Der Untergang

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Dieser Artikel behandelt den Film Der Untergang; zu dem gleichnamigen Roman siehe Der Untergang (Hohlbein).
Filmdaten
Originaltitel Der Untergang
Der untergang.svg
Produktionsland Deutschland, Italien, Russland, Österreich
Originalsprache Deutsch
Russisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge Kinofassung: 150 Minuten,
TV-Fassung: 175 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 12[2]
Stab
Regie Oliver Hirschbiegel
Drehbuch Bernd Eichinger
Produktion Bernd Eichinger
Musik Stephan Zacharias
Kamera Rainer Klausmann
Schnitt Hans Funck
Besetzung

Fiktive Personen:

Der Untergang ist ein Spielfilm von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahr 2004. Der Film thematisiert vor allem die Geschehnisse im Berliner Führerbunker während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Europa und erhielt 2005 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

Vorlage[Bearbeiten]

Der Film basiert vor allem auf dem gleichnamigen Werk des Historikers Joachim Fest, der auch eine umfangreiche Hitler-Biografie verfasste, und den Erinnerungen von Hitlers damals 25-jähriger Privatsekretärin Traudl Junge (beide 2002 erschienen). Letztere erschienen als Buch (Bis zur letzten Stunde) und als Film (Im toten Winkel). Ausschnitte aus dem Film sind am Anfang und am Ende von Der Untergang zu sehen. Als weitere Vorlage Eichingers diente die Darstellung 1945. Als Arzt in Hitlers Reichskanzlei von Ernst Günther Schenck.

Produktion[Bearbeiten]

Produziert wurde der Spielfilm von Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch schrieb. Die Außenaufnahmen entstanden in Sankt Petersburg, dessen historische Innenstadt teilweise große Ähnlichkeit mit der Stadt Berlin des Jahres 1945 aufweist. Die Szenen im Bunker wurden in München gedreht. Mit 13,5 Millionen Euro war Der Untergang nach Wolfgang Petersens Das Boot und Die unendliche Geschichte zum Entstehungszeitpunkt der drittteuerste in Deutschland produzierte Kinofilm.

Uraufgeführt wurde das Werk am 9. September 2004 in München. Die internationale Premiere fand am 14. September 2004 auf dem Toronto International Film Festival statt. In die deutschen Kinos kam der Film am 16. September 2004. Mitte November 2004 hatte Bernd Eichinger eine Filmverleihfirma gefunden, die Firma Newmarket Films, die den Film in den USA und Kanada in die Kinos brachte.

Am 19. und 20. Oktober 2005 sendeten ARD und ORF den Film erstmals im frei empfangbaren Fernsehen. Die zweiteilige Fernsehversion enthält einige bis dahin unveröffentlichte Szenen und ist 25 Minuten länger als die Kinoversion des Films.

Der Film war 2005 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert, musste ihn aber dem Film Das Meer in mir überlassen.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film handelt vom Untergang des Dritten Reiches und dem Ende des Diktators Adolf Hitler.

Im November 1942 wird die 22-jährige Münchnerin Traudl Humps (nach Heirat 1943 Traudl Junge) im FührerhauptquartierWolfsschanze“ von Hitler als Sekretärin eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt war von den deutschen Truppen der Großteil Europas erobert worden. Zweieinhalb Jahre später hat sich das Blatt gewendet. Die deutschen Truppen sind an allen Fronten bis auf eigenes Territorium zurückgedrängt worden und die deutschen Großstädte liegen nach massiven Bombenangriffen in Schutt und Asche. Bis auf Japan, das selbst in erheblichen Schwierigkeiten steckt, hat Deutschland alle Verbündeten verloren. Damit steht das Dritte Reich kurz vor dem Zusammenbruch.

