Der Jude von Malta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Jude von Malta ist ein Drama des englischen Dramatikers Christopher Marlowe (1564–1593) nach italienischen Quellen aus der Zeit des Machiavelli, das 1592 in London uraufgeführt wurde.

Das Drama behandelt exemplarisch den Konflikt der drei monotheistischen Weltreligionen, ein Konflikt, den auch Lessing zur Zeit der Aufklärung in der deutschen Literatur in seinem Schauspiel „Nathan der Weise“ deutete. Im Unterschied zu Lessing gilt die Tragödie Der Jude von Malta von Marlowe bei den Kritikern als antisemitisch, ist aber als ein (negatives) Beispiel für den Umgang der drei Religionen miteinander wieder aktuell geworden. Neuere Inszenierungen erfolgen gegenwärtig u.a. auf amerikanischen, britischen und deutschen Bühnen.

Handlung[Bearbeiten]

Dem Drama vorangestellt ist ein Prolog, in dem der italienische Staatsphilosoph Machiavelli auftritt. Dieser verweist allgemein auf den rücksichtslosen Gebrauch der Macht durch die Protagonisten des anschließenden Dramas, hat aber sonst keinen direkten Bezug zur weiteren Handlung:

Der osmanische Herrscher lässt einen langjährigen Tribut bei der Bevölkerung von Malta einfordern. Da diese den horrenden Tribut nicht zahlen kann, werden die reichen Juden der Insel zur Bezahlung verpflichtet. Barabas, der reichste Jude Maltas, weigert sich, und der Gouverneur Farnese befiehlt, seinen Besitz zu konfiszieren; sein Besitztum wird ein Kloster für katholische Nonnen. Empört über den Raub seines Vermögens, fängt Barabas ein raffiniertes Komplott an, um den Gouverneur zu entmachten. Er drängt seine Tochter Abigail, als Nonne in das Kloster zu gehen und einen verborgenen Schatz zu rauben, den er für Fälle der Not in seinem Haus versteckt hatte. Barabas kommt dank seiner Tochter wieder zu Geld. Skrupellos betrügt er den Geliebten seiner Tochter, der bei einem Duell getötet wird, und ermordet dann auch den Täter, begeht Massenmord an katholischen Nonnen und Priestern und vergiftet seinen ergebenen türkischen Hausgehilfen Ithamore. Barabas entgeht der Strafe, indem er verschwindet und den Türken bei der Eroberung Maltas hilft. Er führt den osmanischen Trupp durch einen geheimen Gang in die Stadt, die erobert wird. Die Türken ernennen Barabas nun zum Gouverneur. Er bietet nun seinem Vorgänger, dem Gouverneur Farnese, Waffenhilfe gegen die moslemische Besetzung an. Aber dieser erkennt die hinterhältigen Ränke des Juden und lässt ihn verhaften. Barabas, angeklagt wegen seiner Verbrechen, stürzt in das kochende Wassers des Kessels, in dem verurteilte Türken umgebracht werden sollten. Vergeblich ruft er nun die Christen um Hilfe. Die christlichen Kreuzritter siegen letztlich. Malta wird zerstört.

Charaktere[Bearbeiten]

  • Barabas, der Jude von Malta, ist ein Kaufmann, der mehr Vermögen als all die reichen Christen in Malta besitzt. Er wird als abgefeimt und zynisch, blutrünstig und berechnend, habgierig und heuchlerisch, intelligent und intrigant dargestellt. Barabas ist ein Mensch ohne Gewissen und ohne Glauben, ein gemeingefährlicher Charakter, der in seinem Handeln nur nach Macht und Reichtum strebt. Er ist damit eine stark von antisemitischen Vorurteilen inspirierte Figur.[1]
  • Ithamore ist ein junger Thrakier, ein ehemaliger Sklave, den Barabas dem spanischen Vizeadmiral abgekauft hat. Er wird ein ergebener Gehilfe seines Dienstherrn Barabas und versucht ihm bei allen Schandtaten gewissenlos nachzueifern. Er verrät letztlich seinen eigenen Herrn und wird von ihm getötet.
  • Farnese, der Gouverneur von Malta, ist Barabas größter Gegner. Er ist Christ, gesetzestreu, aber skrupellos, was seine Interessen betrifft. Er stellt sich als Hüter der öffentlichen Ordnung dar und ist im Wesentlichen ein frommer Heuchler. „Mit Blut beflecken wir uns nicht, das wäre gegen unseren Glauben“, sagt der Christ, als er den Juden enteignet, um den Moslem zu bekämpfen.
  • Abigail, die schöne Tochter von Barabas, wurde von ihrem Vater dem Don Lodowick versprochen, den sie aber nicht liebte, sondern Mathias, einen anderen edlen Mann; seinetwegen wurde sie Nonne. Abigail wurde von Ithamore im Auftrag des Vaters vergiftet. Barabas bedauerte den Tod der Tochter nicht, weil sie, die Jüdin, sich als Nonne zum Christentum bekannte.
  • Selim Calimath, Sohn des Osmanenherrschers, erobert mit Hilfe Barabas die Stadt und wird gefangengenommen; Farnese, der Gouverneur, bewahrt ihn vor dem Tode, aber behält ihn im Gefängnis.
  • Martin del Bosco, Vizeadmiral von Spanien, treibt die christlichen Ritter zum Kampf gegen die Türken;
  • Bellarmina, Kurtisane, erfährt von Ithamore, dem sie eine Liebesstunde gewährt, dass er und Barabas beide gemordet haben und hinterbringt diese Neuigkeit Farnese, dem Gouverneur.

Stil und Sprachform[Bearbeiten]

Christopher Marlowe schuf das Versdrama in Blankversen. Der Blankvers besteht aus fünfhebigen Jamben wie im folgenden Beispiel gezeigt wird: My name is Barabas. I am a Jew.

Quellen[Bearbeiten]

  • The Jew of Malta ; Project Gutenberg
  • Marlowe, Christopher. The Jew of Malta. David Bevington, ed. Revels Student Editions. New York, Manchester University Press, 1997.

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

Adaption[Bearbeiten]

Kammeroper von Andre Werner, uraufgeführt 2002 zur 8. Biennale München

Belege[Bearbeiten]

  1. siehe T.W. Adorno, Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung (PDF-Datei; 617 kB) S. 72ff