Der Grabhügel

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Der Grabhügel ist ein Märchen (ATU 815, 1130). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 6. Auflage von 1850 an Stelle 195 (KHM 195) und basiert auf Philipp Hoffmeisters Das Mährchen vom dummen Teufel in der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde von 1847.

Inhalt[Bearbeiten]

Ein geiziger Bauer betrachtet seinen Reichtum. Dann hat er das Gefühl, das es an die Tür seines Herzens klopft, das nach seinem Leben befragt seine Selbstsucht gesteht. Er erschrickt und schenkt seinem armen Nachbarn, der an die Tür klopft, acht Malter Korn für seine hungrigen Kinder, unter der Bedingung, dass er drei Nächte an seinem Grab wachen soll. Drei Tage später stirbt der Bauer. In der dritten Nacht begegnet der furchtsame Nachbar einem abgedankten Soldaten, „der das fürchten noch nicht gelernt hat“, und mit ihm wacht. Dann kommt der Teufel, der sie verjagen will, um sich die verstorbene Seele zu holen. Als der Soldat sich furchtlos zeigt, verspricht er, ihm den Stiefel mit Gold zu füllen. Aber der Soldat schneidet die Sohle ab. Als es dem Teufel das dritte Mal misslingt, ihn zu füllen, vertreibt ihn der erste Sonnenstrahl. Der Soldat überlässt seinen Anteil am Gold den Armen und zieht mit dem anderen in seine Hütte.

Herkunft[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung nennt die Quelle, Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte Bd. 4 und nennt zum Vergleich aus Hessen in Wolfs Zeitschrift 1, 246 und in Pröhles Kinderm. Nr. 18. [1]

Wilhelm Grimm gestaltete den Anfang ausführlicher mit dem inneren Zwiegespräch des Reichen und verstärkte dafür die schwankhaften Züge der Grabwache durch harmlosere Beschreibungen und schalkhafte Reden, u.a. die Selbstcharakteristik des Soldaten, die auf KHM 4 Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen anspielt: „Ich bin wie der Junge, der ausgieng das Gruseln zu lernen“ und „Herr mit der rothen Feder,“ sprach der Soldat, „ihr seid mein Hauptmann nicht, ich brauch euch nicht zu gehorchen, und das Fürchten hab ich noch nicht gelernt.“ Die Handlung blieb gleich. Wilhelm Grimm fügte weitere Redensarten ein.[2]

Zum Armen und Reichen vgl. KHM 87 Der Arme und der Reiche, zum furchtlosen Soldaten mit geprelltem Teufel KHM 71, 81, 100, 101, 116, 125, 133, 199, 81a bzw. 29, 31, 82, 125, 165, 189, 81a. Die Darstellung des Teufels als Herr mit der roten Feder ist auch ähnlich in Jeremias Gotthelfs Novelle Die schwarze Spinne.

Die Kombination mit dem Danaidenmotiv des Schuhs ohne Boden scheint von Hoffmeister zu stammen, alle Varianten hängen von Grimms Fassung ab.[3] So bleibt als Kern der im slawischen, skandinavischen und deutschen Raum verbreitete Erzähltyp AaTh 815 Schatz in der Totenhaut (meist schindet der Teufel die Leiche). Der Helfer ist oft Pfarrer oder Soldat, Letzterer geht immer ins schwankhafte. Man vermutet ursprünglich Wiedergängersagen, die christianisiert und mit dem Geld rationalisiert wurden.[4]

Zeichentrickserie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 792–795. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 273, 514-515. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Rölleke, Heinz (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert. 2., verb. Auflage, Trier 2004. S. 504–511, 583. (Wissenschaftlicher Verlag Trier; Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35; ISBN 3-88476-717-8)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 398–400. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)
  • Uther, Hans-Jörg: Danaiden. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 3. S. 267–270. Berlin, New York, 1981.
  • Lixfeld, Hannjost: Grabhügel. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 6. S. 69–72. Berlin, New York, 1990.
  • Brednich, Rolf Wilhelm: Grabwache. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 6. S. 79–80. Berlin, New York, 1990.
  • Hauschild, Christiane: Schatz in der Totenhaut. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 11. S. 1277–1280. Berlin, New York, 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der Grabhügel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 273, 514-515. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  2. Rölleke, Heinz (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert. 2., verb. Auflage, Trier 2004. S. 504–511, 583. (Wissenschaftlicher Verlag Trier; Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35; ISBN 3-88476-717-8)
  3. Lixfeld, Hannjost: Grabhügel. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 6. S. 69–72. Berlin, New York, 1990.
  4. Hauschild, Christiane: Schatz in der Totenhaut. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 11. S. 1277–1280. Berlin, New York, 2004.