Der Pianist
| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | Der Pianist |
| Originaltitel | The Pianist |
| Produktionsland | Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Polen |
| Originalsprache | Englisch, Deutsch, Polnisch, Russisch |
| Erscheinungsjahr | 2002 |
| Länge | 143 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK / JMK 12 |
| Stab | |
| Regie | Roman Polański |
| Drehbuch | Ronald Harwood Władysław Szpilman (Roman) |
| Produktion | Robert Benmussa Roman Polański Alain Sarde |
| Musik | Wojciech Kilar |
| Kamera | Paweł Edelman |
| Schnitt | Hervé de Luze |
| Besetzung | |
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Der Pianist ist ein Holocaust-Drama nach der im Jahr 1998 publizierten Autobiografie Der Pianist – mein wunderbares Überleben (Originaltitel: Śmierć miasta) des polnischen Pianisten und Komponisten Władysław Szpilman.
Inhaltsverzeichnis |
Handlung [Bearbeiten]
Władysław Szpilman ist ein herausragender und in Warschau hochangesehener polnisch-jüdischer Pianist. Als 1939 die deutschen Truppen in Warschau einmarschieren, beginnt das Leiden. Seine Familie durchleidet die Qualen des Warschauer Ghettos und es kommt der Tag des Abtransports nach Treblinka, was den sicheren Tod bedeutet. Durch den guten Willen eines Mitglieds des jüdischen Ordnungsdienstes entgeht er dem Tod und es gelingt ihm die Flucht. Er muss nun bei den verbliebenen Juden arbeiten, die das Ghetto wieder aufbauen. Dort unterstützt er die jüdische Widerstandsbewegung, die Waffen in das Warschauer Ghetto schmuggelt, um den Aufstand zu bewaffnen. Dann flieht er aus dem Ghetto und wird von befreundeten Polen unterstützt. Sie verhelfen ihm, sich versteckt zu halten, obwohl sie bei einer Entdeckung ebenfalls der Tod erwarten würde. Szpilman kann den Beginn des Aufstandes am 19. April 1943 von einem seiner Verstecke aus genau beobachten. Er muss erneut das Versteck wechseln, leidet Hunger, weil ein betrügerischer Widerstandskämpfer die Geldspenden für sich abzweigt. Er erkrankt an Gelbsucht und wird von einem polnischen Arzt behandelt. Während eines Gefechts zwischen Deutschen und Polen wird sein Versteck beschossen, er flieht und irrt durch das zerstörte und bald von der polnischen Bevölkerung und den zerstörungswütigen deutschen Besatzern völlig verlassene Warschau. In seinem letzten Versteck trifft er zufällig einen hilfsbereiten Offizier der deutschen Wehrmacht, Wilm Hosenfeld.
Eine Schlüsselszene des Films ist, wie die anfängliche Todesangst Szpilmans vor dem uniformierten Deutschen, die er bis dahin nur durch die Erfahrungen mit der grausamen SS kannte, sich auflöst. Hosenfeld veranlasst Szpilman, ihm auf einem Flügel etwas vorzuspielen. Szpilman spielt minutenlang aus der Ballade Nr. 1 von Chopin, die nach dem gescheiterten Novemberaufstand gegen die russische Besatzung komponiert wurde und als Ausdruck polnischen Freiheitsstrebens gilt, und Hosenfeld hört bewegt zu. Die Szene zeigt den Kontrast zwischen der Schönheit der Musik und der Absurdität des Grauens der Situation nach dem Ende der SS-Besatzung. Hosenfeld versorgt Szpilman in seinem Versteck bis zum Einmarsch der Russen mit Lebensmitteln. Kurz bevor sich die Deutschen vor den anrückenden Russen nach Westen absetzen, schenkt ihm Hosenfeld seinen Mantel. Dieser Mantel wird dem Pianisten noch beinahe zum Verhängnis, denn nach dem Einmarsch der Roten Armee in Warschau wird er für einen Deutschen gehalten und gerät unter Beschuss. Der Film endet mit vertauschten Rollen. Hosenfeld gerät in ein russisches Gefangenenlager und ist dort dem Hass der aus dem KZ befreiten polnischen Juden ausgesetzt. Hosenfeld fragt einen vorbeiziehenden ehemaligen Musiker nach Szpilman in der Hoffnung auf dessen Fürsprache. Doch ein russischer Aufseher unterbindet zu früh das Gespräch, so dass der Musiker den Namen Hosenfelds nicht erfährt, und Szpilman so seinen Helfer nicht mehr ausfindig machen kann. Der Film endet damit, dass Szpilman Chopins Große Polonaise brillante vor einem großen Publikum spielt. Der Zuschauer erfährt durch eine Einblendung, dass Szpilman 2000 88-jährig starb und Hosenfeld 1952 in sowjetischer Gefangenschaft verstarb.
