Der Exorzismus von Emily Rose

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Exorzismus von Emily Rose
Originaltitel The Exorcism of Emily Rose
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2005
Länge ungeschnitten ca. 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16 (geschnitten ab 12)
JMK 14[1]
Stab
Regie Scott Derrickson
Drehbuch Paul Harris Boardman
Scott Derrickson
Produktion Clint Culpepper
Andre Lamal
David McIlvain
Julie Silverman
Musik Christopher Young
Kamera Tom Stern
Schnitt Jeff Betancourt
Besetzung

Der Exorzismus von Emily Rose (Originaltitel: The Exorcism of Emily Rose) ist ein Thriller mit Mystery-Horror-Elementen aus dem Jahr 2005. Regie führte Scott Derrickson, der zusammen mit Paul Harris Boardman das Drehbuch verfasste. Die Hauptrollen spielten Jennifer Carpenter, Laura Linney und Tom Wilkinson.

Handlung[Bearbeiten]

Die ehrgeizige Anwältin Erin Christine Bruner übernimmt die Verteidigung des Priesters Richard Moore. Dieser wird beschuldigt, durch den Exorzismus an der 19-jährigen Studentin Emily Rose fahrlässig deren Tod verursacht zu haben. Die Aussagen der Zeugen, mit denen im Gerichtsprozess das Geschehen rekonstruiert werden soll, werden in Rückblenden visualisiert.

Der Ankläger Ethan Thomas vernimmt mehrere Ärzte und Neurologen, die eine medizinische Ursache für Emilys Tod beweisen sollen, vor allem Epilepsie und Schizophrenie. Die junge Frau brach ihr Studium ab, nachdem sie in einer Nacht um drei Uhr (die Zeit gilt als dämonische Hexenstunde, so verspotten Dämonen die heilige Dreifaltigkeit, sie ist das Gegenstück zur Todesstunde Jesu Christi um drei Uhr nachmittags) von Wahnvorstellungen und Muskelkrämpfen befallen wurde. Sie kehrte in ihr Elternhaus zurück, wo die Ärzte sie mit einem Medikament gegen eine epileptische Psychose behandelten. Da sich ihr Zustand jedoch nicht bessert, wird Pater Moore zu Rate gezogen. Seiner Einschätzung und seinen Beobachtungen zufolge ist Emily keine Epileptikerin, sondern von einem Dämon besessen. Deshalb unterzieht er sie mit der Zustimmung der Eltern einem Exorzismus, der allerdings fehlschlägt. Schuld an der misslungenen Austreibung sei das Medikament, weil es Emilys Gehirnaktivitäten lähme und der Exorzismus somit nicht an den Dämon herankomme.

Diese Version erzählt der Pater vor Gericht, wo er in den Zeugenstand gerufen wird. Moore möchte in dem Prozess nur eines: Die Geschichte von Emily erzählen. Die Erzdiözese will seine Aussage aber mit allen Mitteln verhindern, um ihre Zustimmung zum Exorzismus zu vertuschen. Zur Unterstützung bietet Erin, die mittlerweile selbst von nächtlichen Unruhen erfasst wird, auch die Autorin Dr. Adani als Zeugin auf, die Besessenheit in unterschiedlichen Kulturkreisen erforscht. Der Staatsanwalt will deren Aussagen als unwissenschaftlichen Humbug abtun, allerdings gibt ihm die Richterin deutlich zu verstehen, dass sie auch diese Version der Geschichte hören möchte. Die Aussage eines Arztes, der beim Exorzismus anwesend war, wird durch dessen plötzlichen Unfalltod verhindert. Moore kann jedoch eine Tonband-Aufzeichnung des Exorzismus als Beweismittel vorweisen. Er erzählt, dass Emily nach dem Exorzismus der heiligen Jungfrau Maria auf dem Feld begegnet sei, die ihr den Weg in den Himmel gezeigt habe. Emily habe sich jedoch entschieden, wie Jesus ihre Leiden zu ertragen, und später Stigmata an ihren Händen entdeckt. Ethan Thomas interpretiert die Wundmale nicht als göttliches Zeichen, sondern als Spuren selbstzugefügter Verletzungen.

Der Staatsanwalt fordert in seinem Schlussplädoyer, den Angeklagten wegen der medizinischen Beweise schuldig zu sprechen. Die Verteidigerin wendet sich bezüglich ihrer Exorzismus-Theorie mit folgender Aussage an die Jury: „Ich weiß nicht, ob es Faktum ist, aber es ist möglich.“ Am Ende des Verfahrens wird Richard Moore schuldig gesprochen. Allerdings geben die Geschworenen eine Empfehlung für das Strafmaß aus: Die Höhe der Strafe soll die des Zeitraumes der bisherigen Untersuchungshaft sein. Die Richterin stimmt diesem zu und so wird Pater Moore zwar verurteilt, kann das Gericht aber als freier Mann verlassen. Erin Bruner wird eine Partnerschaft in der Kanzlei angeboten, welche sie aber ablehnt. Am Ende des Filmes sieht man, wie sie und Richard Moore gemeinsam das Grab von Emily Rose besuchen, auf dem sich eine Inschrift aus dem Brief des Paulus an die Philipper befindet: „Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern!“ (Phil 2,12 EU).

