Der Pianist

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Pianist
Originaltitel The Pianist
Produktionsland Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Polen
Originalsprache Englisch, Deutsch, Polnisch, Russisch
Erscheinungsjahr 2002
Länge 150 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 12Vorlage:Infobox Film/Wartung/JMK ohne JMKID
Stab
Regie Roman Polański
Drehbuch Ronald Harwood
Władysław Szpilman (Roman)
Produktion Robert Benmussa
Roman Polański
Alain Sarde
Musik Wojciech Kilar
Kamera Paweł Edelman
Schnitt Hervé de Luze
Besetzung

Der Pianist ist ein Holocaust-Film nach der im Jahr 1946 publizierten Autobiografie Der Pianist – mein wunderbares Überleben (Originaltitel: Śmierć miasta) des polnischen Pianisten und Komponisten Władysław Szpilman.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beginnt mit Originalaufnahmen des Warschauer Straßenlebens aus dem Jahre 1939. Władysław Szpilman ist ein herausragender und in Warschau hochangesehener polnisch-jüdischer Pianist. Es ist der 3. September 1939: Szpilmans Studioarbeit wird durch die Bombardierung Warschaus durch die deutsche Luftwaffe unterbrochen. Szpilmans verängstigte Familie, bestehend aus dem Vater, der Mutter, der Schwester Halina und dem Bruder Henryk hören am Telefon, dass Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt hat und sie hofft, dass sich alles bald zum Guten ändern wird. Als 1939 die deutschen Truppen in Warschau einmarschieren, wird das Leben besonders für die Juden unerträglich. Die deutsche Besatzungsmacht entwickelt immer neue Schikanen vor allem für die Juden. Auf der Straße sind sie der Willkür der Besatzungssoldaten ausgesetzt. Nach einer Weile müssen die Szpilmans ins Warschauer Ghetto übersiedeln. Dort geht es für die Familie bald ums nackte Überleben. Während einige Ghettobewohner sich mit Schwarzarbeit oder der Arbeit im jüdischen Ordnungsdienst über Wasser halten, sind die Szpilmans wegen ihrer Naivität und ihres Stolzes vom Verhungern bedroht. Sie werden Zeugen vom Elend des Ghettolebens, von Demütigungen der Bewohner und willkürlichen Morden durch die deutschen Soldaten. Władysław Szpilmans gute Beziehungen zu einem einflussreichen jüdischen Polizisten rettet seinem Bruder einmal das Leben. Eines Tages werden die Bewohner des Ghettos auf dem Umschlagplatz versammelt. Von dort aus erfolgt der Abtransport in das Vernichtungslager Treblinka. Dort werden seine Eltern und Geschwister ermordet. Dank der spontanen Hilfe eines Mitglieds des jüdischen Ordnungsdienstes entgeht er dem Abtransport, gehört nun aber zu den Zwangsarbeitern, die unter strenger Bewachung in Betrieben außerhalb des Ghettos arbeiten müssen. Dies nutzt er aus, um Pistolen für Mitglieder der jüdischen Widerstandsbewegung in das Ghetto zu schmuggeln. Später gelingt ihm die Flucht aus dem Ghetto.

Szpilman kann den Beginn des Aufstandes im Ghetto am 19. April 1943 von einem Versteck aus beobachten. Um nicht gefasst zu werden, muss er das Versteck wechseln. Er leidet Hunger und erkrankt, wird aber von einem polnischen Arzt behandelt. Während eines Gefechts zwischen Deutschen und Polen während des Warschauer Aufstandes wird sein Versteck beschossen. Er flieht erneut, irrt durch die völlig zerstörte Stadt und versteckt sich in einem Haus. Dort hört er die Klänge von Beethovens Mondscheinsonate. Nachts entdeckt ihn ein deutscher Offizier; es ist Wilm Hosenfeld.

