Der Knochenmann (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Knochenmann
Originaltitel Der Knochenmann
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 121 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
JMK 14[1]
Stab
Regie Wolfgang Murnberger
Drehbuch Josef Hader,
Wolfgang Murnberger,
Wolf Haas
Produktion Danny Krausz,
Kurt Stocker
Musik Sofa Surfers
Kamera Peter von Haller
Schnitt Evi Romen
Besetzung

Der Knochenmann ist ein österreichischer Kriminalfilm aus dem Jahr 2009. Der Film enthält Elemente der Schwarzen Komödie und der Groteske und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas, der auch am Drehbuch mitwirkte. Er bildet die Fortsetzung zu den zuvor entstandenen Buchverfilmungen Komm, süßer Tod (2000) und Silentium (2004). Kinostart in Österreich war am 6. März 2009.[2] In Deutschland startete der Film bereits ab dem 19. Februar 2009 im Majestic Filmverleih.[3] Weltpremiere hatte er am 9. Februar 2009 bei der 59. Berlinale. Mit über 280.000 Kinobesuchen alleine in Österreich ist der Film der sechsterfolgreichste Film seit Beginn der österreichweiten Kinobesuchererfassung 1981.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung beginnt in Bratislava, wo es in einem Bordell zu einem Zwischenfall kommt: Ein Zuhälter wird von einem offenbar verärgerten Kunden aus einem Fenster im ersten Stock geworfen. Sein Freund Evgenjev kann jedoch das Autokennzeichen des flüchtenden Täters fotografieren.

Kurz darauf bekommt Brenner von seinem Freund Berti, der in Wien eine Autoleasingfirma betreibt, den Auftrag, von dem Maler Horvath, der angeblich im Gasthof Löschenkohl in der Steiermark residiert, ausstehende Leasingraten einzutreiben. In Klöch angekommen stößt Brenner auf Missmut und Schweigen. Weder der Wirt noch die Kellnerin wollen ihm irgendwas über den Aufenthaltsort des Malers erzählen. Als Brenner schon wieder abreisen will, bietet ihm der Juniorchef Paul, der in Brenner einen Privatdetektiv zu erkennen glaubt, an, für ihn eine Observation durchzuführen: Der Wirt – Pauls Vater – lässt auffällig viel Geld aus dem Betrieb verschwinden. Brenner lehnt die Beschattung zunächst ab, aber als er dann Pauls Ehefrau Birgit (Gitti) kennenlernt, entschließt er sich, zunächst vor Ort zu bleiben.

Am folgenden Abend taucht der Freund des toten Zuhälters in Klöch auf und versucht den alten Löschenkohl zu erpressen. Dieser hatte nämlich den Zuhälter aus dem Fenster geworfen und zu dem Vorfall gibt es eine Video-Aufzeichnung. Als der Erpresser damit droht, die Prostituierte Valeria, die Geliebte des Wirts, in ein Bordell in der Türkei zu verkaufen bzw. sie in einem Snuff-Video ermorden zu lassen, tötet ihn der Wirt und zerlegt die Leiche in seinem Schlachtraum im Keller. Doch dabei wird er von der Freundin des Toten überrascht. Als diese – von Löschenkohl verfolgt – flüchtet, kommt sie mit ihrem Wagen von der Straße ab und überschlägt sich. Der Wirt schiebt den Unfallwagen mit der Schwerverletzten schließlich in einen Bach, so dass die Frau ertrinkt. Das Fleisch des Toten wird zu Gulasch verarbeitet.

