Der Reserveheld

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Filmdaten
Originaltitel Der Reserveheld
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1965
Länge 79 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Wolfgang Luderer
Drehbuch Rudi Strahl
Wolfgang Luderer
Produktion DEFA, KAG „Berlin“
Musik Wolfgang Pietsch
Kamera Hans Heinrich
Schnitt Ilse Peters
Besetzung

Der Reserveheld ist eine deutsche Filmkomödie der DEFA von Wolfgang Luderer aus dem Jahr 1965.

Handlung[Bearbeiten]

Der bekannte Schauspieler und Komiker Ralf Horricht unterbricht mitten in den Testaufnahmen seinen neusten Film, in dem er einen einfachen und sogar undisziplinierten Soldaten spielen soll. Er stellt noch am Set die Bedingung, als Oberst besetzt zu werden. Andernfalls werde er am Film nicht mitwirken. Zu Hause bei seiner Freundin Susanne schmiedet er eifrig Pläne: Er macht Susanne einen ungeschickten Heiratsantrag, den sie dennoch annimmt. Um in Ruhe seine Flitterwochen mit Susanne an der Ostsee verbringen zu können, will er sich vom Regisseur – der ihn garantiert wie immer anflehen wird, nicht vom Film abzuspringen – mindestens 14 Tage Bedenkzeit geben lassen. Der Regisseur, der von diesem Plan hört, will Horricht von seinem hohen Ross herunterholen und ignoriert den beleidigten Filmstar, der nun reichlich verwirrt seine Reise an die Ostsee antritt.

Unbemerkt hatte er noch in seiner Wohnung Fanpost verbrannt, da er unmöglich alle Autogrammwünsche erfüllen kann. Unter den Briefen befand sich auch ein echter Einberufungsbescheid zur Nationalen Volksarmee. An der Ostsee liest Horricht zwar ein Telegramm der Armee, das ihn erneut auffordert, sich zu melden, doch hält er es für ein Telegramm seines Regisseurs und verbrennt es. So kommt es, dass Horricht unmittelbar nach der Trauung mit Susanne von zwei Polizisten in Gewahrsam genommen und zur Kaserne gebracht wird. Von nun an ist er Reservist.

Die Männer in seiner Stube sind begeistert, dass sich Horricht nicht vor dem Armeedienst gedrückt hat – auch wenn er es heimlich mehrfach vergeblich versucht hat. In der Folge wird ihm sämtliche Stubenarbeit abgenommen, andere bügeln seine Kleidung, putzen seine Schuhe, machen sein Bett und räumen seinen Spind auf. Selbst beim Morgenappell darf Horricht nach einer Weile zu spät kommen. Dies ändert sich, als die Gruppe mit Hauptmann Hottas einen neuen Vorgesetzten erhält. Er versteht keinen Spaß und weiß zwischen Dienst und Freizeit streng zu unterscheiden. In Horricht vermutet er einen Kellner und die anderen lassen ihn in dem Glauben.

Die Vorbereitungen für den Horricht-Film rund um die Armee laufen an und so befindet sich bald das Drehteam unweit der Kaserne. Auch Susanne ist darunter, die plötzlich von Hottas umworben wird. Er ahnt nicht, dass sie Horrichts Frau ist und Horricht wiederum vermutet bald ein Verhältnis seines Vorgesetzten mit Susanne. Als die gesamte Kompanie von einer Affäre Hottas’ zu reden beginnt, rückt Horricht, der zuvor vergeblich versucht hat, ohne Nachweis einer Heiratsurkunde zu Susanne aufs Zimmer zu gelangen, heimlich aus der Kaserne aus und begibt sich zu Susanne. Die reagiert genervt, weil Horricht aus allem „eine Filmszene machen muss“, während Hottas entsetzt ist, dass er mit Horrichts Frau geflirtet hat. Horricht und Hottas sprechen sich aus: Hottas schmuggelt Horricht heimlich in die Kaserne zurück, während Horricht verspricht, in Zukunft der vorbildlichste Reservist zu sein. Tatsächlich zeigt er gute Leistungen und führt sogar einen Sonderauftrag während eines Manövers kompliziert, aber zuverlässig aus. Am Ende ist die Militärzeit für Horricht vorbei und er könnte endlich mit Susanne in die Flitterwochen reisen. Kurz bevor er das Auto besteigt, rennt er jedoch zurück in die Kaserne – er hat vergessen, seine Heiratsurkunde mitzunehmen.

Produktion[Bearbeiten]

Der „Reserveheld“ Ralf Horricht wurde von Drehbuchautor Rudi Strahl dem Bühnenkomiker Rolf Herricht auf den Leib geschrieben. Es war das erste Drehbuch, das Eulenspiegel-Autor Strahl verfasste.[1]

Der Film entstand 1964 im thüringischen Sondershausen und erlebte am 27. Februar 1965 im Theater der Freundschaft in Sondershausen seine Premiere. Obwohl ein Publikumserfolg, wurde Der Reserveheld später nie mehr im Kino gezeigt: Der komödiantische Blick auf die NVA rief bald nach der Premiere „die Kritik der Kulturwächter auf den Plan“.[2]

Kritik[Bearbeiten]

Die zeitgenössische Kritik bemängelte die „deftigen Gags“[3] und befand, dass Luderer und Strahl „hier und da ein bißchen zu tief in die Klamottenkiste griffen“.[4] Dennoch enthalte der Film „eine ganze Reihe hübscher Einfälle, und vor allem wurde das Ganze durch eine flotte Inszenierung wieder wettgemacht.“[4]

Der film-dienst schrieb: „Trotz Paraderolle für den beliebten Komiker Rolf Herricht nur ein relativ anspruchsloses Militärlustspiel. Die grotesken Erlebnisse eines plötzlich zu einer Reserveübung eingezogenen Filmkomikers verbreiten allenfalls mäßige Heiterkeit. Interessant als ein in der DDR seltener Versuch, das Thema Nationale Volksarmee einmal nicht bierernst zu nehmen.“[5] Für Cinema war der Film „So ‚lustig‘ wie die DDR-Grundausbildung“.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. progress-film.de
  2.  F.-B. Habel: Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-349-7, S. 482.
  3. Christoph Funke: Schwarzweiße Reservekomik. In Morgen, 20. Februar 1965.
  4. a b Margot Schröder in: Junge Welt. 7. März 1965.
  5. Der Reserveheld im Lexikon des Internationalen Films
  6. Vgl. cinema.de