 181 cm vergrößert. Die monumentale Version wurde zum ersten Werk des Künstlers im öffentlichen Raum.

Modell für diese Plastik, wie für weitere Arbeiten Rodins, stand der muskulöse französische Preisboxer und Ringer Jean Baud, der meist im Rotlichtmilieu auftrat und tatsächlich kein Intellektueller oder Denker war. Er war von Beruf Holzbauer aus Les Gets, als der er auch auf der schweizerischen 50-Frankennote von 1907 von Hodler abgebildet wurde. Die Plastik soll Dante Alighieri, den genialen Schöpfer der Göttlichen Komödie, darstellen. Durch Rodins lange Beschäftigung mit dessen Werk und so auch mit den Grenzen von Himmel und Hölle war der Bildhauer in eine schwere Existenzkrise geraten. Das Höllentor, ein aus Dantes Inferno entwickeltes Portal für das Musée des Arts décoratifs – ein Staatsauftrag – beschäftigte ihn bis an sein Lebensende. Er schuf dafür 186 Figuren, von denen einige auch frei standen. So auch Der Denker, der in starker Anspannung, muskulös und doch verinnerlicht über das Tun und Schicksal der Menschen nachsinnt. Dieses und viele weitere Werke Rodins waren wegweisend für die Moderne und verkündeten ein neues Zeitalter dreidimensionalen künstlerischen Schaffens.

Standorte der Abgüsse[Bearbeiten]

Es gibt heute über 20 Bronzegüsse und Gipsabgüsse dieser Statue, die in der ganzen Welt verstreut sind.

Originalgröße[Bearbeiten]

Monumentalversion[Bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten]

Der Lübecker Arzt Max Linde ließ sich 1904 eine Kopie der Monumentalversion gießen und stellte sie im Garten seiner Villa auf. Dort malte Edvard Munch sein Gemälde Rodins Denker im Garten von Dr. Linde[1], das sich heute im Behnhaus befindet. Der Abguss ging indes später an das Detroit Institute of Arts.[2]

Charles Chaplin lässt in einer Einstellung seines Films „Der große Diktator“ eine Statue, die den Denker von Rodin darstellt, reflexartig ihren rechten Arm zum „Hynkel-Gruß“ bzw. Hitlergruß erheben und thematisiert mit diesem visuellen Gag den Missbrauch von Kunst und Kultur zu Zwecken der NS-Propaganda.[3]

Im Film Nachts im Museum 2 treffen die Protagonisten auf eine Statue des Denkers, die zum Leben erweckt wurde. Auf eine Frage antwortet er lediglich: „Ich denke … ich denke … ich denke“. Später im Film flirtet er mit einer Statue der Aphrodite.[4]

In Sterben für Anfänger wird die Statue zitiert, als Alan Tudyk nackt in „Denkerpose“ auf einem Hausdach sitzt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der Denker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Der Denker, Musée Rodin, Paris (englisch)
  • The Thinker Project – die wissenschaftliche Verfolgung des Schicksals der einzelnen Güsse der Skulptur (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abbildung bei CnOilPainting.com
  2. penseur.org: Alexis Rudier casts, Zugriff am 11. September 2010
  3.  Anette Insdorf: Indelible Shadows. Film and the Holocaust. Third Edition Auflage. Cambridge University Press, Cambridge/New York/Port Melbourne/Madrid/Kapstadt 2003, Black Humor, S. 61 (Digitalisat, abgerufen am 14. April 2013).
  4. imdb.com: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (2009) - Memorable quotes, Zugriff am 11. September 2010
  5. David Edelstein: Baby, You’re a Star. No, Really. That’s Your Role., New York Magazine vom 10. August 2007, Zugriff am 11. September 2010