Zufällig entdeckt Paul am Morgen darauf das Wrack, in dessen Innerem er eine Tasche findet, die er an sich nimmt. Zu Hause entdeckt er darin die Todesanzeige des Zuhälters aus Bratislava und ein Videoband, das seinen Vater bei der Tat in Bratislava zeigt. Auch Paul will ihn nun damit erpressen, doch der alte Löschenkohl hat nur Verachtung und Sarkasmus für seinen Sohn übrig. Paul geht zur Polizei, um den Vorfall anzuzeigen und legt dem Polizisten als Beweis die Todesanzeige vor. Doch der nimmt Paul nicht ernst und führt ihn in einen Nebenraum, wo sich der vermeintlich tote Zuhälter befindet. Es stellt sich heraus, dass dieser sich bei dem Sturz aus dem Fenster lediglich ein Bein gebrochen hat. Der Erpressung lag also eine Lüge zugrunde. Der Zuhälter kann Paul überreden, ihn zum alten Löschenkohl zu führen, um endlich zu erfahren, wo sich sein verschwundener Freund befindet.

Brenner bekommt von all dem zunächst nichts mit, denn zwischen ihm und Birgit entwickeln sich zarte Gefühle. Als er im Schlachtraum einen abgeschnittenen Finger findet, kommt Brenner jedoch ins Grübeln. Er glaubt, dass der Finger dem Maler Horvath gehören könnte. Während im Wirtshaus Löschenkohl ein großer Maskenball gefeiert wird, lösen sich die Rätsel allmählich auf: Die Kellnerin gibt sich als Horvath zu erkennen, der sich bis zu einer Geschlechtsumwandlung bei Löschenkohl hat verstecken wollen. Im Schlachtraum stößt Brenner auf den gefesselten Paul und den neben Schweinehälften aufgehängten Zuhälter, die beide vom Wirt dort eingesperrt wurden. Als der Wirt dazustößt, kommt es zu einem Kampf zwischen ihm und Brenner. Dabei wird Brenner vom Wirt ein Finger abgehackt und nur durch das Einschreiten von Paul, der sich von seinen Fesseln hat befreien können und seinem Vater ein Fleischermesser in den Rücken sticht, bleibt Brenner am Leben. Die Polizei beendet schließlich das Faschingsfest. Paul wird von Birgit verlassen, Brenner muss, um seinen gut gekühlten Finger zu retten, mit Berti zum Unfallkrankenhaus Meidling fahren. Der Film endet damit, dass Brenner und Berti wegen einer Panne auf einer Wiener Autobahn stehen und auf einen Rettungswagen oder einen Hubschrauber warten, damit Brenner mit seinem abgetrennten Finger noch rechtzeitig ins Krankenhaus kommt.

Unterschiede zur Romanvorlage[Bearbeiten]

Die Handlung wurde für die Verfilmung sehr stark verändert und weicht in vielem von der Romanvorlage ab. Josef Hader erklärt dies in einem Interview mit dem Magazin TBA so:

Im Buch kommt der Brenner Monate später, nachdem alles passiert ist, zum Löschenkohl und versucht in Gesprächen [...] herauszufinden, was war. Wenn dies Wolf Haas in seiner Sprache schildert, dann ist das sehr besonders und sehr witzig. Wir haben diese Sprache [...] aber nicht zur Verfügung. Wir hatten Angst, dass wir zu stark in einen normalen Who-done-it-Krimi hineinrutschen.

Josef Hader: TBA, (März, 03/2009)

Produktion[Bearbeiten]

Gasthaus „Löschenkohl”

Die Dreharbeiten zu dem Film fanden zwischen dem 21. Januar und dem 7. April 2008 statt. Hauptdarsteller waren wie in den Vorgängerfilmen u.a. Josef Hader und Simon Schwarz. Wie bei den beiden Vorgängern hat Wolf Haas, der Autor der Bücher, einen Cameo-Auftritt (diesmal auf dem Umschlag eines Buches, auf dem er als Autor genannt wird). Gedreht wurde in dem niederösterreichischen Ort Enzenreith, wo das "Café-Restaurant am Schrammelteich" als Filmset diente. Der Film wurde von DOR Film hergestellt. Für den Soundtrack war die österreichische Gruppe Sofa Surfers verantwortlich. Im Vorfeld des Kinostarts wurde Der Knochenmann noch einmal in der Filmversion als Buch vom Rowohlt Verlag veröffentlicht.

