Der Glanz des Hauses Amberson

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Glanz des Hauses Amberson
Originaltitel The Magnificent Ambersons
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1942
Länge 88 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Orson Welles
Fred Fleck (uncredited)
Robert Wise (uncredited)
Drehbuch Orson Welles
Produktion Orson Welles
Musik Bernard Herrmann
Kamera Stanley Cortez
Schnitt Robert Wise
Besetzung

Der Glanz des Hauses Amberson ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Orson Welles aus dem Jahr 1942. Der Film wurde von RKO produziert.

Handlung[Bearbeiten]

Indianapolis, Anfang des 20. Jahrhunderts: Major Amberson, Vorstand einer angesehenen Upperclass-Familie, gibt aus Anlass des Besuchs seines Enkels George, eines erfolgreichen College-Studenten, einen Empfang. Unter den Gästen sind der verwitwete Eugene Morgan, ein erfolgreicher Automobilfabrikant, der nach zwanzig Jahren in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist, und seine Tochter Lucy. George ist von der bezaubernden und charmanten Lucy angetan, hält sich jedoch aus Antipathie gegen ihren Vater von ihr fern.

Georges Vater Wilbur Minafer stirbt. Als Morgans Automobilfirma floriert, baut der Industrielle ein Schloss, um auf diese Weise den Reichtum des Hauses Amberson nachzuahmen. Während einer Dinnerparty teilt George Morgan mit, dass er Automobile für eine nutzlose Investitionsverschwendung hält. Die anderen Familienmitglieder sind über seine arrogante Haltung bestürzt, doch Morgan stimmt George überraschenderweise zu, da er sich bewusst ist, dass Automobile die Zivilisation entweder zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen werden. Später am Abend erfährt George von seinem Onkel Jack Amberson und seiner Tante Fanny, dass seine Mutter Isabel einst eine Affäre mit Morgan hatte. Die Behauptung Fannys, dass Isabel auch nach der Hochzeit mit Georges Vather Wilbur nicht aufgehört hätte, Morgan zu lieben, und dass dieser Tatbestand allgemeines Stadtgespräch sei, bringt George zur Weißglut.

Morgan will Isabel einen Heiratsantrag machen, der jedoch von George auf den Stufen des Amberson-Anwesens verhindert wird. Isabels Liebe zu ihrem Sohn siegt über ihre Liebe zu Morgan, so dass sie auf Georges Forderungen eingeht, obwohl sie sich wohl bewusst ist, dass er lediglich alles versucht, um sie von Morgan zu trennen. George nimmt seine Mutter auf eine Weltreise mit, um sie vorgeblich von dem Stadttratsch über ihre Liebe zu Morgan fernzuhalten, tatsächlich aber, um zu verhindern, dass Morgan sein Stiefvater wird. Bevor sie nach Europa abreisen, versucht George herauszufinden, wie Lucy zu ihm steht, doch sie überspielt ihren Schmerz über Georges Verhalten mit Sorglosigkeit. Nachdem Isabel schwer erkrankt, kehrt George mit seiner Mutter in die USA zurück und wacht als Türhüter über sie. Als Morgan die auf dem Sterbebett liegende Isabel besuchen will, verweigert George ihm den Zutritt ins Haus.

Kurz nach Isabels Tod stirbt auch ihr gebrochener Vater. Da er seinen Verwandten nichts hinterlässt, muss die Familie ab sofort zusehen, wie sie selbst finanziell über die Runden kommt. Lucy lehnt eine Versöhnung mit George ab und strickt zur Begründung eine Analogie über einen Indianer, der auf einem Kanu ins Meer gestoßen wurde, weil er anstößig und arrogant war. In dieser hoffnungslosen Situation gibt George seinen Job als Anwaltsgehilfe auf und wird Fabrikarbeiter. Außerdem kümmert er sich um Tante Fanny, die zwischenzeitlich an einer Psychose erkrankt ist. Der Film endet damit, dass George durch die nunmehr schmutzigen Straßen von Indianapolis wandert und nicht fassen kann, wie die Industrialisierung seine Umgebung verändert und sein einst sorgloses Leben zerstört hat.

In einer alternativen Schlussszene (die ohne Welles’ Zustimmung gedreht wurde) wird George bei einem Autounfall schwer verletzt, bekommt im Krankenhaus Besuch von Morgan und versöhnt sich mit ihm.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Glanz des Hauses Amberson basiert auf dem Roman Die stolzen Ambersons von Booth Tarkington, für den dieser 1918 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Orson Welles, der mit dem Autor befreundet war und sich selbst in der Figur des George wiederzuerkennen glaubte, schrieb das Drehbuch des Films in nur neun Tagen. Bereits 1939 hatte er mit dem Mercury Theatre eine Hörspieladaption des Buches inszeniert.

Bei der Besetzung seines zweiten Langfilms griff Welles, wie schon beim Vorgängerwerk Citizen Kane, überwiegend auf Mitglieder des Mercury Theatres zurück, darunter Joseph Cotten, Agnes Moorehead und Erskine Sanford. Ray Collins war der einzige Darsteller, der bereits an der Hörspielversion mitgewirkt hatte. Die Filmmusik komponierte Bernard Herrmann, der spätere Regisseur Robert Wise war für den Schnitt zuständig.

