Der Krieg der Welten

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Dieser Artikel behandelt das Buch von H. G. Wells. Die Weiterleitung von Krieg der Welten verweist hierher. Für gleichnamige Werke basierend auf dem Roman siehe Krieg der Welten (Begriffsklärung).
Verlagseinband der Deutschen Erstausgabe (1901)

Der Krieg der Welten (engl. Originaltitel: The War of the Worlds) ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Werke von H. G. Wells. Das Buch wurde 1898 veröffentlicht, die deutsche Übersetzung von Gottlieb August Crüwell erschien 1901. Berühmt wurde Krieg der Welten als Hörspiel (1938) und in mehreren Verfilmungen (zuerst 1953).

Buch[Bearbeiten]

Angriff der Marsianer in Krieg der Welten. Buchillustration von Alvim Corréa aus dem Jahr 1906

In diesem 1898 erschienenen, für die Science-Fiction-Literatur grundlegenden Werk von H. G. Wells greifen Marsianer in dreibeinigen Kampfmaschinen das Vereinigte Königreich an, um von hier aus die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Das irdische Militär ist den außerirdischen Invasoren hoffnungslos unterlegen und muss bei der Zerstörung der Städte zusehen. Erst die Bakterien der Erde können die Marsianer durch deren nicht angepasstes Immunsystem besiegen.

Krieg der Welten war als Satire auf die Kolonialpolitik des Empires angelegt und vertauschte hierzu die Rollen von Eroberern und Opfern zu Ungunsten der Briten. Ein zusätzlich böser Seitenhieb war die Tatsache, dass die primitivsten damals bekannten Lebensformen das britische Weltreich retteten.

Hörspiel[Bearbeiten]

Das Buch wurde von Orson Welles und dem Mercury Theatre als Hörspiel in Form einer fiktiven Reportage nach einer Adaption von Howard Koch inszeniert, das der amerikanische Radiosender CBS am Abend vor Halloween am 30. Oktober 1938 ausstrahlte. Dazu wurde der Handlungsort von England nach Grover’s Mill (New Jersey) in den USA verlegt und die Geschichte entsprechend angepasst.

Wirkung des Hörspiels von 1938[Bearbeiten]

Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York und New Jersey, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer befürchtete. Dies lag daran, dass Welles eine neue Art der Einspielung benutzte: Er nahm das Hörspiel am Tag vorher auf und ließ es dann mit Musik unterlegen. Dadurch wirkten die Aufnahmen wie das normale Radioprogramm, in dem der Moderator ab und zu unterbricht, um die neusten Nachrichten zur Invasion zu verbreiten. Die Berichterstattung über diese Vorfälle machte die Sendung und damit auch den jungen Orson Welles weltberühmt. Einige Beschreibungen einer landesweiten Massenpanik sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die jüngere kommunikationswissenschaftliche Forschungsliteratur stellen die allzu gerne geäußerte kopflose Hysterie in Frage. Heute wird davon ausgegangen, dass sie eine Erfindung der Tagespresse war, hinter der zum einen Sensationsgier gesteckt haben mag, zum anderen die Absicht, das Konkurrenzmedium Radio als verantwortungslos zu brandmarken. Gegen die vor allem von der Boulevardzeitung New York Daily News verbreitete Darstellung einer Massenpanik spricht auch, dass Welles' Programm einer zur Zeit der Ausstrahlung durchgeführten telefonischen Erhebung zufolge eine Einschaltquote von gerade einmal 2 Prozent erreichte. Allenfalls einige wenige dieser Zuhörer sollen auf das Hörspiel hereingefallen sein, das Anrufaufkommen im Sender CBS war lediglich etwas höher als sonst, Berichte über Suizide oder auch nur die Behandlung von Schockpatienten ließen sich nicht verifizieren. Neben den sensationalistischen Presseberichten ist für die Legende von der Massenpanik eine 1940 veröffentlichte Studie des Demoskopen Hadley Cantril verantwortlich, die zahlreiche methodische Fehler aufweist.[1]

Immerhin müssen die Berichte über die Wirkungen des Hörspiels so eindrucksvoll und weitreichend gewesen sein, dass sich selbst Adolf Hitler in seiner Reichstagsrede vom 28. April 1939 darauf bezog, indem er ausführte: „Der Grund für diese Furcht [vor Kriegen] liegt ausschließlich in einer ungezügelten, ebenso verlogenen wie niederträchtigen Pressehetze, in der Verbreitung übelster Pamphlete über fremde Staatsoberhäupter, in der künstlichen Panikmache, die am Ende so weit führt, daß selbst Interventionen von Planeten für möglich gehalten werden und zu heillosen Schreckensszenen führen“.

