Der Hausmeister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten des Dramas
Titel: Der Hausmeister
Originaltitel: The Caretaker
Autor: Harold Pinter
Erscheinungsjahr: 1959
Uraufführung: 27. April 1960
Ort der Uraufführung: Arts Theatre in London
Personen
  • Davies
  • Aston
  • Mick, sein jüngerer Bruder

Der Hausmeister (englisch: The Caretaker) ist ein Theaterstück von Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter. Erschienen 1959, fand es seine Welturaufführung am 27. April 1960 im Londoner Arts Theatre mit Donald Pleasence als Davies, Peter Woodthorpe als Aston und Alan Bates als Mick unter der Regie von Donald McWhinnie, und wechselte einen Monat später an das größere Duchess Theatre. Von der Uraufführungsinszenierung wurden 444 Vorstellungen gegeben. Die deutschsprachige Erstaufführung in der Übersetzung von Michael Walter fand am 29. Oktober 1960 am Düsseldorfer Schauspielhaus statt mit Otto Rouvel als Davies, Klaus Knuth als Aston und Karl-Heinz Martell als Mick, Regie führte Friedhelm Ortmann.

Inhalt[Bearbeiten]

Der junge und, wie sich im Verlauf des Stückes herausstellen wird, mit mentalen Problemen kämpfende Aston bringt den Landstreicher Davies mit in seine heruntergekommene Bruchbude voller Gerümpel und lädt ihn ein, hier zu übernachten. Er hat ihn gerade noch vor einer Prügelei in einem nahegelegenen Café bewahrt und Davies - dessen wahre Identität nie wirklich klar wird, einmal nennt er sich Davies, dann wieder Bernard Jenkins - zieht, kaum angekommen, über die Belegschaft des Cafés, über die Schwarzen und überhaupt die ganzen Ausländer her. Müde und abgebrannt wie er ist, nimmt er das Angebot an, nicht ohne Aston vorher noch weitschweifig davon zu berichten, wo seine Sachen geblieben sind und wie er versucht hat, in einem Kloster im Norden Londons ein Paar Schuhe zu bekommen. Aston bietet ihm ein Paar gebrauchter Schuhe an, das er aber ablehnt. Schließlich ziehen die beiden unter dem Gerümpel ein Bett hervor und Davies legt sich erschöpft schlafen. Aston repariert während des gesamten Gesprächs - und schließlich sogar des gesamten Stückes - entweder einen alten Toaster oder einen Elektrostecker. Beides wird ihm bis zum Ende nicht gelingen. Außerdem behauptet er, mit dem im Zimmer herumstehenden Holz im Garten hinter dem Haus einen Schuppen errichten zu wollen.

Am nächsten Morgen geht Aston aus dem Haus, bietet aber Davies an zu bleiben. Der stöbert sofort in den Sachen herum, wird aber von einem Fremden überrascht, zur Rede gestellt und mit merkwürdigen Spielchen und Fragen zu seiner Identität irritiert. Es handelt sich um Mick, Astons jüngeren Bruder, dem das Wohnhaus zu gehören scheint und der sich angeblich mit dem Gedanken trägt, den ganzen Komplex in eine moderne Wohnung mit Penthouse zu verwandeln. Als Aston zurückkommt und Davies Tasche mitbringt, die dieser im Café vergessen hatte, spielt Mick wieder seine Spielchen mit dem Alten, bis er schließlich verschwindet. Bei der Tasche handelt es sich allerdings gar nicht um die von Davies, Aston gibt zu, dass es eine andere ist, hat aber ein Hemd und eine Hausjacke für den Alten mitgebracht. Der lehnt das Hemd ab, nimmt aber die Jacke. Plötzlich bietet Aston ihm an, Hausmeister bei ihm zu werden. Davies zögert.

Als Davies wieder einmal in die Bude zurückkommt, ist Mick da und spielt erneut sein Spielchen mit ihm, zieht ihn aber dann ins Vertrauen und fragt ihn nach seiner Ansicht über seinen Bruder, mit dem etwas nicht ganz in Ordnung sei. Auch das entpuppt sich letztendlich als Falle, wie man überhaupt bei Mick nie so recht weiß, woran man ist. Dann allerdings bietet auch er Davies plötzlich den Hausmeisterposten an.

Davies fängt an sich bei Aston wohlzufühlen, klagt aber eines morgens über die Kälte und den Windzug im Zimmer. Und neue Schuhe hat er immer noch keine. Aston erzählt ihm in einem langen Monolog die Geschichte seiner Verwirrung, wie er schließlich zur Elektroschockbehandlung gezwungen wurde und wie ihn seine Mutter enttäuscht hat.

Zwei Wochen später ist Davies immer noch da und beschwert sich bei Mick über Aston. Im Gegenzug erklärt Mick ihm detailliert, wie er das Haus umzubauen gedenkt. Als Aston zurückkommt, verschwindet Mick. Aston hat ein Paar Schuhe für Davies dabei, der allerdings ist wieder unzufrieden, klagt und jammert, bis Aston wortlos verschwindet.

Am nächsten Morgen kommt es wieder zu einem großen Streit zwischen den beiden, Davies lässt sich dazu hinreißen, Aston als ehemaligen Insassen einer Irrenanstalt und als Durchgeknallten zu beschimpfen, Aston wirft ihn hinaus, Davies allerdings zieht ein Messer und beruft sich auf Micks Angebot. Aston lässt sich nicht einmal davon beeindrucken und setzt ihn vor die Tür.

