Der Ewige Krieg

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Der Ewige Krieg (englisch: The Forever War) ist der deutsche Titel eines 1974 veröffentlichten Science Fiction-Romans von Joe Haldeman. Haldeman war selbst Teilnehmer des Vietnamkrieges und verarbeitete in diesem Werk seine Erfahrungen.

Handlung[Bearbeiten]

Im interstellaren Krieg gegen die außerirdischen Taurier werden Soldaten durch Kollapsare mit Überlichtgeschwindigkeit in die Nähe ihrer Ziele verfrachtet, legen aber den Weg zu und von den Kollapsaren mit einer Geschwindigkeit nahe der des Lichts zurück. Durch den sich dadurch ergebenen Effekt der Zeitdilatation vergehen zwischen den verschiedenen Kämpfen für die Soldaten nur Monate, auf der Erde jedoch Jahre und Jahrzehnte (daher der Name des Romans).

Der Soldat William Mandella, der Protagonist, wird im Zuge der neuen Wehrpflichtgesetze eingezogen. Explizit werden hochintelligente, und -qualifizierte Studenten eingezogen. Die Ausbildung ist unfassbar brutal, schon in der ersten konventionellen Ausbildungsphase, die in Illinois stattfindet, gibt es zwei Todesfälle. Anschließend wird die Ausbildungseinheit auf den Planeten Charon verlegt. Die Soldaten sind dabei mit Kampfanzügen ausgerüstet, die sie vor den Auswirkungen des Vakuums schützen, in deren Benutzung sind die Rekruten jedoch ungeübt und es kommt dadurch zu mehreren Todesfällen. Während der Ausbildung kommt es zum Geschlechtsverkehr nahezu aller Rekruten mit sämtlichen möglichen Partnern. Insbesondere diese Schilderungen von Gruppensex und unverhohlenem Marihuanakonsum führte insbesondere in den USA zu starker Kritik am Buch.

Schließlich werden die Soldaten in den Kampf geschickt. Sie landen auf einem Planeten, auf dem sich Einheiten der Taurier, der feindlichen Aliens, befinden. Von Anfang an zeigt sich die Unerfahrenheit der militärischen Führung: so sind die Tarnmuster, die die Kampfanzüge erzeugen können, vollkommen unnütz in der Vegetation des Planeten. Auch ist nicht klar, wie die feindlichen Taurier überhaupt aussehen, woraufhin die Soldaten das Feuer auf eine Herde Pflanzenfresser eröffnen. Dies führt zum Tod einer Soldatin, die anscheinend durch eine parapsychische Attacke der Tiere getötet wird.

Die Soldaten setzen den Weg fort und attackieren schließlich die Siedlung der Taurier. Vorher löst der befehlshabende Offizier eine tiefenpsychologische Manipulation der Soldaten aus, wodurch diese mit offensichtlicher Propaganda überflutet werden. Mandella, der nur gezwungenermaßen als Soldat dient, durchschaut die in sein Bewusstsein eingeschleusten Bilder, in denen die Taurier grotesk und monsterähnlich dargestellt werden. Dennoch wirkt die Konditionierung, er und die anderen Soldaten steigern sich in einen regelrechten Blutrausch und schlachten die offensichtlich unbewaffneten, völlig überraschten Taurier ab. Nur ein einziger Alien kann entkommen.

Auf dem Rückweg zur Erde wird das Schiff der Menschen angegriffen, diese überleben den Angriff in Schutzsärgen, die sie vor den hohen G-Kräften schützen, während ein Computer das Schiff steuert. Dennoch schaffen es die Taurier auf eine für die Soldaten unverständliche Weise, das Schiff schwer zu beschädigen.