Kritiken [Bearbeiten]
Das Lexikon des Internationalen Films urteilte: „Die authentische Geschichte dient Regisseur Roman Polanski auch zur Bewältigung seiner eigenen Vergangenheit, wobei seine beachtliche, um Wirklichkeitsnähe bemühte Inszenierung gerade dadurch nicht immer den zu Stereotypen erstarrten Bildern des Holocausts entgeht.“[1]
Prisma Online ist der Meinung: „Mit fast dokumentarisch wirkenden Bildern lässt Polanski hier episodenhaft noch einmal die düstere Ghetto-Zeit aufleben. Dank der starken Darsteller kann man die ein oder andere dramaturgisch in die Länge gezogene Szene durchaus verzeihen. Die Goldene Palme von Cannes ist wohl auch als Würdigung des Lebenswerkes Polanskis zu verstehen, der hier nicht zuletzt als Überlebender des Ghettos von Krakau auch einen Teil der eigenen Vergangenheit aufgearbeitet hat. Der brillant aufspielende Adrien Brody erhielt 2003 für seine Rolle des Szpilman den Oscar als bester Hauptdarsteller.“
Die Zeit fragt sich: „Wie schön darf ein Holocaustfilm sein?“ Wird hier nicht die Trauer, der symbiotische Schmerz, das bildhafte Mitleiden zu einem ästhetischen Genuss? Der Film gibt auf diese Frage keine Antwort. Aber er ist eine Antwort. In einer langen Kette von Filmen, die das individuelle Leben gegenüber der Ikonografie erretten wollen, ist er möglicherweise der schönste, weil er so viel Erfahrungen und Schmerzen des Kinos bei der Suche nach dem verlorenen Menschenbild in der Ikonografie des Grauens zusammenfasst.[2]
Hintergrund [Bearbeiten]
Der Pianist wurde in Deutschland in Babelsberg, Berlin, Beelitz und Jüterbog gedreht.[3] In Polen wurde in Warschau und Kobyłka gedreht.[3] Die in Warschau spielenden Straßenszenen wurden tatsächlich überwiegend im Vorort Praga gedreht, wo die alte Bausubstanz erhalten geblieben ist. Die gegen Ende des Films zu sehenden Ruinen waren keine Kulissen, sondern echte Ruinen: Gedreht wurden diese Szenen in verlassenen, ohnehin zum Abriss vorgesehenen Kasernen der Roten Armee in Jüterbog. Eigens für die Dreharbeiten wurden etliche Häuser noch weiter demoliert.