Am 20. April 1945, dem 56. Geburtstag Hitlers, erreicht sowjetisches Artilleriefeuer erstmals das Berliner Stadtzentrum. Hitler will aber Berlin nicht verlassen, obwohl ihm das immer wieder angeraten wird. Er glaubt immer noch an den Endsieg und an seine Vision von einem „germanischen Weltreich“. Seine Generäle versuchen, ihm die aussichtslose Lage klarzumachen, jedoch reagiert er darauf mit hysterischen Wutausbrüchen. Mit einem solchen reagiert er auch auf die Nachricht, dass die Armeegruppe „Steiner“ einen von ihm befohlenen Entsatzangriff nicht durchgeführt habe. Er beschimpft seine Generäle als „treulose Feiglinge“, spricht jetzt erstmals davon, dass der Krieg verloren sei und dass er sich lieber umbringe, anstatt Berlin zu verlassen oder zu kapitulieren. Seine Generäle sind verzweifelt. Einerseits fühlen sie sich Hitlers Willen gegenüber immer noch verpflichtet, andererseits aber können sie seine völlig sinnlosen Befehle nicht mehr umsetzen. Hitler nimmt bei seinen Entscheidungen auch keine Rücksicht mehr auf die Zivilbevölkerung und spricht davon, dass das deutsche Volk seinem „verdienten Untergang“ entgegengehe. Die meisten politischen Führungsleute haben inzwischen Berlin verlassen und kehren Hitler den Rücken. Diese werden von Hitler als Verräter beschimpft, besonders Hermann Göring, Heinrich Himmler und Albert Speer. Göring versucht mit der Begründung, dass Berlin von der Außenwelt abgeschnitten sei, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Himmler kontaktiert die Alliierten, um ihnen ein Kapitulationsangebot zu machen. Speer offenbart Hitler, dass er Hitlers Zerstörungsbefehle, damit „der Feind nur noch eine Wüste vorfindet“ schon seit Monaten ausgesetzt habe. Lediglich der Reichsminister für Propaganda, Joseph Goebbels, der Staatssekretär Walter Hewel und der Chef der Parteikanzlei, Martin Bormann, bleiben an Hitlers Seite. Seine beiden Sekretärinnen Gerda Christian und Traudl Junge wollen ebenfalls im Führerbunker bleiben, ebenso seine Geliebte Eva Braun, auch nachdem sie ihn nicht davon abbringen konnte, ihren Schwager Hermann Fegelein wegen Fahnenflucht und Verrat erschießen zu lassen.

Inzwischen ist die Schlacht um Berlin entbrannt. Die sowjetischen Truppen erobern in erbitterten Häuserkämpfen Meter für Meter. Die deutschen Truppen, die zum größten Teil nur noch aus Hitlerjugend und Volkssturm bestehen, führen einen verzweifelten und hoffnungslosen Kampf. Im Führerbunker verteilt Hitler an seine engsten Mitarbeiter Zyankalikapseln. Man diskutiert darüber, wie man sich am besten umbringen könne, und es wird viel Alkohol getrunken, weil man „sowieso nichts anderes mehr tun kann“. Am 29. April 1945 diktiert Hitler Traudl Junge sein privates und politisches Testament. Danach werden er und Eva Braun getraut. General Wilhelm Mohnke, der als Kampfkommandant für die Sicherung des Regierungsviertels zuständig ist, meldet Hitler, dass die Reichskanzlei von den sowjetischen Truppen vollständig eingekesselt sei. Die Stellungen könnten nur noch maximal einen Tag gehalten werden. Für Hitler bedeutet das, dass er nur noch durch Selbstmord einer sowjetischen Gefangennahme entgehen kann. Er will dem Feind aber auf keinen Fall als Trophäe in die Hände fallen. Deshalb nimmt er seinem Adjutanten Otto Günsche das Versprechen ab, seine sterblichen Überreste restlos zu beseitigen.

