Der Mann, der zweimal lebte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Der Mann, der zweimal lebte
Originaltitel Seconds
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1966
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie John Frankenheimer
Drehbuch Lewis John Carlino
Produktion Edward Lewis
John Frankenheimer
Musik Jerry Goldsmith
Kamera James Wong Howe
Schnitt Ferris Webster
Besetzung

Der Mann, der zweimal lebte (Originaltitel: Seconds) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Thriller aus dem Jahre 1966. John Frankenheimer inszenierte den in Schwarz-Weiß gedrehten Film nach David Elys 1963 erschienenen Roman Das vertauschte Leben mit Rock Hudson in der Hauptrolle.

Ein alternder Bankangestellter nimmt das Angebot einer anonym operierenden Firma an, mit geändertem Namen und Äußeren ein neues Leben zu beginnen. Dieses entpuppt sich jedoch nicht nur als inhaltsleer, sondern auch als ebenso von Zwängen gezeichnet wie seine vorherige Identität.

Handlung[Bearbeiten]

Der gealterte Bankkaufmann Arthur Hamilton ist mit seinem Leben unzufrieden. Eines Tages erhält er einen Anruf von seinem totgeglaubten Freund Charlie. Dieser erzählt ihm, dass er unter einem anderen Namen ein neues, von den Zwängen seiner früheren Existenz befreites Leben begonnen hat. Ermöglicht hat im dies eine versteckt operierende Organisation, zu der Charlie Arthur den Kontakt vermittelt. Arthur schließt unter erpresserischen Umständen (man setzt ihn unter Drogen und filmt ihn beim Geschlechtsverkehr) einen Vertrag mit der Firma ab, der ihn einen Großteil seiner Ersparnisse kostet. Er wird einer plastischen Operation unterzogen und nimmt eine neue Identität an; in einem inszenierten Unfall wird der Tod Arthurs vorgetäuscht. Als Maler Tony Wilson beginnt er ein neues Leben in einem Strandhaus in Kalifornien, unterstützt von seinem Assistenten John.

Während eines Strandspaziergangs lernt er Nora Marcus kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Die Annehmlichkeiten seines Playboy-Daseins können jedoch nicht die innere Leere, die er empfindet, überdecken. John organisiert eine Cocktailparty, bei der Tony die Nachbarn kennenlernen soll. Er betrinkt sich und erzählt den anwesenden Gästen von seinem früheren Leben. Daraufhin kippt die zuvor ausgelassene Stimmung um, die Gäste fixieren Toni auf seinem Bett. John und Nora – beide Angestellte der Organisation – klären ihn auf, dass die Gäste ebenfalls „Wiedergeborene“ (= „Seconds“, dt. „Zweite“) sind. Am nächsten Tag erhält er einen Anruf von Charlie, der ihn warnt, dass er sich durch sein Verhalten in große Gefahr gebracht hat. Entgegen Charlies Warnung besucht er seine Frau und gibt sich als Bekannter ihres vermeintlich verstorbenen Mannes aus. Als Tony das Haus verlässt, wird er von John und einer Gruppe „Wiedergeborener“ abgeholt. Tony äußert den Wunsch, noch einmal von vorne zu beginnen.

Zurück bei der Organisation wird ihm eröffnet, dass er für einen Neustart dem Unternehmen einen neuen Kunden vermitteln muss, genauso wie er von Charlie, der ebenfalls in Ungnade fiel, als Kunde vermittelt wurde. Tony kann oder will der Organisation keinen neuen Interessenten anbieten, weshalb diese beschließt, zur „nächsten Phase“ überzugehen. Eines Morgens wird er geweckt und für eine Operation vorbereitet. Als auf dem Weg zum Operationssaal ein Priester ihn in ein Gespräch verwickelt, begreift Tony, dass er dazu dienen soll, den Tod eines zukünftigen „Wiedergeborenen“ vorzutäuschen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Mann, der zweimal lebte lief 1966 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. In den USA startete der Film am 5. Oktober 1966, in der Bundesrepublik Deutschland am 6. Januar 1967.[1] Kameramann James Wong Howe wurde 1967 für den Oscar in der Kategorie Beste Kamera nominiert.

Im Roman sucht Tony Wilson nicht nur seine bzw. Arthur Hamiltons Ehefrau oder „Witwe“ auf, sondern auch seine Tochter, deren Ehemann ein autoritäres Amerika herbeisehnt. Regisseur Frankenheimer drehte diese Szene, diese fand jedoch keine Verwendung im Film. Da die Szene als verschollen gilt, konnte sie nicht in die 2002 in den USA erschienene, erweiterte DVD-Fassung aufgenommen werden.[2] Dafür wurden die bei der ursprünglichen Kinoauswertung geschnittenen Szenen eines Weinfestes wieder eingefügt, in denen einige Statisten kurz nackt zu sehen sind.

Kritik[Bearbeiten]

„Faszinierend von Anfang bis Ende, gute darstellerische Leistungen, beeindruckende Kameraarbeit.“

Leonard Maltin[3]

„Grimmige Parabel […] Das niederschmetternde Ende zieht einen buchstäblich sechs Fuß tief hinunter.“

Anne Billson, Time Out Film Guide[4]

„Faszinierender, existenzialistischer Thrillerklassiker, ausgezeichnet gespielt.“

Filmdatenbank Cinema[5]

„Die plumpe, streckenweise abgeschmackte Umsetzung als Schauergeschichte verschenkt die recht reizvolle Ausgangsidee.“

Lexikon des Internationalen Films[6]

„Ein gedanklich bestechender Ansatz wird hier - leider formal perfekt! - zu einer abstrusen Perversität von schauerlicher Suggestivkraft. Wir müssen ablehnen!“

Evangelischer Filmbeobachter[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Ely: Das vertauschte Leben, Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin-Darmstadt-Wien, 1965.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Mann, der zweimal lebte in der Internet Movie Database.
  2. Frankenheimer im Audiokommentar der 2002 in den USA erschienenen DVD.
  3. „Fascinating from start to finish, with good performances, striking camerawork […]“ – Leonard Maltin's 2008 Movie Guide, Signet/New American Library, New York 2007.
  4. „[…] grim parable […] The ending is so downbeat that it's positively six feet under.“ – Time Out Film Guide, Seventh Edition 1999, Penguin, London 1998.
  5. Eintrag auf Cinema.de, abgerufen am 13. November 2011.
  6. Der Mann, der zweimal lebte im Lexikon des Internationalen Films, abgerufen am 13. November 2011.
  7. Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 320/1966, S. 600.