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Die Produktionskosten des Filmes betrugen rund 20 Millionen US-Dollar. In Deutschland sahen den Film rund 750.000 Zuschauer in den Kinos. Bis zum 18. Juli 2006 lag das weltweite Einspielergebnis bei mehr als 144 Millionen US-Dollar.[2]
  • In der deutschen Synchronisation des Films spricht Emily zu Beginn des Exorzismus in einer fremden Sprache. Im englischen Original spricht sie an dieser Stelle den Satz auf Deutsch.
  • Wenngleich der Film in Deutschland mit dem Zusatz „nach einer wahren Geschichte“ vermarktet wurde, ist die Handlung weitgehend fiktiv und hat nur wenig mit dem tatsächlichen Fall der Anneliese Michel zu tun. Auf dem Audio-Kommentar der DVD vermeidet der Regisseur auch die Erwähnung eines Falles oder eines bestimmten Namens, sondern spricht nur davon, dass man sich von einem tatsächlichen Fall, über den man gelesen hatte, für das Drehbuch hat inspirieren lassen.

Ähnlichkeiten zum Fall Anneliese Michel[Bearbeiten]

Gemeinsamkeiten[Bearbeiten]

  • Die katholische Kirche hat ihre Unterstützung für den Exorzismus in beiden Fällen nachträglich zurückgezogen.
  • Die Verteidigung (eine Rechtsanwältin) wurde in beiden Fällen von der katholischen Kirche bezahlt.

Abweichungen[Bearbeiten]

  • Name, Zeit und Orte wurden für ein modernes Publikum angepasst; der Tod Michels liegt über 30 Jahre zurück (1. Juli 1976).
  • Im Film nimmt Rose keine Medizin mehr; Michel nahm jedoch bis kurz vor ihrem Tod u. a. Carbamazepin.
  • Im Film treten die Visionen erst kurz vor dem Exorzismus auf. Michel bat selbst um den Exorzismus, wurde durch die Kirche abgewiesen und fünf Jahre (vergeblich) medikamentös behandelt, bevor der Exorzismus genehmigt wurde.
  • Im Film wurde der (einzige) ausführende Priester der fahrlässigen Tötung angeklagt; im Fall Michel wurden zwei Priester sowie die Eltern angeklagt.
  • Die Urteile in der Realität waren sechs Monate auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung. Im Film wird das Strafmaß des Priesters auf seine bereits verbüßte Untersuchungshaft festgelegt.
  • Im Fall Michel war die Verteidigungsstrategie Nichtzuständigkeit und Beeinträchtigung der Religionsfreiheit, im Film Unschuld des Angeklagten.
  • Zwei der sechs Dämonen, die von Rose Besitz ergreifen, wurden für den Film durch biblische Dämonen ersetzt: Die Dämonen Hitlers und Valentin Fleischmanns (1572–1575, Pfarrer von Ettleben)[3] heißen dort Belial und Legion.

Kritik[Bearbeiten]

  • Thomas Straßer schreibt auf Moviemaze.de, „Der Exorzismus von Emily Rose“ sei eine „clevere Mischung aus Gerichtsdrama und Horrorfilm“, die ein „schauriges Kinoerlebnis“ biete und durch „gute Darstellerleistungen und eine gruselige Gänsehautstimmung mit wenigen Schockeffekten“ für fortwährende Gänsehautstimmung sorge. Zudem lobt er, dass der Film, anders als der Klassiker Der Exorzist, eine Gerichtsverhandlung und nicht den Exorzismus selbst ins Zentrum der Handlung setzt.[4]
  • Das Kinomagazin Cinema zieht als Fazit, der Film sei eine „bildgewaltige Mischung aus cleverem Gerichtsdrama und mäßig spannendem Horrorthriller.“ und „die wahren Schocks kämen hier von der Tonspur“.
  • Ein „intelligentes Horror-Gerichtsdrama, das religiöse Fragen aufwirft“, hat Florian Kummert von br-online gesehen: „Das Faszinierende an dem Film ist nicht Emilys Besessenheit, sondern das Aufeinanderprallen zweier Welten. Eine säkulare Einrichtung, das Gericht, das auf Beweise aufbaut, soll sich mit Glauben befassen. Obwohl letztendlich die Sympathien auf Seiten des Paters und der Besessenheits-Theorie liegen, bleiben dem Zuschauer alle Interpretationsmöglichkeiten offen“.
  • Carsten Baumgardt von Filmstarts.de lobt an dem Film die „elektrisierende Atmosphäre, welche die Gänsehautstimmung während der Horrorsequenzen voll ausreize“, sowie die „düstere Photographie und das bestens besetzte Schauspielerensemble“. Als größte Stärke des Filmes gilt für ihn jedoch die „Konstruktion der inhaltlichen gerichtlichen Argumentation um Glauben, Realität und Vertrauen“. Dennoch ist auch er nicht vollends zufrieden mit dem Film, räumt er doch ein, dass „viel mehr möglich gewesen wäre als ein grundsolider Horrorfilm, der mit einem Gerichtsthriller gekreuzt wird“. [5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

In der Kategorie „Angsteinflößendste Darstellung“ wurde Jennifer Carpenter für ihre Rolle als Emily Rose bei den MTV Movie Awards 2006 ausgezeichnet. In der Kategorie „Bester Newcomer“ kam sie über die Nominierung nicht hinaus.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  2. boxofficemojo: Exorcism of Emily Rose
  3. laut Aussagen des Priesters von Ettleben zur Zeit des beschriebenen Exorzismus
  4. http://www.moviemaze.de/filme/1284/der-exorzismus-von-emily-rose.html
  5. http://www.filmstarts.de/kritiken/38306-Der-Exorzismus-von-Emily-Rose.html