Am Nachmittag des 30. April 1945 vergiften sich Hitler und Eva Braun mit Zyankalikapseln. Hitler schießt sich dabei gleichzeitig eine Kugel durch den Kopf. Die Leichen der beiden werden anschließend vor der Reichskanzlei verbrannt. Nach dem Tod Hitlers streitet man sich im Führerbunker darüber, ob man weiterkämpfen oder kapitulieren solle. Goebbels, der als Reichskanzler Hitlers Nachfolge angetreten hat, beauftragt den General Hans Krebs, mit dem sowjetischen Generaloberst Wassili Iwanowitsch Tschuikow in Kontakt zu treten, um mit ihm Friedensverhandlungen zu führen. Im Rahmen dieses Treffens informiert Krebs ihn auch über Hitlers Selbstmord. Tschuikow lehnt jedoch Friedensverhandlungen ab und akzeptiert nichts anderes als die bedingungslose Kapitulation. Goebbels lehnt jedoch die Unterzeichnung einer Kapitulationsurkunde strikt ab. Seine ebenfalls hitlertreue Frau Magda will nicht, dass ihre sechs Kinder in einer Welt ohne Nationalsozialismus aufwachsen. Sie verabreicht den Kindern ein Schlafmittel, um sie anschließend mit Zyankalikapseln zu töten. Die zwölfjährige Helga weigert sich, die „Medizin“, die angeblich verhindern soll, dass die Kinder im Bunker krank werden, einzunehmen. Offenbar spürt sie, dass sie und ihre Geschwister sterben sollen. Ihre Mutter flößt ihr das Mittel mit Hilfe des Arztes Dr. Ludwig Stumpfegger mit Gewalt ein. Nach der Tötung der Kinder lässt Magda Goebbels sich von ihrem Mann erschießen, bevor dieser sich selbst tötet.

Am 2. Mai 1945 fordert General Helmuth Weidling, der Kampfkommandant des Verteidigungsbereiches Berlin, seine Soldaten auf, die Kampfhandlungen einzustellen und sich den sowjetischen Truppen zu ergeben. Eine Gruppe um General Mohnke, der sich Gerda Christian und Traudl Junge angeschlossen haben, um aus dem Führerbunker zu fliehen, muss sich ebenfalls den sowjetischen Soldaten ergeben, von denen sie eingekesselt sind. Einige begehen kurz vor der Gefangennahme Selbstmord, darunter auch Walter Hewel, der damit ein Versprechen einlöst, das Hitler ihm abgenommen hatte. Während Gerda Christian nicht mehr weitergehen will, geht Traudl Junge mutig zwischen den sowjetischen Soldaten hindurch, in der Hoffnung, dass sie als Frau verschont werde. Sie wird dabei von dem zwölfjährigen Peter Kranz begleitet. Der Angehörige der Hitlerjugend war vor ein paar Tagen noch stolz darauf, von Hitler persönlich ausgezeichnet zu werden. Dann aber wurde ihm die Grausamkeit des Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur bewusst, besonders dadurch, dass seine Eltern in ihrer Wohnung als Verräter hingerichtet wurden. Am Ende findet der Junge noch ein Fahrrad, das Traudl und er benutzen, um schneller zu fliehen.

Erfolg[Bearbeiten]

In Deutschland sahen rund 4,5 Millionen Besucher den Film in den Kinos.[3] Laut des Online-Filmportals Box Office Mojo betrug das weltweite Einspielergebnis 92 Mio. US-Dollar.[4]

Der Untergang erhielt trotz vieler Kontroversen (s. u.) viel Lob für seinen gewagten Blickwinkel auf Adolf Hitler und wurde auch international sehr gut aufgenommen. Er gehört zu den erfolgreichsten jüngeren deutschen Produktionen im Ausland, insb. auch in den USA, wo der Film unter dem Titel Downfall erschienen war.[5]

Der Untergang gewann in mehreren Kategorien beim Bayerischen Filmpreis sowie in der Kategorie „Bester Film national“ einen Bambi (s. u.). Ebenfalls wurde der Film bei der Oscarverleihung 2005 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.

Rezeption[Bearbeiten]

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In dem Film wird erstmals in der deutschen Filmgeschichte (und im Gegensatz zu Georg Wilhelm Pabsts Der letzte Akt von 1955) Adolf Hitler als szenisch zentrale Figur eines Historienfilms dargestellt. Der Film hat bereits vor dem Kinostart kontroverse Diskussionen ausgelöst.