Die Dreharbeiten begannen am 28. Oktober 1941 und dauerten bis zum 22. Januar 1942. Das Set der Amberson-Villa zählte zu den teuersten und aufwändigsten Kulissenbauten seiner Zeit. Die Winterszenen wurden in einem stillgelegten Eishaus gedreht. Insgesamt kostete der Film geschätzte 850.000 US-Dollar.

Orson Welles bediente sich zahlreicher Techniken und Stilmittel, die er bereits in Citizen Kane angewandt hatte. Dazu zählen die Schärfentiefe, ungewöhnliche Einstellungen und Überblendungen sowie lange Kamerafahrten. Der Glanz des Hauses Amberson war zudem einer der ersten Filme, dessen Vor- und Abspann vorgelesen werden.

Die ursprüngliche Fassung des Films dauerte 138 Minuten und wurde erstmals im Rahmen einer Testvorführung in Pomona gezeigt. Die Zuschauerreaktionen waren überwiegend negativ. George Schaefer, der Präsident von RKO Pictures, schrieb in einer Nachricht an Welles: „Never in all my experience in the industry have I taken so much punishment or suffered as I did at the Pomona preview“.

Eine 15 Minuten kürzere Version, die wenig später in Pasadena gezeigt wurde, erhielt zwar wesentlich bessere Kritiken, dennoch beschloss RKO eine massive Kürzung des Films und den Dreh einer neuen Schlussszene, die dem Ende der Romanvorlage näher kommen sollte.

Da Welles bereits an seinem nächsten Projekt in Brasilien arbeitete, übernahm Robert Wise die Verantwortung für die Änderungen an Der Glanz des Hauses Amberson und führte bei den Nachdrehs Regie. Welles stand mit dem Studio in ständigem Kontakt, viele seiner Telegramme und Memos wurden jedoch ignoriert.

Letztendlich kürzte RKO den Film um etwa 50 Minuten. Auch Bernard Herrmanns Filmmusik wurde teilweise verfremdet und durch Kompositionen von Roy Webb ersetzt. Herrmann ließ aus diesem Grund seinen Namen aus dem Vorspann entfernen. Das herausgeschnittene Filmmaterial wurde später vollständig zerstört, um Lagerplatz freizumachen. Eine Kopie des Rohschnitts, die sich Welles nach Brasilien schicken ließ, konnte bis heute nicht gefunden werden. Orson Welles kommentierte die gekürzte Fassung seines Films mit den Worten, sie sehe aus als „sei sie von einem Rasenmäher geschnitten worden“.

Die Premiere fand am 10. Juli 1942 statt. Das Filmplakat stammte von Norman Rockwell. Ursprünglich wurde der Film als Double Feature mit Leslie Goodwins Mexican Spitfire Sees a Ghost gezeigt. In den westdeutschen Kinos war Der Glanz des Hauses Amberson erstmals im Jahr 1966 zu sehen.

Der Film wurde ein kommerzieller Misserfolg und bescherte dem Studio einen Verlust von über 600.000 Dollar. Welles’ Vertrag mit RKO wurde daraufhin gekündigt. Er selbst sagte später: „They destroyed Ambersons and it destroyed me.“ Noch zwanzig Jahre später erwog der Regisseur, einen Epilog zum Film zu drehen. Diese Idee wurde jedoch nie umgesetzt.

2002 entstand auf der Grundlage des Originaldrehbuchs ein Fernsehfilm, in dem Madeleine Stowe, Bruce Greenwood und Jonathan Rhys Meyers die Hauptrollen spielten.

Kritik[Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: Kraftvoll inszeniert, hervorragend in der Kameraarbeit, mit vorzüglichen darstellerischen Leistungen. Selbst nachträgliche Eingriffe - Robert Wise wurde vom Studio nach katastrophalen ersten Aufführungen beauftragt, den Film von ursprünglich 138 Minuten rigoros zu kürzen und ihm ein vergleichsweise hoffnungsvolles Ende aufzupfropfen - konnten dem Drama nichts von seiner Eindringlichkeit nehmen.[1]
  • Evangelischer Filmbeobachter: In nicht ganz so kräftigen Strichen wie beim „Citizen Kane“ zeichnet Orson Welles in seinem zweiten Film wiederum das Bild der spätkapitalistischen amerikanischen Gesellschaft. Am Beispiel der Familie Amberson und des Selfmademan Eugèn Morgan macht er Verfall und Aufstieg deutlich aus der Distanz des interessierten Zuschauers. Beim Vergleich mit den kunstvoll arrangierten Bildfolgen junger Filmemacher merkt man erst, wie modern Welles schon vor 25 Jahren war.[2]
  • 1972 und 1982 befand sich Der Glanz des Hauses Amberson auf der Top-Ten-Liste des Magazins Sight & Sound, die alle zehn Jahre gewählt wird.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Academy Awards 1943

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film für Orson Welles
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für Agnes Moorehead
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera (Schwarzweiß-Film) für Stanley Cortez
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild (Schwarzweiß-Film) für Albert S. D'Agostino, A. Roland Fields und Darrell Silvera

New York Film Critics Circle Award 1942

National Film Preservation Board

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert L. Carringer: The Magnificent Ambersons - A Reconstruction. University of California Press 1993. ISBN 0-520-07857-8
  • V.F. Perkins: Magnificent Ambersons. BFI Publishing 2000. ISBN 0-85170-373-9

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

 Commons: Der Glanz des Hauses Amberson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Glanz des Hauses Amberson im Lexikon des Internationalen Films
  2. Kritik Nr. 106/1967, S. 145