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

Der Film wurde bei Filmkritikern überwiegend positiv aufgenommen. Einige bezeichneten den Knochenmann sogar als die bislang beste Verfilmung der Brenner-Reihe. Oftmals gelobt wurden auch die Darsteller Josef Hader, Birgit Minichmayr und Josef Bierbichler. Außerdem wurde der groteske Schwarze Humor mehrmals hervorgehoben.

„Der Knochenmann ist Murnbergers dritte Verfilmung eines Brenner-Buchs von Haas und die bisher beste: viel Gespür für die Figuren, dialogische Brillanz und ein feiner Seiltanz zwischen Groteskem und Alltäglichem machen den Film – der von der Vorlage sehr stark abweicht – zur so opulenten wie lakonischen Horrorkomödie. Kleinere dramaturgische Schlaglöcher und unnötige inszenatorische Extravaganzen (besonders unangebracht: der an TV-Knaller wie „CSI“ erinnernde Vorspann) werden einmal mehr von Haders nuancenreicher Darstellung des Existenzialisten Brenner vergessen gemacht – auch weil der Figur dieses Mal außergewöhnliche emotionale Herausforderungen gestellt werden. Denn je länger sich der Brenner mit Minichmayrs Gitti beschäftigt, desto wärmer wird ihm ums Herz. Zu einer Coverversion des Opus-Sauflieds „Live Is Life“, stellt sie sich dann auch ein, diese unwahrscheinlichste und vielleicht schönste aller österreichischen Liebesgeschichten.“

Markus Keuschnigg: Die Presse, 9. März 2009

„Wer angesichts der dritten Kino-Adaption eines Wolf Haas-Romans erste Ermüdungserscheinungen befürchtet hatte, darf erleichtert aufatmen: Mit „Der Knochenmann“ ist Regisseur Wolfgang Murnberger und seinem Co-Autor bzw. Hauptdarsteller Josef Hader erneut eine kongeniale Krimi-Groteske gelungen, die ihren Vorgängern um nichts nachsteht. Dass die Krimihandlung diesmal über weite Strecken gar nicht im Vordergrund steht, überrascht zwar, stört aber keineswegs: Neben Mord, Erpressung und Provinzleben kreist die Story vor allem um ein Thema – die Liebe. Das verleiht dem Brenner-Universum eine ganz neue Tiefe und macht die Geschichte nicht weniger spannend, zumal die einzelnen Erzählstränge äußerst geschickt miteinander verwoben sind. Zudem kommen auch diesmal schwarzhumorige Momente, pointiert-derbe Dialoge, skurrile Nebenfiguren und groteske Grausamkeiten nicht zu kurz – Grauen und Lachen liegen einmal mehr nah beieinander, für schwache Mägen und Nerven ist also auch „Der Knochenmann“, trotz seines Fokus auf die Liebes-Thematik, nichts. Großartig auch, welch hervorragendes Darsteller-Ensemble der gewohnt geniale Josef Hader diesmal zur Seite gestellt bekam: Vor allem Josef Bierbichler und Birgit Minichmayr liefern absolut überzeugende und authentische Performances ab. Mit „Der Knochenmann“ ist dem Team um Murnberger und Hader ihre bisher beste Wolf Haas-Adaption gelungen – eine absolut spannende und höchst unterhaltsame Mischung aus Krimi-Komödie, Heimat- und Liebesfilm, die man sich nicht entgehen lassen sollte!“