Befürworter des Projekts loben die (auch von den Machern postulierte[6]) Authentizität des Films, der viele historisch verbürgte Zitate enthält.

Der NS-Forscher Michael Wildt kritisierte jedoch, dass der Film mit seinem nicht zu haltenden Authentizitätsversprechen sich selbst als Quelle inszeniere: „Wer solche ‚Authentizität‘ verspricht, bringt nicht historisches Geschehen zum Ausdruck, sondern entwirft gerade im umgekehrten Sinn in der gegenwärtigen Szenerie die Vergangenheit.“ Jede Szene spiele „den Zuschauern gleichförmig und eindimensional ‚Authentizität‘ vor: Was zu sehen ist, sei das Wirkliche. Die Behauptung der Filmemacher, der ‚Untergang‘ halte sich streng an die historischen Dokumente, ist daher nicht mehr naiv zu nennen – sie ist eine bewusste Täuschung.“[7]

Vielfach wurde angemerkt, dass der Film dazu beitrage, Hitler zu entmystifizieren. Man könne den Aufstieg der Nationalsozialisten und die Faszination, die von Hitler ausging, erst dann richtig verstehen, wenn man sich mit dem Menschen Hitler beschäftige und ihn nicht als mythologisches Wesen (Teufel) oder Unmenschen betrachte. Die Untaten Hitlers verlören ihre Schrecken nicht, würden im Gegenteil erst gerade dadurch als Menschenwerk erschreckend. Um zu verhindern, dass der Diktator als Identifikationsfigur erscheine, wurde die Erzählperspektive der Sekretärin Traudl Junge gewählt. Dass der Zuschauer ihre Perspektive annehmen soll, wird durch einen Vorspann verdeutlicht, der zeigt, wie Hitler seine Sekretärin im Führerhauptquartier Wolfsschanze auswählt.

Sehr gelobt werden die darstellerischen Leistungen, vor allem von Bruno Ganz als Hitler und Corinna Harfouch als Magda Goebbels. Der aus der Schweiz stammende Hauptdarsteller bereitete sich hinsichtlich seines körperlichen Ausdrucks besonders genau auf seine Rolle vor. Der häufig geäußerten Behauptung, auch seine Sprechweise sei sehr nah an der Hitlers, die dieser im kleineren Kreise pflegte, wurde allerdings widersprochen. Zeitzeugenaussagen sowie ein Vergleich mit einer kurzen erhaltenen Tonfilmsequenz und vor allem mit einer Originalaufnahme, die ein finnischer Techniker heimlich von einem privaten Gespräch des „Führers“ aufzeichnete, machen deutlich, dass insofern die Darstellung Hitlers doch eher an dessen Auftritte in den heute zumeist als abschreckend empfundenen Reden auf Großveranstaltungen nachempfunden ist. In den Tondokumenten ist zu hören, dass Hitler das „R“ nicht rollte, nur einen ganz leichten österreichischen Dialekt besaß und weich und flüssig sprach statt in Stakkati. Befürworter des Filmprojekts meinen in dieser Darstellung ein weiteres dramaturgisches Mittel zur Verhinderung der Identifikation des Zuschauers mit der historischen Figur zu erkennen.

Die Nutzer der Internet Movie Database bewerten diesen Film mit einer Punktzahl von 8,2 von 10 Punkten (Stand: 30. August 2013). Damit belegt Der Untergang den Platz 115 in den „Top 250“ und gehört neben „Das Boot“ (Platz 72), „M“ (Platz 50), „Metropolis“ (Platz 90) und „Das Leben der Anderen“ (Platz 63) zu den besten deutschsprachigen Filmen in dieser Liste.[8]

Ein Teil der Kritiker sieht in dem Film eine Verharmlosung der nationalsozialistischen Gräueltaten, da im Film zu wenig Bezug auf die Ermordung der Juden genommen wird und stattdessen Hitler in einigen Szenen als einfühlsamer Charmeur, als jemand, der sich Fehler eingesteht (Diktatszene mit Traudl Junge) oder etwa beim Nudelessen gezeigt wird.