Hosenfeld bittet Szpilman, ihm auf dem Flügel etwas vorzuspielen. Szpilman spielt minutenlang aus der Ballade Nr. 1 von Chopin (diese wurde nach dem gescheiterten polnischen Novemberaufstand gegen die russische Besatzung komponiert als Ausdruck Freiheitsstrebens) und Hosenfeld hört bewegt zu. Von da an, bis zum Rückzug der Deutschen Ende 1944, versorgt Hosenfeld Szpilman in seinem Versteck mit Lebensmitteln. Bei seinem Abschied schenkt Hosenfeld dem Pianisten noch seinen Offiziersmantel, der ihm beim Einmarsch der Roten Armee in Warschau fast noch zum Verhängnis wird.

Hosenfeld gerät in sowjetische Gefangenschaft und trifft auf einen befreiten polnischen Häftling, der gerade in einer Kolonne am Gefangenenlager vorbeigeht und die deutschen Gefangenen beschimpft. Dadurch erfährt Hosenfeld, dass der Pole ein Musiker war, der Szpilman kennt, und bittet ihn um dessen Fürsprache. Doch ein sowjetischer Wachsoldat unterbindet das Gespräch, sodass der Musiker den Namen Hosenfelds nicht erfährt. Szpilman wird von ihm zwar später über den Kontakt in Kenntnis gesetzt, kann seinen Helfer ohne den Namen jedoch nicht mehr ausfindig machen.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films urteilte: „Die authentische Geschichte dient Regisseur Roman Polanski auch zur Bewältigung seiner eigenen Vergangenheit, wobei seine beachtliche, um Wirklichkeitsnähe bemühte Inszenierung gerade dadurch nicht immer den zu Stereotypen erstarrten Bildern des Holocausts entgeht.“[1]

Prisma Online ist der Meinung: „Mit fast dokumentarisch wirkenden Bildern lässt Polanski hier episodenhaft noch einmal die düstere Ghetto-Zeit aufleben. Dank der starken Darsteller kann man die ein oder andere dramaturgisch in die Länge gezogene Szene durchaus verzeihen. Die Goldene Palme von Cannes ist wohl auch als Würdigung des Lebenswerkes Polanskis zu verstehen, der hier nicht zuletzt als Überlebender des Ghettos von Krakau auch einen Teil der eigenen Vergangenheit aufgearbeitet hat. Der brillant aufspielende Adrien Brody erhielt 2003 für seine Rolle des Szpilman den Oscar als bester Hauptdarsteller.“

Die Zeit fragt sich: „Wie schön darf ein Holocaustfilm sein?“ Wird hier nicht die Trauer, der symbiotische Schmerz, das bildhafte Mitleiden zu einem ästhetischen Genuss? Der Film gibt auf diese Frage keine Antwort. Aber er ist eine Antwort. In einer langen Kette von Filmen, die das individuelle Leben gegenüber der Ikonografie erretten wollen, ist er möglicherweise der schönste, weil er so viel Erfahrungen und Schmerzen des Kinos bei der Suche nach dem verlorenen Menschenbild in der Ikonografie des Grauens zusammenfasst.[2]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Pianist wurde in Deutschland in Babelsberg, Berlin, Beelitz und Jüterbog gedreht.[3] In Polen wurde in Warschau und Kobyłka gedreht.[3] Die in Warschau spielenden Straßenszenen wurden tatsächlich überwiegend im Stadtteil Praga gedreht, wo die alte Bausubstanz erhalten geblieben ist. Die gegen Ende des Films zu sehenden Ruinen waren keine Kulissen, sondern echte Ruinen: Gedreht wurden diese Szenen in verlassenen, ohnehin zum Abriss vorgesehenen Kasernen der Roten Armee in Jüterbog. Eigens für die Dreharbeiten wurden etliche Häuser noch weiter demoliert.