Dennoch kehrt der Kreuzer zur Erde zurück. Für die Soldaten sind nur wenige Monate, durch die Zeitdilatation auf der Erde jedoch 23 Jahre vergangen. Durch den aufgelaufenen Sold sind die Soldaten plötzlich reich und alle quittieren sofort den Dienst. Sie werden über die massiven Veränderungen aufgeklärt, die inzwischen auf der Erde stattgefunden haben. Durch eine große Hungersnot hat sich die Gesellschaftsstruktur fundamental verändert: Geld wird nun in Kalorien gerechnet und nahezu 6 Milliarden der 9 Milliarden der Erdbevölkerung sind arbeitslos und leben von Sozialhilfe. Zudem wird Homosexualität als einzige effektive Bevölkerungskontrolle massiv gefördert; nahezu ein Drittel der Bevölkerung weltweit ist bereits homosexuell. Mandella trifft seine Mutter in Washington. Die Stadt hat sich fundamental verändert. Jeder ist schwer bewaffnet; die Kriminalität ist so hoch, dass nahezu jeder einen Leibwächter beschäftigt.

Die Raumsoldaten erhalten vor jedem Kampf Drogen, die ihre Hemmungen ausschalten. Als Mandella nach einem Gemetzel durch rotes Blut watet und die Psychopharmaka ihre Wirkung verlieren, erkennt er, dass Gott all seinen Geschöpfen Hämoglobin mitgegeben hat.

Der Abstand in Sitten und Werten zwischen den Kämpfenden und der Gesellschaft, die sie ausgeschickt hat, wird mit den Generationen, die vergehen, immer größer, eine wirkungsvolle Allegorie für den Entfremdungsprozess heimkehrender Soldaten und die Frage nach dem Sinn des Krieges. Am Ende des Romans verstehen sich die Krieg führenden Gesellschaften gut miteinander, die überlebenden Soldaten werden aber von den inzwischen lebenden Menschen als fremd erlebt. Zu den beeindruckendsten Abschnitten des Romans gehört der Teil, in dem der Protagonist nach Abschluss seiner Dienstzeit auf die Erde zurückkehrt, nach kurzer Zeit aber feststellt, dass er mit den dortigen Lebensverhältnissen nicht mehr zurechtkommt und sich aus Verzweiflung für eine weitere Militärdienstzeit verpflichtet – wie fast alle seine Kameraden auch.

Der Roman fand vor allem deshalb große Anerkennung, weil er einerseits den Zeitgeist traf und als einer von sehr wenigen SF-Romanen politische Themen aufgriff, andererseits aber den Regeln des Genres entsprechend spannend blieb und nicht zum Pamphlet ausartete.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Roman wurde mit dem Hugo Award, dem Nebula Award und dem Locus Award ausgezeichnet.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Zusammen mit dem Zeichner Marvano veröffentlichte Haldeman 1988 eine Comicversion, die zunächst auf holländisch (De Eeuwige Oorlog) und französisch (La Guerre Eternelle) erschien, bevor sie 1991 ins Englische (The Forever War) und ins Deutsche übersetzt wurde.
  • Der auch in diesem Roman verwendete Begriff Zeitschuld wird in der Science-Fiction öfter benutzt, um die Zeitdilatation zu beschreiben.
  • Im ursprünglichen Roman beginnt die Handlung 1997 und zieht sich bis in die ferne Zukunft, in der aktuellen (deutschen) Auflage von 2004 wurde der Beginn der Handlung jedoch in das Jahr 2297 verlegt, da dem Verleger die alte Zeitlinie nicht mehr realistisch erschien.
  • Der Ewige Friede (engl. Forever Peace) von Haldeman aus dem Jahr 1997 ist keine Fortsetzung, sondern eine Variation des gleichen Themas: Die Geschichte eines Menschen, der gegen seinen Willen Teil der grausamen, scheinbar unaufhaltsamen Kriegsmaschinerie wird. Erst der Roman Am Ende des Krieges (engl. Forever Free) aus dem Jahr 1998 setzt die Handlung aus dem ersten Teil fort.
  • Im Jahr 2013 erschien eine Neuauflage des Romanes in kompletter neuer Übersetzung im Mantikore-Verlag. Der Roman beinhaltet auch die Fortsetzungen Der Ewige Friede sowie Am Ende des Krieges.

Literatur[Bearbeiten]