Der Golem, wie er in die Welt kam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Der Golem, wie er in die Welt kam
Golem 1920 Poster.jpg
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1920
Länge (1922 m) ca. 87 Minuten
Stab
Regie Paul Wegener,
Carl Boese
Drehbuch Paul Wegener,
Henrik Galeen
Produktion Paul Davidson
für Projektions-AG Union
Musik Hans Landsberger
Kamera Karl Freund
Besetzung

Der Golem, wie er in die Welt kam ist ein expressionistischer deutscher Film von Paul Wegener und Carl Boese aus dem Jahr 1920. Er gilt als Klassiker des deutschen Stummfilms.

Handlung[Bearbeiten]

Prag im 16. Jahrhundert: An der Stellung der Sterne erkennt Rabbi Löw, dass große Gefahr für das jüdische Ghetto droht. Er entschließt sich daraufhin, den Golem, einen künstlichen Menschen aus Lehm, zum Leben zu erwecken. Der Golem soll laut alten jüdischen Legenden Unheil abwenden. Und tatsächlich verkündet der Kaiser ein Dekret gegen die Juden. Diese sollen die Stadt verlassen. Die Urkunde wird von Junker Florian der jüdischen Gemeinde und Rabbi Löw übergeben. Bei dieser Gelegenheit verlieben sich der christliche Junker und die Tochter des Rabbi Löw mit Namen Mirjam. Rabbi Löw möchte den Kaiser umstimmen und schreibt ihm eine Nachricht, in der er auf seine Verdienste verweist und um eine Audienz bittet. Diese wird ihm während eines Festes gewährt. Der Rabbi nimmt den Golem mit, und als die Kaiserburg durch magische Kräfte einzustürzen droht, kann der Rabbi dies mit Hilfe des Golems verhindern. Zum Dank nimmt der Kaiser das Dekret gegen die Juden zurück.

Während der Rabbi sich in der Kaiserburg aufhält, schleicht Junker Florian unerkannt zu Mirjam ins Haus des Rabbi. Als der Rabbi in sein Haus zurückkehrt, nimmt er dem Golem (gegen dessen Willen) den lebensgebenden Stern von der Brust, woraufhin dieser nach hinten umkippt und liegenbleibt. Dann wird der Rabbi zu einer Dankesfeier in den Tempel gerufen. Der Gehilfe des Rabbi bemerkt den christlichen Eindringling, erweckt aus Eifersucht den Golem wieder zum Leben und gibt ihm den Auftrag, den Junker zu vertreiben.

In einem Kampf wirft der Golem den Junker vom Dach des Hauses. Danach setzt er das Haus in Brand und schleift Mirjam fort. Der Golem bricht das Tor der Stadt auf und geht aufs freie Feld hinaus. Er hebt eines der Kinder, die auf den Wiesen spielen, zu sich hinauf. Das Mädchen ist von dem Stern auf der Brust des Golems fasziniert und nimmt ihn an sich. Daraufhin stürzt der Golem leblos zu Boden.

Kritiken[Bearbeiten]

„Wegeners Film war einer der künstlerisch wie geschäftlich größten Erfolge der deutschen Stummfilmproduktion, dessen außergewöhnliche, von Jugendstil und Expressionismus bestimmte Bild- und Dekorgestaltung bis heute nichts von ihrer suggestiven Wirkung eingebüßt hat.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

„Berühmte Golem-Verfilmung von Paul Wegener aus der expressionistischen Periode des deutschen Stummfilms. Die beispielhafte Bildgestaltung verleiht dem Werk hohen künstlerischen Rang. Ein Klassiker, den alle Filmkunstfreunde sehen müßten.“

Evangelischer Filmbeobachter (Kritik Nr. 79/1967)

Anmerkungen[Bearbeiten]

Der Film wurde nach dem Sagenkreis um den Prager Rabbiner Judah Löw gedreht. Bemerkenswert ist die plastische Filmarchitektur von Hans Poelzig und Kurt Richter im Stil des Expressionismus. Sie trägt maßgeblich zum märchenhaft-romantischen Gesamteindruck des Filmes bei. Gedreht wurde 1920 im Ufa-Union-Atelier und auf dem Ufa-Freigelände in Berlin-Tempelhof. Die Uraufführung fand am 29. Oktober 1920 in Berlin im Ufa-Palast am Zoo statt.

Der Film war einer der international größten Erfolge des deutschen Stummfilms. In monatelang ausverkauften Vorstellungen war der Film in den Vereinigten Staaten und sogar in China zu sehen.

Der New Yorker Gitarrist Gary Lucas komponierte 1989 einen neuen Soundtrack zu Der Golem[2]. Auszüge des Soundtracks sind auf der CD Skeleton at the Feast (1990) zu hören[3]. Eine DVD des Stummfilms unterlegt mit einem live Mitschnitt des Soundtracks erschien 1999 im Eigenverlag.

Im Jahre 2002 wurde der Film in einer durch das Münchener Filmmuseum restaurierten und viragierten Fassung auf Arte ausgestrahlt, versehen mit einer neuen Musik (von Aljoscha Zimmermann). Der US-amerikanische Musiker Frank Black stellte 2008 seine Neuvertonung des Filmes vor, die er im Auftrag des San Francisco Film Festivals komponiert hatte.

In der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ in der Episode „Treehouse of Horror XVII“ gibt es eine Anspielung auf den Film.

DVD[Bearbeiten]

  • Paul Wegeners Der Golem, Restaurierte Fassung mit neuer Musik, Transit Classics - Deluxe Edition, 2004

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilona Brennicke, Joe Hembus: Klassiker des deutschen Stummfilms. 1910–1930 (= Goldmann 10212 Goldmann Magnum. Citadel Filmbücher). Goldmann, München 1983, ISBN 3-442-10212-X.
  • Elfriede Ledig: Paul Wegeners Golem-Filme im Kontext fantastischer Literatur. Grundfragen zur Gattungsproblematik fantastischen Erzählens (= Diskurs Film. Bibliothek. Bd. 1). Schaudig, Bauer & Ledig, München 1989, ISBN 3-926372-51-6 (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1987).
  • Christiane Mückenberger: Der Golem, wie er in die Welt kam. In: Günther Dahlke, Günter Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. 2. Auflage. Henschel-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-89487-009-5, S. 46 ff.
  • Matei Chihaia: Der Golem-Effekt. Orientierung und phantastische Immersion im Zeitalter des Kinos (= Machina. Bd. 1). transcript-Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1714-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Golem, wie er in die Welt kam im Lexikon des Internationalen Films
  2. http://www.garylucas.com/www/golem/
  3. http://garylucas.com/www/disc/skel/skelMAIN.html