Orson Welles und sein Drehbuchautor Howard Koch nutzten das Spektakel als Karrierechance. Welles gab später zu Protokoll, er habe nicht mit dem Erfolg des Hörspiels gerechnet und daher den Bezug zu Halloween hergestellt, um wenigstens irgendwie aufzufallen.

Howard Koch, der schon 1938 das Drehbuch für das Hörspiel geschrieben hatte, bearbeitete auch 1975 das Sujet für den dokumentarischen Spielfilm The Night That Panicked America, der die Radiosendung und die Reaktionen in der Öffentlichkeit beschreibt.

Weitere Hörspielumsetzungen und deren Wirkung[Bearbeiten]

1977 sendete der WDR eine deutsche Bearbeitung des Hörspiels von Klaus Schöning. Das englische Originalhörspiel wurde hierbei durch damals bekannte Radiojournalisten (Dieter Thoma, Lothar Dombrowski) unterbrochen, die die englischen Texte „übersetzten“ und so scheinbar echte Nachrichten über die Invasion brachten. Trotz der mehrfach eingestreuten Hinweise auf den fiktionalen Charakter und trotz des deutlich hörbaren Alters der Originalaufnahme gab es bei der Erstausstrahlung viele besorgte Anrufe.

1997 folgte eine Neueinspielung des Hörspieles unter der Regie von John de Lancie und mit Sprechern aus der Fernsehserie Star Trek (unter anderem Leonard Nimoy, Gates McFadden) im Rahmen der LA Theatre Works.

Zu Halloween 2010 sendete der Hamburger Radiosender Oldie 95 eine deutsche Version der US-Urfassung. Bei Ufos über der Elbe wurde die Story auf Hamburg übertragen. Sowohl Originalschauplätze der Hansestadt als auch Originalmoderatoren und On-Air-Elemente wurden dabei verwertet, sodass tatsächlich besorgte Hamburger nach Ausstrahlung auf UKW 95,0 die Polizei alarmierten.

Weiterverarbeitungen[Bearbeiten]

1953 wurde das Buch unter der Regie von Byron Haskin verfilmt, mit einer in den USA spielenden Handlung. Da die Animation der dreibeinigen Kampfmaschinen damals als technisch unmöglich oder zumindest unbezahlbar galt (Stop-Motion erschien nicht realistisch genug), erfand man an deren Stelle Flugmaschinen, deren Design zu den bekanntesten Raumschiffdesigns der Science-Fiction zählt. Die George-Pal-Produktion erhielt 1954 einen Oscar in der Kategorie Visual Effects. In Deutschland kam sie unter dem Titel Kampf der Welten in die Kinos.

19 Jahre nach dem Hörspiel sendete 1957 die CBS zu Halloween in ihrer Reihe Westinghouse Studio One eine Dokufiktion über die Erstausstrahlung von Krieg der Welten: „The Night America Trembled“. Besonders detailreich erscheinen in dieser vom Elektrokonzern Westinghouse produzierten und mit Elektrogeräte- und Kernkraft-Werbung durchsetzten Sendung die nachgestellten Studioszenen von 1938, einschließlich des Miniorchesters und Geräuschemachers.[2]

Im Jahr 2005 wurden H. G. Wells’ The War of the Worlds von Timothy Hines und Krieg der Welten von Steven Spielberg veröffentlicht. Spielbergs Werk wurde zeitlich im 21. Jahrhundert angesiedelt, während Timothy Hines’ Film im viktorianischen 19. Jahrhundert spielt und insgesamt mit 180 Minuten Laufzeit der dem Roman ähnlichste Film ist. Der Autor hat teilweise komplette Dialoge Wort für Wort aus der Roman-Vorlage übernommen.

