Der Mieter (1976)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Mieter
Originaltitel Le locataire
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch, Englisch
Erscheinungsjahr 1976
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Roman Polański
Drehbuch Gérard Brach
Roman Polański
Produktion Hercule Belville
Musik Philippe Sarde
Kamera Sven Nykvist
Schnitt Françoise Bonnot
Besetzung

Der Mieter ist ein Film von Roman Polański, der dem Genre des psychologischen Films eingeordnet werden kann. Als Vorlage für Roman Polańskis Film diente der Roman Le locataire chimérique von Roland Topor, welchen Polański gemeinsam mit Gérard Brach in nur sechs Wochen zu einem Drehbuch umschrieb.

Handlung[Bearbeiten]

Der zurückhaltende Bankangestellte Trelkovsky mietet in Paris beim Besitzer eines Mietshauses eine möblierte Wohnung. Er erfährt von der Concierge, dass sich Simone Choule, die zuvor darin wohnte, aus dem Fenster der Wohnung im dritten Stockwerk gestürzt hat. Bei einem Besuch im Krankenhaus – noch kurz vor deren Tod – lernt er deren Freundin Stella kennen und erfährt so einiges über die Person Simone Choule. Als sie sich von Simone verabschieden, beginnt diese ohne ersichtlichen Grund laut zu schreien.

Trelkovskys neue Nachbarn verhalten sich ihm gegenüber sehr zurückhaltend und misstrauisch. Bei jeder seiner Bewegungen klopfen sie an die Wände, um ihn zur Ruhe zu ermahnen. Bald gehen auch anonyme Anzeigen bei der Hausverwaltung und der Polizei ein. Überall ist er als nachtaktiv und ruhestörend bekannt.

Trelkowskys psychisches Erleben verändert sich zunehmend. Er beginnt zu glauben, dass seine Nachbarn ihn in Simone Choule verwandeln und ihn ebenfalls in den Tod treiben wollen. Im Café bekommt er Simones Getränke und Zigaretten, von der Concierge erhält er Simones Post und bei einem Einbruch in sein Appartement werden ihm alle persönlichen Dinge gestohlen, während die seiner Vormieterin unangetastet bleiben. Trelkovsky beginnt, sich mit Simone zu identifizieren, zieht ihre Kleider an und glaubt, er werde nun auch wie sie behandelt. Er leidet unter Fieberträumen und Wahnvorstellungen, sieht Personen, welche ihn beobachten, hört Klopfzeichen an seiner Tür und verletzt sich eines Nachts selbst.

In der Stadt wird er von einem Auto angefahren und hält die zur Hilfe herbeieilenden Passanten für seine mordlüsternen Nachbarn. Zurück in seiner Wohnung gibt er sich seinem vermeintlichen Schicksal hin und stürzt sich in den Kleidern seiner Vormieterin aus dem Fenster. Seine Nachbarn versammeln sich um ihn. In seinem Wahn empfindet er auch sie als Bedrohung. Schwer verletzt kriecht er zurück in seine Wohnung und stürzt sich ein zweites Mal aus dem Fenster. Er trägt ähnlich schwere Verletzungen wie zuvor seine Vormieterin davon.

Die Schlussszene, die offenbar wieder eine Art Wahnvorstellung Trelkovskys ist, ist die gleiche wie jene, in der er und Stella Simone Choule im Krankenhaus besuchen. Diesmal aber erlebt der Zuschauer die Szene aus der Perspektive von Simone Choule.

Hintergrund[Bearbeiten]

Polańskis Film lässt sich gleichermaßen dem Filmgenre des Horrorfilms wie dem des Thrillers zuordnen. Als Element des Thrillers fällt etwa der gleiche Wissensstand von Protagonist und Zuschauer auf. Auch die scheinbar ausweglose Erlebnissituation aus Sicht des Protagonisten, welcher Objekt heimlicher Beobachtung bzw. Opfer von Todesdrohungen ist, lässt sich dem Thriller zuordnen. Allerdings will Der Mieter beim Zuschauer offensichtlich Angst erzeugen, wie dies bei einem Horrorfilm üblich ist.

Roman Polański wird in der deutschsprachigen Version des Films von Marius Müller-Westernhagen synchronisiert.[1]

Kritiken und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • "Deutlich über Genredurchschnitt siedelt die Fernsehzeitschrift Prisma den Film an, wenn er auch nicht ganz an die Originalität von Ekel anknüpfen könne. Polański liefere auch als Hauptdarsteller eine herausragende Leistung.[2]
  • Das Lexikon des internationalen Films meint dazu: Die grandios inszenierte Oberfläche des Films (und die überzeugende Darstellung des Mieters durch Polański selbst) können jedoch nicht verbergen, daß der Horror oft zum manieristischen Selbstzweck wird.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Werner: Roman Polański. Frankfurt am Main 1981.
  • Linda Williams: Film Madness: The Uncanny Return of the Repressed in Polanskl’s “The Tenant”. in: Cinema Journal. Jahrgang 20, Nr. 2 (Frühjahr, 1981), S. 63–73.
  • Liz-Anne Bawden (Hrsg.): Buchers Enzyklopädie des Films. Luzern, Frankfurt/Main 1977.
  • F.X. Feeney, Paul Duncan (Hrsg.): Roman Polański. Köln 2005.
  • Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. Stuttgart 1999.
  • Jürgen Müller (Hrsg.): Filme der 70er. Köln 2003.
  • Michael Töteberg (Hrsg.): Metzler Film Lexikon. Stuttgart 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Mieter in der Deutschen Synchronkartei
  2. Der Mieter auf prisma-online.de
  3. Der Mieter im Lexikon des Internationalen Films