Der Stern (Zeitschrift, 1938/39)

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Logo des STERN in Ausgabe Nr. 16 vom April 1939

Der Stern war eine deutsche Zeitschrift in der Zeit des Nationalsozialismus, die 1938 und 1939 im Deutschen Verlag, Berlin, wöchentlich erschien, sich vor allem mit Film, Frauen und Glamour beschäftigte und eine vordergründig unpolitische NS-Propaganda betrieb. Sie erreichte 1939 nach eigenen Angaben eine Auflage von 750.000 Exemplaren.

Geschichte[Bearbeiten]

Die von Kurt Zentner herausgegebene Zeitschrift erschien von September 1938 bis Dezember 1939 im Deutschen Verlag, Berlin. Der Deutsche Verlag war 1934 aus dem Ullstein Verlag entstanden, nachdem dessen Inhaber, die Familie Ullstein, enteignet worden war. Als Herausgeber zeichnet in der Ausgabe vom April 1939 „Hauptschriftleiter Dr. Kurt Zentner (verreist); Vertreter: Dr. Hans Karbe.“

Die Hefte waren vordergründig unpolitisch. Nur die Ausgabe Nr. 16 vom April 1939 zeigte Adolf Hitler anlässlich seines 50. Geburtstags auf der Titelseite, umgeben von drei Frauen in Abendkleidern, dazu die Bildunterschrift: „Der Führer im Kreise der Künstler.“

Die Leserbriefseite hieß „postlagernd“ und gab tieferen Aufschluss über die Interessen der Leserschaft und die Gesinnung der Redaktion.[1]

Themen der Hefte sind das Genre Film, seine Stars und schöne Frauen.[2] Die Gründe für das Ende der Zeitschrift sind nicht geklärt. Möglicherweise hängen sie mit dem Kriegsbeginn und dem Eintritt Kurt Zentners in die Wehrmacht zusammen. In der Deutschen Nationalbibliothek finden sich unter der Signatur ZB 37723 einige Dutzend Ausgaben.

Beziehung zum Nachkriegs-„stern“[Bearbeiten]

Zwischen dem Stern von 1938/39 und der 1948 gegründeten Zeitschrift ähnlichen Namens bestehen Zusammenhänge, obwohl der neue stern an keiner Stelle auf diesen Teil der eigenen Historie eingeht. Das Logo der alten Zeitschrift zeigt einen siebenzackigen Stern in von Ausgabe zu Ausgabe wechselnden Farben, während das Logo der Nachkriegszeitschrift stern einen sechszackigen weißen Stern auf rotem Grund aufweist. Die Themensetzung beider Publikationen ähnelt sich bis in die Gestaltung der Titelseiten mit hochwertigen Fotografien weiblicher Models hinein.

Der Verleger und Gründer des Nachkriegs-stern Henri Nannen wollte nichts von der gleichnamigen Vorkriegs-Publikation gewusst haben. Laut einem Artikel des Historikers Nils Minkmar in der Zeit[3] hält es allerdings Nannens Biograf Hermann Schreiber für „in hohem Maße wahrscheinlich“, dass Nannen die zehn Jahre vorher erschienene Publikation sehr wohl kannte, zumal der Herausgeber des alten Stern, Kurt Zentner, ein halbes Jahr lang im neuen stern Henri Nannens Stellvertreter war.[4][5]

Beide – Nannen und Zentner – gehörten im Zweiten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter der Propagandakompanie an. Minkmar betont, die gesamte Aufmachung von Zentners Stern gleiche „dem des Nachkriegssterns, zumindest in dessen Phase von Kriegsende bis Mitte der sechziger Jahre“.[6] Für den Historiker Habbo Knoch machte „dieser erste Stern die Mischung aus Stil und Kultur, Stars und Sex bereits vor“.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nils Minkmar: Die doppelte Wundertüte. Wie Henri Nannen den „Stern“ erfand. In: Lutz Hachmeister/Friedemann Siering: Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. C.H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47597-3, S. 185–195.
  • Tim Tolsdorff: Von der Stern-Schnuppe zum Fix-Stern. Zwei deutsche Illustrierte und ihre gemeinsame Geschichte vor und nach 1945. Herbert von Halem Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-86962-097-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Ausgabe Nr. 29 von Mitte Juli 1939 druckte Der Stern u.a. diese Leserfrage zu einer Heirat mit „Ausländern“ ab - und gab eine nationalsozialistisch konforme Antwort: „L.D., Braunschweig: Ich wäre dem 'Stern' sehr dankbar, wenn ich einmal erfahren könnte, ob es möglich ist, daß eine Deutsche einen Italiener heiratet. Kürzlich hörte ich nämlich, daß in Italien die Heirat mit Ausländern untersagt sei. In diesem Fall gelten wir Deutsche ja doch auch als Ausländer.“ Die Redaktion antwortete so: „Italien hat ähnliche Rasseschutzgesetze wie Deutschland. Eine Heirat zwischen Italienern und Deutschen ist dadurch aber keinesfalls unmöglich gemacht, da die beiderseitige Gesetzgebung vor allem das Ziel verfolgt, eine Vermischung des arischen Blutes mit dem jüdischen zu verhindern. Es ist also nach Erfüllung bestimmter Formalitäten möglich, daß Angehörige der beiden Staaten einander heiraten, falls es sich nicht bei einem der beiden Partner um einen Nichtarier im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen handelt.“
  2. Details aus einigen Zeitschriften von 1939
  3. Der Artikel war Kern eines 2002 erschienenen wissenschaftlichen Buchs von Minkmar. Siehe: Literatur
  4. Die Zeit, Stern im Schatten des Sterns, 17/2000; Nils Minkmar: Die doppelte Wundertüte. Wie Henri Nannen den „Stern“ erfand. In: Lutz Hachmeister/Friedemann Siering: Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. C.H. Beck, München 2002, S. 185–195, hier S. 192 ff.
  5. Minkmar S. 194f; Karl Ude: Ein Historiker des Augenblicks. Dr. Kurt Zentner wird 65. Unser Jahrhundert in dokumentarischen Bildbänden. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Januar 1968
  6. Minkmar, S. 187
  7. Habbo Knoch: Die lange Dauer der Propaganda. Populäre Kriegsdarstellung in der frühen Bundesrepublik. In: Wolfgang Hardtwig und Erhard Schütz (Hrsg.): Geschichte für Leser. Populäre Geschichtsschreibung in Deutschland im 20. Jahrhundert. Steiner, Stuttgart 2005, S. 205–226, hier S. 213.