Die Dreharbeiten zur Verfilmung von Władysław Szpilmans Leben begannen ein halbes Jahr nach seinem Tode. Sie begannen am 19. Februar 2001 und endeten im Juli 2001.[4] Das Budget wurde auf 35 Millionen US-Dollar geschätzt.[4] Der Film feierte seine Premiere am 24. Mai 2002 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.[5] Es folgten weitere Vorführungen bei diversen internationalen Filmfestivals.[5] In Polen war der Film ab dem 6. September 2002 zu sehen.[5] In der Schweiz lief er am 10. Oktober 2002 an.[5] In Deutschland wurde er ab dem 24. Oktober 2002 gezeigt, in Österreich einen Tag später.[5] In den US-amerikanischen Kinos lief der Film am 3. Januar 2003 an.[5]
Am Eröffnungswochenende spielte der Film in den USA gut 111.000 US-Dollar ein.[4] Bis Anfang Juni 2008 wurden in den USA 32,5 Millionen US-Dollar eingenommen.[4] In Polen wurden bis Anfang Oktober 2002 über 11,5 Millionen Złoty, umgerechnet über 3,6 Millionen US-Dollar, eingespielt.[4] Weltweit konnten Einnahmen von über 120 Millionen US-Dollar erzielt werden.[4] An den deutschen Kinokassen wurden bis Mitte Mai 2003 über 800.000 Zuschauer gezählt.[4] Die Einnahmen der niederländischen Premiere wurden dem Anne-Frank-Haus gespendet.[6]
Regisseur Roman Polański überlebte als Kind selber das Krakauer Ghetto und verlor seine Mutter im KZ Auschwitz-Birkenau. Sein Vater überlebte das KZ Mauthausen. Während der Dreharbeiten in Krakau traf Polanski einen Mann, der seiner Familie verhalf, den Zweiten Weltkrieg zu überleben.[6] Für die Rolle des Władysław Szpilman sprachen 1.400 Schauspieler bei einem Casting in London vor.[6] Letztlich entschied sich Polanski gegen sämtliche dieser Schauspieler und für Adrien Brody, den er bei den Dreharbeiten zu Das Halsband der Königin in Paris gesehen hatte.[6] Hauptdarsteller Brody lernte für seine Rolle eigens etwas Klavier spielen und nahm rund 14 kg ab.[6] Um sich für seine Rolle mit dem Gefühl des Verlusts vertraut zu machen, gab er sein Apartment auf, verkaufte sein Auto und schaute kein Fernsehen mehr.[6] Adrien Brody und Thomas Kretschmann standen 2005 in King Kong erneut gemeinsam vor der Kamera. Axel Prahl spielt eine Nebenrolle als deutscher Soldat. Daniel Szpilman, der Großenkel von Władysław Szpilman spielt den Jungen im Ghetto, der zunächst am Marktplatz und später am Umschlagplatz zu sehen ist.[6] Während der Dreharbeiten verstarb Rainer Schaper am 7. März 2001 in Berlin im Alter von 51 Jahren an einem Hirninfarkt.[7] Daraufhin wurden die Dreharbeiten für einen Tag ausgesetzt und der Film wurde dem Produzenten gewidmet.[6]
Die Handlung enthält einen vorgreifenden Anachronismus: Während die Familie Szpilman im Rundfunk die Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich mithört, ertönt kurzzeitig eine Rede von Joseph Goebbels. Der Ausschnitt stammt aus der Sportpalastrede, welche 1943, nicht 1939 gehalten wurde.
Aktuelle Nachforschungen belegen, dass der Offizier Wilm Hosenfeld auch anderen Juden geholfen hat. Im Jahr 2008 wurde er mit dem Polnischen Verdienstkreuz geehrt. Im Dezember 2008 folgte die Anerkennung von Yad Vashem.
Synchronisation [Bearbeiten]
Die Synchronisation erfolgte durch die Synchronisationsfirma Studio Babelsberg nach einem Dialogbuch von Heinz Freitag, der zugleich die Dialogregie übernahm.[8]
| Darsteller | Sprecher[8] | Rolle |
|---|---|---|
| Adrien Brody | Stephan Schwartz | Wladyslaw Szpilman |
| Thomas Kretschmann | Thomas Kretschmann | Hauptmann Wilm Hosenfeld |
| Andrzej Blumenfeld | Erich Räuker | Benek |
| Emilia Fox | Bettina Weiß | Dorota |
| Valentine Pelka | Udo Schenk | Dorotas Ehemann |
| Tom Strauss | Werner Ehrlicher | Dr. Luczak |
| Jessica Kate Meyer | Marie Bierstedt | Halina |
| Ed Stoppard | Norman Matt | Henryk |
| Roy Smiles | Bernd Vollbrecht | Itzak Heller |
| Ruth Platt | Diana Borgwardt | Janina |
| Ronan Vibert | Peter Reinhardt | Janinas Ehemann |
| Michal Zebrowski | Viktor Neumann | Jurek |
| Daniel Caltagirone | Peter Flechtner | Majorek |
| Anthony Milner | Eberhard Prüter | Mann an der Straßenkreuzung |
| Krzysztof Pieczynski | Frank-Otto Schenk | Marik Gebczynski |
| Maureen Lipman | Regine Albrecht | Mutter |
| Julia Rayner | Sabine Arnhold | Regina |
| Andrew Tiernan | Gerald Paradies | Szalas |
| Frank Finlay | Uli Krohm | Vater |
| Paul Bradley | Jörg Hengstler | Yehuda |
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Der Film, die Darsteller und die Filmcrew wurden mit diversen Filmpreisen ausgezeichnet.[9]
- Goldene Palme auf dem Filmfestival Cannes 2002 als bester Film des Festivals.