Christopher Priest verknüpft in seinem Roman Sir Williams Maschine von 1976 die Handlungen der Wells-Romane Krieg der Welten und Die Zeitmaschine.

1978 entstand das Konzeptalbum Jeff Wayne’s Musical Version of the War of the Worlds von Jeff Wayne basierend auf dem Roman, wich streckenweise jedoch auch von diesem ab. Als Erzähler fungierte in der Originalfassung Richard Burton, in der 1980 erschienenen deutschsprachigen Version Curd Jürgens. In der deutschen Version wurden zwar die erzählten Texte und auch die Angaben im Cover einschließlich der einzelnen Liedtitel übersetzt, jedoch blieben die Originaltexte der Lieder erhalten. Als Musiker wirkten unter anderem Justin Hayward, Chris Thompson, Phil Lynott und David Essex mit.

Von 1988 bis 1990 wurde die US-amerikanische Fernsehserie „Krieg der Welten“ produziert.

Der Film Independence Day von Roland Emmerich orientiert sich in weiten Strecken an der Handlung von Krieg der Welten, kann aber nicht als Verfilmung des Buches bezeichnet werden, sondern je nach Sichtweise eher als Plagiat oder aber als Hommage an Wells’ Vorlage.

Eine weitere, satirische Adaption ist der Film Mars Attacks! (1996) von Tim Burton, in dem sämtliche vorangegangenen Filmadaptionen zum Thema „Mars greift die Erde an“ persifliert werden. Originell ist die Lösung für das Problem: Ein uralter Country-and-Western-Song, in dem der Country-Sänger Slim Whitman jodelt und damit die Gehirne der Marsianer zum Platzen bringt.

In einer in sepiabraunen Tönen gehaltenen Halloween-Folge der US-amerikanischen Zeichentrickserie Die Simpsons werden sowohl das Hörspiel als auch die entsprechenden Reaktionen der Bevölkerung in das Springfield der 1930er-Jahre übertragen.

Die Idee dreibeiniger Außerirdischer wurde von John Christopher in seiner Romantrilogie „Die dreibeinigen Monster“, in Deutschland auch als „Die Dreibeinigen Herrscher“ bekannt, verwendet.

Der zweite Band der Comicreihe „The League of Extraordinary Gentlemen“ versetzte die Helden, unter ihnen auch Figuren von H. G. Wells, in den Krieg der Welten.

Auch im Roman „Otherland“ von Tad Williams wird ein Teil der Protagonisten in eine computergenerierte Simulation des nach dem Angriff zerstörten Londons versetzt.

Steven Spielbergs Verfilmung von „Krieg der Welten“ (2005) wird im Film Scary Movie 4 (2006) parodiert.

Die dreibeinigen, außerirdischen „Strider“ des 2004 erschienen Ego-Shooters „Half-Life 2“ und die „Annihilator-Tripods“ des von EA Games veröffentlichten Strategiespiels „Command & Conquer 3: Tiberium Wars“ können als Anspielung auf die Außerirdischen des Romans verstanden werden.

Neuinterpretationen[Bearbeiten]

Nachdem 1975 eine Kurzgeschichte von Manly Wade Wellmann: Sherlock Holmes’s War of the Worlds (deutsch: Sherlock Holmes kontra Mars) erschienen war, die die Marsinvasion aus der Sicht eines anderen Zeitzeugen, des Detektivs Sherlock Holmes, geschildert hatte, erschien 1996 in den USA eine von Kevin J. Anderson zusammengestellte Anthologie War of the Worlds – Global Dispatches mit 19 (fiktiven) Augenzeugenberichten, zum Beispiel Albert Einstein, Jack London, Rudyard Kipling, Winston Churchill, Pablo Picasso, Leo Tolstoi, Mark Twain oder Jules Verne, wie diese die Marsinvasion miterlebten.