Kurier, am 9. März 2009

„Der Knochenmann grenzt sich vor allem durch seinen trockenen, sarkastischen Humor von anderen Vertretern des Genres ab. Die förmlichen, aber unterschwellig aggressiven Dialoge zwischen Brenner und der Belegschaft des Wirtshauses sprühen nur so vor ironischem Witz. Josef Hader als stets etwas launischer Anti-Held Brenner ist dabei der unbestrittene Sympathieträger des Films, der mit einem ambitionierten Ermittler kaum etwas gemeinsam hat und der Beweissuche schon einmal einen Joint mit Birgit (Birgit Minichmayr), der Schwiegertochter des Wirts, vorzieht.“

Critic.de, am 17. Februar 2009

Kinoauswertung[Bearbeiten]

Kinobesuche in Österreich
Datum Besuche Kopien
8. März [4] 46.083 84
15. März [5] 114.860 84
22. März [6] 166.983 83
29. März [7] 201.090 k. A.
5. April [8] 221.155 k. A.

Bereits nach dem ersten Wochenende nach Kinostart hatten 46.083 Personen den Film in den österreichischen Kinos gesehen. Mit 43.664 Besuchern war er zudem der zweiterfolgreichste Film eines Wochenendes (Fr–So) in Österreich (hinter Marley & Ich mit 50.123 Besuchern). Verleiher des Films ist Luna Film. Am zweiten Wochenende war es dann umgekehrt: Der Knochenmann erzielte mit 40.110 rund 8.000 Besucher mehr als Marley & Ich; am darauffolgenden Wochenende wurde Der Knochenmann dann nur von dem neu gestarteten Slumdog Millionär (5.000 Kinobesucher mehr) geschlagen.

Mit 283.000 Kinobesuchen in Österreich war Der Knochenmann deutlich erfolgreicher als seine beiden Vorgänger Komm, süßer Tod (230.361 Kinobesuche) und Silentium (204.989).

Das Einspielergebnis im Kino (Deutschland und Österreich) liegt insgesamt knapp unter 4 Millionen Dollar.[9] Damit dürften die in etwa gleicher Höhe angesiedelten Produktionskosten[10] bereits durch die Kinoauswertung gedeckt sein - ein ansehnlicher Erfolg für eine österreichische Filmproduktion, zumal die finanziellen Voraussetzungen in dem Land allgemein und traditionell oft als eher schwierig bezeichnet werden. Der Knochenmann ist damit Murnbergers bisher erfolgreichster Film und zugleich der sechsterfolgreichste österreichische Film überhaupt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Birgit Minichmayr wurde 2009 auf dem Grazer Filmfestival Diagonale mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Hauptdarsteller Josef Hader erhielt für seine Leistung für den Österreichischen Film den Großen Diagonale Schauspielpreis.[11] Josef Hader, Wolfgang Murnberger und Wolf Haas erhielten 2010 zusammen den Fernsehpreis Goldene Romy für das beste Drehbuch eines Kinofilms.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

Die DVD Der Knochenmann ist in Österreich Anfang September 2009 erschienen, in Deutschland kam sie am 25. September 2009 auf den Markt.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabe der Jugendmedienkommission
  2. Lunafilm abgerufen am 5. Februar 2009
  3. Filmstarts.de abgerufen am 17. Dezember 2008
  4. Der Standard: Kinohits in Österreich. Stand: 06. 03.–08. 03. 11. März 2009, S. 28
  5. Der Standard: Kinohits in Österreich. Stand: 13. 03.–15. 03. 18. März 2009, S. 28
  6. Der Standard: Kinohits in Österreich. Stand: 20. 03.–22. 03. 25. März 2009, S. 28
  7. Österreichisches Filminstitut: 2009 im Kino. Stand: 1. April 2009 (abgerufen am 2. April 2009)
  8. Österreichisches Filminstitut: 2009 im Kino. Stand: 7. April 2009 (abgerufen am 10. April 2009)
  9. boxofficemojo.com oder boxofficemojo.com
  10. IMDb
  11. vgl. Minichmayr und Hader wurden ausgezeichnet bei derstandard.at, 18. März 2009 (aufgerufen am 21. März 2009)

Weblinks[Bearbeiten]