Der Leinwandmesser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Leinwandmesser (russisch  Холстомер) ist eine Erzählung, die Lew Nikolajewitsch Tolstoi während einer seiner größten Schaffensperioden schrieb. Die Erzählung erschien im Jahr 1886. Tolstoi verfasste sie in den 1860er Jahren. Sie handelt vom Leben eines scheckigen Pferdes.

Handlung[Bearbeiten]

Das titelgebende Pferd wird wegen seines langen, weit ausschreitenden Ganges Leinwandmesser genannt. Als alter, scheckiger Wallach erzählt es in seinem letzten Gestüt in fünf aufeinanderfolgenden Nächten seinen jüngeren Artgenossen seine Lebensgeschichte.

Es war einst wegen seiner Kraft im ganzen Land berühmt und ging in jungen Jahren in den Besitz des Husarenoffiziers Nikita Serpuchowskoj über. Dieser draufgängerische Lebemann reitet Leinwandmesser in einer Nacht, in der er einer untreuen Geliebten hinterherjagt, dermaßen zugrunde, dass dieses von neuen Besitzern fortan hauptsächlich als Lasttier genutzt wird.

Gegen Ende der Erzählung kommt Serpuchowskoj, inzwischen verfettet, hochverschuldet und von einstigen Geliebten endgültig verlassen, zum Besitzer des letzten Gestüts von Leinwandmesser. Er erinnert sich an seinen scheckigen Wallach und schwelgt in glorreichen Zeiten, was dem Leser Serpuchowskojs inzwischen eingetretenen Verfall nur umso mehr verdeutlicht. Tolstoi beschreibt zum Schluss das Sterben Leinwandmessers ebenso wie das Hinsiechen seines einstigen Herrn und setzt menschlichen und tierischen Niedergang in Beziehung zueinander.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leo Tolstoi: Meistererzählungen (= Manesse-Bibliothek der Weltliteratur). 8. Auflage. Manesse-Verlag, Zürich 1985, ISBN 3-7175-1396-6.