Davies kommt mit Mick zurück, Aston ist nicht da. Als Davies sich bei Mick über den Bruder auslässt, muss er merken, dass er den Zusammenhalt der beiden unterschätzt hat. Mick fängt wieder eines seiner Spielchen mit ihm an, nennt ihn schließlich ein wildes Tier und einen Barbaren, wirft ihm eine Münze hin und zerschmettert vor seinen Augen Astons kleine Buddhastatue. Aston kommt zurück, Mick geht. Davies versucht noch einmal, sich bei Aston einzuschmeicheln, bietet Hilfe bei der Wohnung, beim Schuppen an, zieht aber den Kürzeren. Schließlich steht er hilflos im Zimmer und weiß, dass er den Kampf verloren hat.

Entstehung[Bearbeiten]

Pinter hat bei mehreren Gelegenheiten betont, dass es für die Figuren keine realen Vorbilder gab, dass er allerdings zum einen aus Eindrücken und Begebenheiten seiner Zeit als junger Schauspieler in London schöpfte und zum anderen die Figuren und die freie Theaterauffassung Samuel Becketts bewundert habe. Auch aus diesem Grund hat man Pinters frühe Stücke, auch den Hausmeister, immer wieder zum Theater des Absurden gerechnet, obwohl Pinter selbst dazu keinerlei Aussagen machen wollte, wie er überhaupt so gut wie nie dazu bereit war, Hinweise oder Interpretationshilfen zu seinen Stücken zu liefern.

Wirkung[Bearbeiten]

Kritik und Theaterleitung waren vor der Uraufführung sehr skeptisch, da die Stücke Pinters in den Spielzeiten zuvor allesamt durchgefallen waren. Allerdings stellte sich schon bei der Premiere heraus, dass hier etwas Großes im Gange war. Das Publikum war begeistert und die Kritiken schließlich hervorragend. Der Hausmeister lief vor vollem Haus, musste nach wenigen Wochen ins größere Duchess Theatre verlegt werden, wurde zum großen Hit der Londoner Theatersaison 1960 und stahl dabei einer anderen Theaterproduktion, die zum Knüller des Jahres hätte werden sollen, die Show: Orson Welles hatte Ionescos Groteske Die Nashörner mit Laurence Olivier in der Hauptrolle für das Royal Court Theatre inszeniert. Der junge Pinter und sein Hausmeister allerdings machten das Rennen. The Caretaker wurde in viele Sprachen übersetzt und weltweit ein großer Erfolg, Pinter zu einem berühmten jungen Theaterautor.

Harold Pinter inszenierte das Stück erst 1991 selber, Donald Pleasence spielte dabei noch einmal - 31 Jahre nach der Uraufführung - den Davies. Andere große Schauspieler wie John Hurt (1972), Jeremy Irons (1973), Jonathan Pryce (1980) oder Michael Gambon (2000) waren in den immer wieder neuen Londoner Inszenierungen des Stückes zu sehen.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1963 The Caretaker (GB, Regie: Clive Donner, Buch: Harold Pinter, Kamera: Nicolas Roeg, mit Donald Pleasence als Davies, Robert Shaw als Aston und Alan Bates als Mick - Harold Pinter hat einen Kurzauftritt als Gast, eine Rolle, die es im Stück nicht gab; der Film wurde u. a. produziert von Elizabeth Taylor, Richard Burton und Noel Coward.)
  • 1966 The Caretaker (GB, Fernsehfilm als "ITV Play of the Week"; Regie: ?, mit Roy Dotrice als Davies, John Rees als Aston und Ian McShane als Mick)
  • 1971 Viceværten (Dänemark, Fernsehfilm, Regie: Palle Wolfsberg, mit Paul Hagen als Davies, Bent Mejing als Aston und Baard Owe als Mick)
  • 1973 Der Hausmeister (Deutschland, Fernsehfilm, Buch und Regie: August Everding, mit Heinz Rühmann als Davies, Gerd Baltus als Aston und Michael Schwarzmaier als Mick)
  • 1984 Le Gardien (Frankreich, Fernsehfilm, Regie: Yves-André Hubert, Buch: Eric Kahane, mit Jacques Dufilho als Davies, George Claisse als Aston und Alain Fourès als Mick)
  • 1984 De Huisbewaarder (Belgien, Fernsehfilm, Regie: Vincent Rouffaer und Walter Tillemans, mit Julien Schoenaerts als Davies, Bert André als Aston und Leslie de Gruyter als Mick)
  • 2004 Fastighetsskötaren (Schweden, Fernsehfilm, Regie: Thommy Berggren, Buch: Thommy Berggren und Olov Jonasson, mit Ingvar Hirdvall als Davies, Johan Rabaeus als Aston und Peter Andersson als Mick)

Buchausgabe[Bearbeiten]

Harold Pinter: Die Geburtstagsfeier; Der Hausmeister; Die Heimkehr; Betrogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001, ISBN 3-499-12905-1

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Billington: Life and Work of Harold Pinter, London: Faber And Faber, 1997, ISBN 978-0-571-23476-9
  • Heinz Eikmeyer: Angst und Furcht in den Dramen Harold Pinters, Reihe Neue Studien zur Anglistik und Amerikanistik Band 51, Frankfurt am Main: Peter Lang, 1990, ISBN 978-3-631-43050-7
  • Martin Esslin: Harold Pinter, Velber: Friedrich 1967, ISBN 3-423-06838-8
  • Rüdiger Imhof: Harold Pinters Dramentechnik, Bonn: Bouvier, 1976
  • Bill Naismith: Harold Pinter "The Caretaker", "Birthday Party", "The Homecoming" (Faber Critical Guides), London: Faber And Faber, 2000, ISBN 978-0-571-19781-1
  • Karl-Heinz Stoll: Harold Pinter. Ein Beitrag zur Typologie des neuen englischen Dramas, Düsseldorf: Bagel, 1977, ISBN 3-513-02130-5

Weblinks[Bearbeiten]