Weiter wird den Produzenten, die für „Der Untergang“ verantwortlich sind, vorgeworfen, einige Nebenfiguren zu Unrecht in einem zu günstigen Licht erscheinen zu lassen, da dem Zuschauer deren Vorgeschichte nicht bekannt gemacht werde. Dies gelte vor allem für die Figur des Albert Speer, der in dem Film als einsichtiger Mahner und Befehlsverweigerer durchgehen könne. Ähnlich verzerrte Bilder treffen nach Meinung der Kritiker insbesondere auch für die Darstellungen des SS-Gruppenführers Hermann Fegelein oder des vernünftig, menschlich agierenden Arztes Prof. Ernst Günther Schenck zu. Fegelein wird als mehr oder weniger charmanter Lebemann gezeigt, war jedoch tatsächlich auch aktiv an der Judenvernichtung in Russland beteiligt.

Befürworter des Films halten dem entgegen, dass ein grundlegendes Geschichtswissen mit der Einordnung der Personen in einen weiteren Zusammenhang aber von den allermeisten Zuschauern erwartet werden könne, da es sich nicht um einen Unterhaltungsstreifen handele. Kritiker entgegnen, dass gerade die zunehmende Rezeption des Werks im Zeitgeschichteunterricht als äußerst problematisch anzusehen sei. Den Schülern fehle oft tatsächlich der historische Hintergrund, was sich in vielen Diskussionen in Form von revisionistischen Schlussfolgerungen niederschlagen könne.

Es wurde auch als peinlich für die zuständige Castingagentur kritisiert, dass der wegen Volksverhetzung 1995 verurteilte Rechtsextremist Karl Richter als Komparse beim Filmdreh, in der Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel, mitgewirkt hat. Er behauptet, dass noch 15 bis 20 ihm bekannte Personen des rechtsextremen Lagers am Set gewesen seien.[9] Wie er sagt, habe es ihn besonders bewegt, als ihm „Hitler“ die Hand schüttelte. Die Szene wurde jedoch später herausgeschnitten. Karl Richter ist einer der Redakteure der rechtsextremen Zeitschrift „Nation und Europa – Deutsche Monatshefte”.

Der deutsche Filmemacher Wim Wenders kritisiert in einer ausführlichen Besprechung in der Zeit die schillernde Erzählperspektive des Films.[10] Über weite Strecken nimmt der Film die Sichtweise der Traudl Junge auf, ohne diese Sichtweise in irgendeiner Weise zu hinterfragen. Andere Passagen zeigen einen fanatisierten Hitlerjungen. Dieser wiederum tritt in der letzten Szene als „Retter“ von Traudl Junge auf. So wechsle der Film permanent die Position. Wenders weist auch darauf hin, dass der Film, der sonst in der expliziten Darstellung von Gewalt regelrecht schwelgt, den Tod von genau zwei Personen nicht zeigt: den von Hitler und den von Goebbels. Gerade beim Tod dieser beiden Hauptverantwortlichen gnädig wegzuschwenken, heißt für Wenders, ihnen eine Ehre zu erweisen, die ihnen nicht gebühre.

Auch das Ende des Filmes geriet teilweise in die Kritik. Im Abspann wurde ein aus dem Film entnommenes Foto der Hauptfiguren mit einer kurzen Zusammenfassung ihres weiteren Schicksals gezeigt.

