Der Frieder und das Katherlieschen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Frieder und das Katherlieschen ist ein Schwank (ATU 1387, 1541, 1385*, 1291, 1653). Er steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 2. Auflage von 1819 an Stelle 59 (KHM 59). Dort schrieb sich der Titel Der Frieder und das Catherlieschen.

Inhalt[Bearbeiten]

Frieder verlangt von Katherlieschen Speise und Trunk, wenn er vom Feld heimkommt. Der Hund stiehlt ihr die Wurst aus der Pfanne, als sie das Bier zapft. Während sie ihm nachläuft, läuft das Fass aus. Sie trocknet das Bier mit dem Mehl auf, wobei der Krug umfällt. Frieder vergräbt Gold im Stall. Sie darf nicht dran, aber sagt es Krämern, die damit fortlaufen und ihr Geschirr dalassen. Sie stellt es mit ausgeschlagenen Böden auf Pfählen ums Haus. Als sie die Diebe verfolgen, bleibt sie zurück und schmiert die Butter in Spurrillen im Boden, damit die arme Erde weniger gedrückt wird. Ein Käse rollt davon. Sie schickt die anderen nach, dass sie ihn holen, aber sie kommen nicht wieder. Frieder schickt sie das Haus verschließen und anderes Essen holen. Sie holt Essig und Hutzeln (gedörrte Birnen) und bringt die Tür zur Verwahrung mit. Sie steigen zum Schlafen auf einen Baum, unter dem sich zufällig die Räuber treffen. Frieder wirft Steine, aber trifft nicht, die Räuber halten sie für Tannenzapfen. Hutzeln und Essig, die Katherlieschen zu schwer werden, halten sie für Vogelmist und Tau. Erst als die Tür kommt, wähnen sie den Teufel, und die beiden nehmen ihr Gold heim. Katherlieschen soll Frucht schneiden. Es isst erst, dann zerschneidet es vor Müdigkeit seine Kleider. Es kennt sich nicht mehr und fragt an der Tür, ob es schon drin ist. Als es „ja“ hört, läuft es fort. Es führt Diebe ins Dorf, aber ruft dabei so laut, dass sie es Rüben rupfen schicken. Dort hält es ein Mann für den Teufel und holt den Pfarrer. Als es sich aufrichtet, laufen beide davon.

Herkunft[Bearbeiten]

Der Text steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 2. Auflage von 1819 als Nr. 59 (anstelle Prinz Schwan aus der 1. Auflage). Sie folgten laut Anmerkung v.a. einer Erzählung aus Zwehrn (von Dorothea Viehmann). Aus einer andern hessischen stammt die Stelle mit Butter und Käse, aus Fritzlar die vergrabenen Gickelinge (in der zwehrner Fassung ein Hasenbalg). In einer aus den Diemelgegenden soll die Frau Fleisch in Kohl aufs Feld bringen, steckt es roh ins Kohlfeld. Der Hund frisst es. Sie bindet ihn dafür an den Bierhahn. So läuft das Bier aus, sie trocknet es mit Mehl und bringt dem Mann Essig und Hutzeln und die Haustür. Sie fliehen vor Räubern auf einen Baum und erbeuten wie in der anderen Fassung deren Gold. Durch die Nachbarin, von der sich die Frau ein Maß für das Gold leiht, erfahren es alle, aber werden im Wald von den Räubern erschlagen. Die Anmerkung nennt noch Colshorn Nr. 37; norwegisch bei Asbjörnsen S. 202; zum Herabwerfen der Tür auf die Spitzbuben Kuhn und Schwarz Nr. 13; teilweise Vardiello in Giambattista Basiles Pentameron I,4; Morlini Nr. 49; zwei slavonische Märchen bei Vogl, der Meisterlügner S. 64. 65 und Hans in der Schule S. 83, der Dummheiten anderer Arten macht.

Vgl. KHM 34 Die kluge Else, KHM 34a Hansens Trine, KHM 104 Die klugen Leute, KHM 27 Die Bremer Stadtmusikanten. Die Handschrift Von en Manne un siner Frûë in Grimms Nachlass enthält ähnliche Streiche.[1] Vgl. in Giambattista Basiles Pentameron I,4 Vardiello. Vgl. Die beiden Brüder in Ludwig Bechsteins Neues deutsches Märchenbuch.

Interpretation[Bearbeiten]

Erika Alma Metzger deutet die symbolische Selbstzerschneidung und Identitätskrise, den Zweifel, ob sie drinnen oder draußen ist, als Depersonalisation oder Bewusstseinsspaltung. Dies deute sich schon in dem zuerst lustig klingenden Namen Katherlieschen an, der sich ableiten lässt von Katharina und Elisabeth, also einer Märtyrerin und einer Heiligen. Ihre selbstvergessene Hingabe an chthonische Mächte, wie sie als Erdmutter die Speisen sinnlos an die Erde verschwendet und der Ruf der Diebe Der Teufel kommt vom Baum herab nehmen schon das spätere Urteil des Pfarrers vorweg. Ihre Dummheit ist hier schon nicht mehr lustig im Sinne eines Schwanks, zugleich fehlt die Märchenlogik der erfolgreichen Überwindung des Bösen. Die Erzählabsicht sei wohl die eines abschreckenden Beispiels aus dem Dorfleben, so dass die genaue psychische Störung nicht mehr zu erschließen sei. [2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 332–338. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag, ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 113–114, S. 468. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag, ISBN 3-15-003193-1)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rölleke, Heinz (Hg.): Märchen aus dem Nachlass der Brüder Grimm. 5. verbesserte und ergänzte Auflage. Trier 2001. S. 57-58, 110. (WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier; ISBN 3-88476-471-3)
  2. Metzger, Erika A.: Zu Beispielen von Depersonalisation im Grimmschen Märchen. In: Fairy Tales as Ways of Knowing. Essays on Märchen in Psychology, Society and Literature. Edited by Michael M. Metzger and Katharina Mommsen. Bern, Frankfurt am Main, Las Vegas 1981. S. 99-116. (Peter Lang - Verlag; Germanic Studies in America, vol. 41; ISBN 3-261-04883-2)