- Europäischer Filmpreis für die beste Kamera an Pawel Edelman
- Sieben Césars für die Kategorien: Bester Film des Jahres, Bester Hauptdarsteller, Bester Regisseur, Beste Kamera, Beste Musik, Bestes Szenenbild (Allan Starski) und bester Ton. Drei weitere Nominierungen für den besten Schnitt, das beste Drehbuch und die besten Kostüme. Dabei handelt es sich bei Der Pianist um den ersten Film, der mit dem Preis Bester Film ausgezeichnet wurde, ohne dass ein einziges französisches Wort in dem Film zu hören ist.[6]
- In allen 13 Kategorien für den Polnischen Filmpreis nominiert, davon acht erhalten: Bester Film, Regie, Kamera, Musik, Ton, Schnitt, Ausstattung und Kostüme.
- David di Donatello in der Kategorie Bester ausländischer Film
- Oscars für die Beste Regie (Roman Polański), den Besten Hauptdarsteller (Adrien Brody), Bestes adaptiertes Drehbuch (Ronald Harwood), sowie Nominierungen für den besten Film, beste Kamera, beste Kostüme und besten Schnitt. Dabei wurde Adrien Brody mit 29 Jahren als bislang jüngster Schauspieler mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.[6]
- zwei Golden-Globe-Nominierungen
- diverse weitere Preise in den USA von unterschiedlichen Institutionen
- DVD Champion in der Kategorie Publikumspreis
- Deutscher Preis für Synchron, herausragende Bearbeitung für das Gesamtwerk (Studio Babelsberg, Herstellungsleitung: Christa Kistner)
Literatur [Bearbeiten]
- Tobias Ebbrecht: Geschichtsbilder im medialen Gedächtnis. Filmische Narrationen des Holocaust. transcript, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1671-2, S. 168-183
- Marcus Stiglegger: Der Pianist / The Pianist in Filmklassiker – Beschreibungen und Kommentare / Hrsg. von Thomas Koebner. 5. Auflage, Reclam junior, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-030033-6; Band 5: ab 1993, Ss. 297-302
- Władysław Szpilman: Der Pianist. Mein wunderbares Überleben (Originaltitel: Śmierć miasta). Deutsch von Karin Wolff. Vorwort von Andrzej Szpilman, Anhang von Wilm Hosenfeld. Mit einem Essay von Wolf Biermann. 10. Auflage. Ullstein, Berlin 2005, 231 S., ISBN 978-3-548-36351-6 oder ISBN 3-548-36351-2
Weblinks [Bearbeiten]
- Der Pianist in der Internet Movie Database (englisch)
- Der Pianist bei Filmportal.de
- Sammlung von Kritiken zu Der Pianist bei Rotten Tomatoes (englisch)
- Filmkritik von Fred Mazelis (wsws.org)
- Offizielle Website - Zugang nur mit Benutzername/Password (englisch)
- Der Pianist in der Online-Filmdatenbank
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Der Pianist im Lexikon des Internationalen Films
- ↑ Die Seele im System, Die Zeit
- ↑ a b Internet Movie Database: Drehorte
- ↑ a b c d e f g Internet Movie Database: Budget und Einspielergebnisse
- ↑ a b c d e f Internet Movie Database: Starttermine
- ↑ a b c d e f g h i j Internet Movie Database: Hintergrundinformationen
- ↑ Der Spiegel: Gestorben: Rainer Schaper, Der Spiegel 11/2001, 12. März 2001
- ↑ a b Der Pianist in der Deutschen Synchronkartei
- ↑ Internet Movie Database: Nominierungen und Auszeichnungen
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