Sachliche Fehler[Bearbeiten]

Obwohl von den Machern des Films betont wurde, wie detailgetreu und historisch genau das Drehbuch recherchiert, alles zu Sehende belegt und nichts Entscheidendes erfunden sei, sind im Film mehrere sachliche Fehler – teils szenisch erkennbar – enthalten. In einer Szene wird die Filmfigur Schencks damit beauftragt, verschiedenes medizinisches Material in den Führerbunker zu bringen. In der Liste der angeforderten Utensilien findet sich Penicillin, das erst nach 1945 durch die Amerikaner nach Deutschland kam. Der SS-General Hermann Fegelein trägt die Abzeichen eines SS-Brigadeführers, obwohl er im April 1945 SS-Gruppenführer war (also einen Rang höher) und auch im Film als solcher bezeichnet wird. Er trägt außerdem im Film lediglich das Eichenlaub zum Ritterkreuz, obwohl er am 30. Juli 1944 auch die Schwerter dazu erhielt; Kragenspiegel und Kopfbedeckung des Reichsjugendführers Arthur Axmann entsprechen nicht den historischen Aufnahmen.

Es fällt auch auf, dass in verschiedenen Szenen des Films Statisten auftauchen, die wie zufällig in Uniformen geworfen sind. Ein SS-Sturmbannführer verrichtet Wachdienst an einer Zwischentür (wobei es sich um einen Angehörigen des Führerbegleitkommandos handeln könnte), ein SS-Obersturmbannführer scheint sich um die Fahrzeuge zu kümmern. (Erich Kempka, der Fahrer Hitlers, leitete auch den Fuhrpark)

Im Film tötet sich das Ehepaar Goebbels durch Schüsse. In Wirklichkeit aber starben Goebbels und seine Frau Magda durch die Einnahme von Blausäure. Das belegen die Obduktionsergebnisse der nur unvollständig verbrannten Leichen, durchgeführt durch die Rote Armee.

Des Weiteren kritisiert Hitlers ehemaliger Telefonist und Leibwächter Rochus Misch das Buch von Fest sowie den Film: „Die Leistungen der einzelnen Schauspieler waren in Ordnung. Sehr enttäuscht war ich, als mich der Regisseur des Films, Bernd Eichinger, erst besuchte, als der Film schon ca. 4 Wochen in den Kinos lief.“ (Er hatte sich an Joachim Fests Buch Der Untergang orientiert.) „Dieser Schriftsteller hat mir Äußerungen in den Mund gelegt, die ich nie gesagt habe. Weder hat er mich besucht oder mit mir telefoniert. Ich kenne ihn gar nicht! So entsprechen auch einige Szenen nicht der historischen Wahrheit. Traudl Junge konnte bei Hitlers Selbstmord überhaupt nicht den Schuss hören. Sie schreibt selbst, dass sie sich bei Hitlers Selbstmord im Vorbunker mit den Goebbels-Kindern aufhielt und Hitler im Hauptbunker. Dazwischen lag der Maschinenraum. Von dem ging ein solcher Lärm aus, dass weder sie noch eines der Kinder den Knall hören konnten.“[11]

Im Film werden die Suizide der Generäle Hans Krebs und Wilhelm Burgdorf durch Kopfschuss dargestellt. Tatsächlich starben sie durch Gift. Dies bestätigen Obduktionsberichte der Roten Armee sowie Zeugen. Rochus Misch im gleichen Interview am 6. April 2006 (s. o.): „Etwas später fand ich die Leichen von General Krebs und General Burgdorf. Sie hatten sich eindeutig zusammen vergiftet, da keine Verwundungen oder Blut zu sehen war.“ Im Film deckt Misch die Köpfe der blutüberströmten Toten mit Tüchern ab.

Weiterhin ist ein Fernschreiben, das den Führerbunker erreicht, mit „Göring, Reichsfeldmarschall“ unterzeichnet. Der korrekte Rang Görings war jedoch „Reichsmarschall.“

Im Abspann („6 Millionen Juden waren in deutschen Konzentrationslagern ermordet worden.“) fehlt ein Hinweis auf Massenerschießungen durch Einsatzgruppen, sodass der Völkermord an den europäischen Juden irrtümlich ganz mit Konzentrationslagern assoziiert wird.