Die Dreharbeiten zur Verfilmung von Władysław Szpilmans Leben begannen ein halbes Jahr nach seinem Tode. Sie begannen am 19. Februar 2001 und endeten im Juli 2001.[4] Das Budget wurde auf 35 Millionen US-Dollar geschätzt.[4] Der Film feierte seine Premiere am 24. Mai 2002 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.[5] Es folgten weitere Vorführungen bei diversen internationalen Filmfestivals.[5] In Polen war der Film ab dem 6. September 2002 zu sehen.[5] In der Schweiz lief er am 10. Oktober 2002 an.[5] In Deutschland wurde er ab dem 24. Oktober 2002 gezeigt, in Österreich einen Tag später.[5] In den US-amerikanischen Kinos lief der Film am 3. Januar 2003 an.[5]

Am Eröffnungswochenende spielte der Film in den USA gut 111.000 US-Dollar ein.[4] Bis Anfang Juni 2008 wurden in den USA 32,5 Millionen US-Dollar eingenommen.[4] In Polen wurden bis Anfang Oktober 2002 über 11,5 Millionen Złoty, umgerechnet über 3,6 Millionen US-Dollar, eingespielt.[4] Weltweit konnten Einnahmen von über 120 Millionen US-Dollar erzielt werden.[4] An den deutschen Kinokassen wurden bis Mitte Mai 2003 über 800.000 Zuschauer gezählt.[4] Die Einnahmen der niederländischen Premiere wurden dem Anne-Frank-Haus gespendet.[6]

Regisseur Roman Polański überlebte als Kind selber das Krakauer Ghetto und verlor seine Mutter im KZ Auschwitz-Birkenau. Sein Vater überlebte das KZ Mauthausen. Während der Dreharbeiten in Krakau traf Polanski einen Mann, der seiner Familie verhalf, den Zweiten Weltkrieg zu überleben.[6] Für die Rolle des Władysław Szpilman sprachen 1.400 Schauspieler bei einem Casting in London vor.[6] Letztlich entschied sich Polanski gegen sämtliche dieser Schauspieler und für Adrien Brody, den er bei den Dreharbeiten zu Das Halsband der Königin in Paris gesehen hatte.[6] Hauptdarsteller Brody lernte für seine Rolle eigens etwas Klavier spielen und nahm rund 14 kg ab.[6] Um sich für seine Rolle mit dem Gefühl des Verlusts vertraut zu machen, gab er sein Apartment auf, verkaufte sein Auto und schaute kein Fernsehen mehr.[6] Adrien Brody und Thomas Kretschmann standen 2005 in King Kong erneut gemeinsam vor der Kamera. Axel Prahl spielt eine Nebenrolle als deutscher Soldat. Daniel Szpilman, der Großenkel von Władysław Szpilman spielt den Jungen im Ghetto, der zunächst am Marktplatz und später am Umschlagplatz zu sehen ist.[6] Während der Dreharbeiten verstarb Rainer Schaper am 7. März 2001 in Berlin im Alter von 51 Jahren an einem Hirninfarkt.[7] Daraufhin wurden die Dreharbeiten für einen Tag ausgesetzt und der Film wurde dem Produzenten gewidmet.[6]

Die Handlung enthält einen vorgreifenden Anachronismus: Während die Familie Szpilman im Rundfunk die Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich mithört, ertönt kurzzeitig eine Rede von Joseph Goebbels. Der Ausschnitt stammt aus der Sportpalastrede, welche 1943, nicht 1939 gehalten wurde.

Aktuelle Nachforschungen belegen, dass der Offizier Wilm Hosenfeld auch anderen Juden geholfen hat. Im Jahr 2008 wurde er mit dem polnischen Orden Polonia Restituta geehrt. Im Dezember 2008 folgte die Anerkennung von Yad Vashem.