Diese Sammlung wurde bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Sie schildert neben den Ereignissen, über die Wells berichtet, die Marsinvasion an zahlreichen anderen Orten der Welt und eine veränderte Geschichte des 20. Jahrhunderts, nachdem sich die Menschheit die technischen Errungenschaften der Marsianer zu Eigen gemacht und die Weltentwicklung einen völlig anderen Verlauf genommen hat, mit einer früheren Selbstständigkeit Chinas (aufgrund der Vernichtung der europäischen Besatzungsmächte in China durch die Marsinvasoren), einer frühen russischen Demokratie (durch den Tod Stalins im Kampf gegen die Marsmaschinen), einer Entdeckung des Zusammenhangs von Schwerkraft und Zeit (durch den in einer Kampfmaschine eingeschlossenen Albert Einstein).

Verfilmungen[Bearbeiten]

Zeichentrickfilme:

  • 2001: Justice League: Secret Origins (der Pilotfilm zu Die Liga der Gerechten basiert lose auf H.G. Wells' Roman)
  • 2012: War of the Worlds: Goliath 3D (animierte Fortsetzung zu H.G. Wells' Klassiker)

Specials:

  • 1975: The Night That Panicked America (Die Nacht, als die Marsmenschen Amerika angriffen)
  • 1998: Martian Mania: The True Story of The War of the Worlds (Als die Marsmenschen kamen)
  • 2008: UFO Files – Episode 2 "Beyond The War of the Worlds" ("Krieg der Welten")
  • 2011: Great Books: The War Of The Worlds (Great Books: Krieg der Welten)

Ausgaben[Bearbeiten]

Englische Ausgaben[Bearbeiten]

  • The War of the Worlds, mit einer Einführung von Arthur C. Clarke, einer Textzusammenfassung, ausgewählter Buchkritiken und einer tabellarischen Übersicht über das Leben von H.G.Wells; Everyman 1993, ISBN 0-460-87303-2
  • Kevin J. Anderson (Hrsg.): War of the Worlds – Global Dispatches; Bantam Books, 1996, ISBN 0-553-10353-9, Paperback ISBN 0-553-57598-8

Deutsche Ausgaben[Bearbeiten]

Romanübersetzungen[Bearbeiten]

Comics[Bearbeiten]

  • Illustrierte Klassiker, Nr. 6.: Der Krieg der Welten, Internationale Klassiker, Hamburg 1956 (Classics Illustrated #124, USA 1955)
  • Amazing Adventures #18–39 featured Killraven, ein Freiheitskämpfer des 21. Jahrhunderts gegen eine zweite marsianische Invasion, USA 1973–1976
  • Marvel Classics Comics #14, Comic-Adaption des Romans "Der Krieg der Welten", USA 1977
  • Superman: Krieg der Welten, DC Comics, USA 2000 (in Deutschland als DC Showcase #3 bei Panini Comics, 2001)
  • The League of Extraordinary Gentlemen – Volume II, ein Comic, geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Kevin O'Neill, USA 2002–2003. "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen - Band 2: Krieg der Welten" erschien am 19. Juni 2009 in Deutschland bei Panini Comics.
  • War of the Worlds, Darkhorse Comics, USA 2005/2006
  • Second Wave: War of the Worlds, sechs Ausgaben, Boom! Studios, USA 2006
  • In abgewandelter Form und „mit neuer Besetzung“ wurde auch eine Version der Geschichte im Lustigen Taschenbuch Nr. 139 veröffentlicht.

Liste der Hörspiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Schultze: Herbert George Wells: The War of the Worlds. In: Hartmut Heuermann (Hrsg.): Der Science-Fiction-Roman in der angloamerikanischen Literatur. Interpretationen. Bagel, Düsseldorf 1986, S. 47–64. ISBN 3-590-07454-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jefferson Pooley und Michael Socolow: The Myth of the War of the Worlds Panic. In: Slate, 28. Oktober 2013.
  2. The Night America Trembled, Dokufiktion von CBS/Westinghouse von 1957 bei archive.org

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krieg der Welten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: The War of the Worlds – Quellen und Volltexte (englisch)