Internationale Kritiken[Bearbeiten]

David Denby, der Filmkritiker des US-Magazins The New Yorker, beobachtete, dass Bruno Ganz' darstellerische Leistung „nicht nur erstaunlich, sondern auch bewegend“ sei, und Hitler „kein Supermensch, sondern nur ein normaler Mensch, der von den Wünschen seines Gefolges zur Macht erhoben wurde“ „Aber“, so fragt Denby, „ist dies ausreichend, um Hitler gerecht zu werden? […] Dieser Hitler mag Mensch sein, aber vollständig erniedrigt als Mensch.“[12]

Hitler-Experte Ian Kershaw schrieb im Guardian, dass Ganz „Hitler nahe-authentisch darstellt“ und lobte seine Nachahmung der Hitler-typischen Stimme.[13]

Satire und Internetphänomen[Bearbeiten]

Der Comic-Zeichner Walter Moers persiflierte den Film 2005/2006 in seinem Buch Adolf – Der Bonker und der zugehörigen Videoanimation Adolf: Ich hock' in meinem Bonker. Die Parodie gewann im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2006 in der Kategorie „Bester Comic – Eigenpublikation national“ den Publikumspreis „Sondermann 2006“.

Eine spezielle Szene des Films erfreut sich als Parodie-Vorlage ungemeiner Popularität im englischsprachigen Internet, vornehmlich auf YouTube.[14] Die Szene zeigt eine Lagebesprechung im Führerbunker, in der die höchsten Wehrmachtsoffiziere Hitler berichten, dass ein geplanter Gegenangriff gegen die Sowjets nicht erfolgt sei. Der Diktator reagiert darauf zunächst mit einem heftigen Wutanfall, bevor er resigniert feststellt, dass der Krieg verloren sei. In mittlerweile hunderten Internet-Parodien wird diese Szene im deutschen Originalton mit erfundenen englischen Untertiteln unterlegt. In diesen Untertiteln wütet Hitler z. B. darüber, dass der amerikanische Immobilienmarkt zusammenbrach[15] oder sein World-of-Warcraft-Account gesperrt wurde.[16] Oliver Hirschbiegel betrachtet diese Adaptionen als Kompliment und lobte unter anderem ein Video, in dem Hitler vom Tod Michael Jacksons erfährt.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

TV Extended Version[Bearbeiten]

Neben der Kinofassung, die eine Länge von 150 Minuten hat, erschien auch eine speziell fürs Fernsehen produzierte Extended Version. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARD strahlte am 19. Oktober 2005 zum ersten Mal die 25 Minuten längere Extended Version aus, wo sie in zwei Teilen, die jeweils eine Länge von ca. 90 Minuten hatten, lief.[17] Später wurde sie auch auf DVD veröffentlicht. Die Extended Version enthält viele neue Szenen im Bunker und zeigt mehr von der zerbombten Stadt Berlin.[18]

Ähnliche Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filmwissenschaft[Bearbeiten]