Synchronisation[Bearbeiten]

Die Synchronisation erfolgte durch die Synchronisationsfirma Studio Babelsberg nach einem Dialogbuch von Heinz Freitag, der zugleich die Dialogregie übernahm.[8]

Darsteller Sprecher[8] Rolle
Adrien Brody Stephan Schwartz Władysław Szpilman
Thomas Kretschmann Thomas Kretschmann Hauptmann Wilm Hosenfeld
Andrzej Blumenfeld Erich Räuker Benek
Emilia Fox Bettina Weiß Dorota
Valentine Pelka Udo Schenk Dorotas Ehemann
Tom Strauss Werner Ehrlicher Dr. Luczak
Jessica Kate Meyer Marie Bierstedt Halina
Ed Stoppard Norman Matt Henryk
Roy Smiles Bernd Vollbrecht Itzak Heller
Ruth Platt Diana Borgwardt Janina
Ronan Vibert Peter Reinhardt Janinas Ehemann
Michal Zebrowski Viktor Neumann Jurek
Daniel Caltagirone Peter Flechtner Majorek
Anthony Milner Eberhard Prüter Mann an der Straßenkreuzung
Krzysztof Pieczynski Frank-Otto Schenk Marik Gebczynski
Maureen Lipman Regine Albrecht Mutter
Julia Rayner Sabine Arnhold Regina
Andrew Tiernan Gerald Paradies Szalas
Frank Finlay Uli Krohm Vater
Paul Bradley Jörg Hengstler Yehuda

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Roman Polański, dahinter Adrien Brody, Cannes 2002

Der Film, die Darsteller und die Filmcrew wurden mit diversen Filmpreisen ausgezeichnet.[9]

  • Goldene Palme auf dem Filmfestival Cannes 2002 als bester Film des Festivals.
  • Europäischer Filmpreis für die beste Kamera an Paweł Edelman
  • Sieben Césars für die Kategorien: Bester Film des Jahres, Bester Hauptdarsteller, Bester Regisseur, Beste Kamera, Beste Musik, Bestes Szenenbild (Allan Starski) und bester Ton. Drei weitere Nominierungen für den besten Schnitt, das beste Drehbuch und die besten Kostüme. Dabei handelt es sich bei Der Pianist um den ersten Film, der mit dem Preis Bester Film ausgezeichnet wurde, ohne dass ein einziges französisches Wort in dem Film zu hören ist.[6]
  • In allen 13 Kategorien für den Polnischen Filmpreis nominiert, davon acht erhalten: Bester Film, Regie, Kamera, Musik, Ton, Schnitt, Ausstattung und Kostüme.
  • David di Donatello in der Kategorie Bester ausländischer Film
  • Oscars für die Beste Regie (Roman Polański), den Besten Hauptdarsteller (Adrien Brody), Bestes adaptiertes Drehbuch (Ronald Harwood), sowie Nominierungen für den besten Film, beste Kamera, beste Kostüme und besten Schnitt. Dabei wurde Adrien Brody mit 29 Jahren als bislang jüngster Schauspieler mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.[6]
  • Golden-Globe-Nominierung: Bester Hauptdarsteller – Drama für Adrien Brody
  • Golden-Globe-Nominierung: Bester Film – Drama
  • diverse weitere Preise in den USA von unterschiedlichen Institutionen
  • DVD Champion in der Kategorie Publikumspreis
  • Deutscher Preis für Synchron, herausragende Bearbeitung für das Gesamtwerk (Studio Babelsberg, Herstellungsleitung: Christa Kistner)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Pianist im Lexikon des Internationalen Films
  2. Die Seele im System, Die Zeit
  3. a b Internet Movie Database: Drehorte
  4. a b c d e f g Internet Movie Database: Budget und Einspielergebnisse
  5. a b c d e f Internet Movie Database: Starttermine
  6. a b c d e f g h i j Internet Movie Database: Hintergrundinformationen
  7. Der Spiegel: Gestorben: Rainer Schaper, Der Spiegel 11/2001, 12. März 2001
  8. a b Der Pianist in der Deutschen Synchronkartei
  9. Internet Movie Database: Nominierungen und Auszeichnungen