Der König Kandaules

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Der König Kandaules ist eine Oper von Alexander Zemlinsky. Das Libretto stammt vom Komponisten selbst und ist eine Adaption von André Gides Drama Le Roi Candaule. Die Geschichte ist ein schon bei Herodot erwähnter alter Sagenstoff aus dem antiken Kleinasien und handelt von der Entthronung der angestammten lydischen Königsdynastie durch Gyges, dem Begründer der Mermnaden.

Als der Komponist aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 vor den Nazis nach New York fliehen musste, war erst der größte Teil des ersten Aktes instrumentiert - vom Ende des ersten sowie des gesamten zweiten und dritten Aktes gab es immerhin das vollständige Particell. Da im zweiten Akt eine kurze Nacktszene vorgesehen war und Artur Bodanzky, damaliger Chefdirigent der Metropolitan Opera Zemlinsky zu verstehen gab, dass dies in den USA unaufführbar sei, gab Zemlinsky die Arbeit an der Oper auf. Erst 1994 wurde die Orchestrierung von Antony Beaumont fertiggestellt, die Uraufführung erfolgte am 6. Oktober 1996 in Hamburg. Mittlerweile ist diese Oper schon vielfach produziert worden und gilt nunmehr als nicht nur eines von Zemlinskys populärsten Werken, sondern auch als eine der wichtigen Opern des 20. Jahrhunderts.

Handlung[Bearbeiten]

Der König Kandaules und der Fischer Gyges kennen einander seit der Kindheit, haben sich aber seither entfremdet. Kandaules ist sehr stolz auf die Schönheit seiner Gattin Nyssia und nimmt die Gelegenheit eines Festes wahr, sie zum ersten Mal seinen Höflingen zu präsentieren, wobei er ihren Gesichtsschleier lüftet. Alle sind von ihrer Schönheit begeistert. Bei diesem Fest wird auch ein Karpfen serviert, in dessen Inneren ein Ring gefunden wird, der die Aufschrift trägt "Ich verberge das Glück". Der Fischer Gyges, der deswegen herbeigerufen wird, erfährt bei dieser Gelegenheit von der Untreue seiner Frau und ermordet sie. Die Freundschaft zwischen Gyges und Kandaules lebt wieder auf und Kandaules möchte sie besiegeln, indem er mit Gyges seinen kostbarsten Schatz teilt - den Anblick seiner Frau. Kandaules drängt dem sich anfangs wehrenden Gyges den im Fisch gefundenen Ring auf, von dem er mittlerweile herausgefunden hat, dass er magisch ist und die Fähigkeit hat, seinen Träger unsichtbar zu machen. Nyssia betritt nun das Schlafzimmer, Kandaules geht und Gyges ist mit Nyssia allein. Er verbringt die Nacht mit ihr. Am nächsten Tag schwärmt Nyssia Kandaules von der letzten Nacht vor, was diesen nunmehr rasend eifersüchtig macht. Gyges wiederum wird so von Gewissensbissen geplagt, dass er Nyssia den Betrug beichtet. Die tief in ihrer Ehre gekränkte Königin rächt sich nun, indem sie Gyges zwingt, Kandaules zu töten und sich an seine Stelle zu setzen. Somit ist Gyges jetzt König an Nyssias Seite, aber kaum weniger besiegt als sein Freund und Widerpart Kandaules.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Uwe Sommer: Alexander Zemlinsky: Der König Kandaules. (Musik-Konzepte; Heft 92/94). München 1996: Edition Text und Kritik, ISBN 3-88377-546-0