  • Willi Bischof (Hrsg.): Filmri:ss. Studien über den Film „Der Untergang“. Unrast e. V., 2005, ISBN 3-89771-435-3. Enthält die Aufsätze:
    • Alexander Ruoff: Die Renaissance des Historismus in der Populärkultur. (Ruoff beschäftigt sich mit der Problematik des Erzählens von Geschichte, die im Fall des Filmes nicht den „Riss in der Geschichte“ deutlich mache, der durch Auschwitz entstanden sei, sondern dazu beitrage, Geschichte in „sinnstiftenden Einheiten“ zu präsentieren.)
    • Ilse Bindseil: „… als ob sie alle Emma hießen.“
    • Ellen Martin: „Sophie Scholl – die letzten Tage“ und „Der Untergang“. Spielfilme und ihre perspektivische Vermittlung der NS-Zeit. In: PÄD Forum: Unterrichten – Erziehen, 1 (2006), S.29-33.
    • Birgit Schmidt: Hitlers Frauen.
    • Tanya Ury: Das Leiden anderer missachten.
    • Lars Quadfasel: Unmenschen, menschlich gesehen. (Lars Quadfasel untersucht anhand des Films die Entstehung der Faszination, die die menschliche Betrachtung von „Unmenschen“ auszulösen scheint.)
  • Hannes Heer: Der Untergang – Wie ein Film die Geschichte Nazideutschlands auslöscht und neu erfindet. In: ders.: Hitler war’s. Aufbau-Verlag, ISBN 3-351-02601-3, S. 11–27 (Heer kritisiert, dass im Film „durch das Löschen aller historischen Daten […] Verbrecher, Tatbeteiligte, Mitwisser“ als Biedermänner gezeigt würden. Die Verbrechen des Nationalsozialismus erschienen damit als quasi nur von Hitler und Goebbels ausgeführt).
  • Roel Vande Winkel: Hitler’s Downfall, a film from Germany (Der Untergang, 2004). In: Leen Engelen und Roel Vande Winkel (Hrsg.): Perspectives on European Film and History. Academia Press, Gent 2007, ISBN 978-90-382-1082-7, S. 182–219.
  • Alexandra Tacke: De/Festing Hitler. Das Spiel mit den Masken des Bösen. In: Erhard Schütz/Wolfgang Hardtwig (Hrsg.): Keiner kommt davon. Zeitgeschichte in der Literatur nach 1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-20861-8, S. 266–285 (Vergleich von Der Untergang und Adolf – Der Bonker).

Hintergrund-Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 71 kB) der FSK, abgerufen am 5. September 2013.
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Untergang, Der (2004), in: IMDb – Earth’s Biggest Movie Database, online abrufbar über imdb.com.
  4. Der Untergang, in: Box Office Mojo, online abrufbar über boxofficemojo.com.
  5. Ulrich Gregor Daamen: Die Performance deutscher Kinofilme und zeitgenössischer Darsteller des deutschen Films, Rainer Hampp Verlag, München/Mering 2008, ISBN 978-3-86618-260-8, S. 135 m. w. N.
  6. „Ich halte mich an die Geschichte“. Interview mit Bernd Eichinger. In: Der Spiegel 17/2003, 19. April 2003: „Wir machen einen großen epischen Film fürs Kino. Allerdings halten wir uns dabei streng an die Dokumente. An Stenogramme der Lagebesprechungen und an die Aufzeichnungen von Zeitzeugen. Was historisch nicht belegt ist, kommt nicht vor. (...) Ich denke, unser Film wird authentischer als alle vorherigen.“
  7. Michael Wildt: „Der Untergang“: Ein Film inszeniert sich als Quelle. In: Zeithistorische Forschungen 2 (2005), Heft 1.
  8. Untergang, Der (2004), in: IMDb – Earth’s Biggest Movie Database, online abrufbar über imdb.com.
  9. Rechtsextremist als Komparse – „Als Hitler mir die Hand schüttelte“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Oktober 2004, online abrufbar über FAZ.net.
  10. Wim Wenders: Tja, dann wollen wir mal, in: Die Zeit Nr. 44 vom 21. Oktober 2004 online abrufbar über ZEIT online.
  11. roland-harder.de: Gespräch mit Rochus Misch, 6. April 2006.
  12. David Denby: Back in the Bunker. In: The New Yorker, 14. Februar 2005, online abrufbar über newyorker.com.
  13. Ian Kershaw: The human Hitler. In: The Guardian, 17. September 2004, online abrufbar über die Webseiten von The Guardian.
  14. a b Daniel Erk: Ein’ hab’ ich noch…. In: Hitler-Blog, taz.de, 21. Februar 2010.
  15. Hitler spoof – Real Estate Downfall, online abrufbar über youtube.com.
  16. Hitler spoof – Banned from World of Warcraft, online abrufbar – über youtube.com. inzwischen auf Grund von Urheberrechtsproblemen gesperrt.
  17. Eintrag zur Extended Version von Der Untergang in der Online Filmdatenbank.
  18. Vergleich zwischen der Kinofassung und der Extended Version von Der Untergang auf Schnittberichte.com.