Der Tunnel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Der Tunnel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Erstausgabe von 1913

Der Tunnel ist das bedeutendste Buch des Schriftstellers Bernhard Kellermann. Es erschien im April 1913 im S. Fischer Verlag, Berlin. Bereits nach einem halben Jahr waren 100.000 Exemplare verkauft; das Werk wurde zu einem der erfolgreichsten Bücher der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis 1939 erreichte es eine Gesamtauflage in Millionenhöhe.

Kellermann rezipiert in dem Roman die technikbegeisterte Einstellung seiner Epoche. So will der Ingenieur Allan, genannt Mac, innerhalb von wenigen Jahren einen Tunnel am Grunde des Atlantiks von Amerika nach Europa bauen. Die Zeit scheint reif, Technologien bis ins Unendliche auszureizen. Wie so oft, droht der Traum des Ingenieurs aus finanziellen Gründen zu scheitern; mehrere Katastrophen erfährt der Tunnelbau unter dem Ozean. Das Fiasko scheint unabwendbar, als auch die Arbeiterheere rebellieren. Der Held Allan wird zu einem der meistgehassten Menschen des Planeten.

Nicht nur die Rezeption von Sentiments seiner Zeit gelingt Kellermann, er antizipiert daneben gesellschaftliche Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise; seine Vision gewinnt den Charme einer Parallelweltgeschichte der 1920er und 1930er Jahre, in denen der Erste Weltkrieg nie eingetreten ist. Und so bleibt auch dem Tunnel eine bittere Zukunft: nach 26 Jahren Bauzeit wird er schließlich vollendet, jedoch sind es nun die „deutschen Riesenluftschiffe“, die „in sechsunddreißig Stunden“ über den Atlantik fliegen. So bleibt die Erkenntnis, dass die Technologien bei ihrer Anwendung stets veraltet sind.

Bemerkenswert ist die betont antisemitische Darstellung von Allans Gegenspieler S. Woolf, dem zum Finanzmagnaten gewordenen eingewanderten „Ostjuden“, der von Kellermann nicht nur als weichlich, wehleidig, dabei amoralisch und dem Mammon verfallen, sondern auch als Erotomane mit sadomasochistischen und pädophilen Zügen gezeichnet wird und damit alle seinerzeit geläufigen Negativklischees bedient.

Literatur[Bearbeiten]

Primär:

Sekundär:

  • Werner Fuld: Bis an die Knöchel im Geld, über Bernhard Kellermanns Der Tunnel. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Romane von gestern - heute gelesen, Bd. I 1900 – 1918, S. 180–186, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1989, ISBN 3-10-062910-8.

Verfilmung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]